Die Kabarettszene wehrt sich gegen den Stillstand

Kabarett

Die heimische Kabarettszene vereint als Kunstform nicht nur viele Talente, steht aktuell aber vor existentiellen Problemen. Das wollen sie sich nicht gefallen lassen.

Das österreichische Kabarett, mit jährlich mehr als 7.500 Veranstaltungen, über 1,6 Millionen BesucherInnen und einem Brutto-Karten-Umsatz von 43 Millionen Euro, ist seit Jahrzehnten die einzige unsubventionierte Kunstsparte Österreichs.

Dabei vereint das Kabarett als Kunstform viele Talente: Viele KünstlerInnen, die uns in Film, Fernsehen, Theater, Literatur und der Musik begegnen, sind im Kabarett beheimatet. 

Die Kabarettszene steht durch die Maßnahmen und Auswirkungen der Corona-Krise, gemeinsam mit fast allen Kulturschaffenden, vor existentiellen Problemen. Besonders hart trifft es die Szene, dass sie mangels struktureller Förderungen wirtschaftlich zu 100 % von der Auslastung der Veranstaltungen abhängig ist und sich dabei ein Erfolg nur durch entsprechende Dichte und Menge des Publikums erzielen lässt.

In etwa 350 KabarettistInnen, AutorInnen, RegisseurInnen, aber auch strukturell und organisatorisch Beteiligte wie AgentInnen, Ton- und LichttechnikerInnen, VeranstalterInnen und ihre Firmen und Teams finanzieren sich fast ausschließlich über den Kartenverkauf. Die Nebeneinkünfte im Kabarett aus der medialen Verwertung oder anderen Erlösquellen betragen im Durchschnitt unter 5% der Jahreseinnahmen.

Die erarbeiteten Kartenumsätze werden in der Regel zwischen den VeranstalterInnen und KünstlerInnen aufgeteilt, wobei der Anteil der KünstlerInnen üblicherweise 60 % beträgt. Aus diesen Einnahmen werden auch die Kosten der oft monatelangen Vorarbeiten für die Programmerstellung refinanziert. Darunter fallen sowohl Honorare für AutorInnen, RegisseurInnen, Werbung, Presse, GrafikerInnen, die Kosten der Ausstattung als auch die laufenden Kosten für Agenturen, Ton- und LichttechnikerInnen etc.

Die künstlerische Entwicklung und die Veranstaltungsvorbereitung werden 1 bis 2 Jahre im Voraus von den Agenturen geplant, mit den VeranstalterInnen vereinbart, pro Termin vorbereitet und organisiert und der Kartenverkauf durch Werbung und Presse beworben. Somit fallen etwa 75 % der Kosten 1-2 Jahre vor dem jeweiligen Terminen an, müssen aus dem Cashflow finanziert werden. Für die aktuelle Situation bedeutet das, dass die KabarettistInnen und ihre Agenturen sowie die Kabarettbühnen monatelang Arbeit und Vorkosten (Marketing, usw.) für die jetzt abgesagten Veranstaltungen investiert haben. Eine Refinanzierung dieses Aufwandes bleibt aufgrund der Corona-Krise nun allerdings aus. Durch diese Umstände wird das unsubventionierte Geschäftsmodell dieser vom Publikum so geliebten Kunstsparte auf unabsehbare Zeit existenziell gefährdet, bis ein uneingeschränkter Betrieb möglich ist und sich das Publikum wieder vertrauensvoll ins Theater wagt.

Denn: Die Kulturbranche war nicht nur als Erste von den behördlichen Einschränkungen betroffen und wird wohl nicht nur als Letzte von diesen befreit werden. Sondern es wird eine Zeit dauern, bis sich das Publikum wieder vertrauensvoll ins Theater wagt.

Die Corona-Krise wird ohne Unterstützung und zielgerichtete Maßnahmen für die Kabarettbranche ein „Veranstalter-Sterben“ auslösen. Nicht nur in Wien, der größten Kabarettmetropole im deutschsprachigen Raum mit ihren neun unsubventionierten, ganzjährig bespielten Kabaretttheatern (über 2.200 Vorstellungen mit knapp 600.000 BesucherInnen, was in etwa das doppelte BesucherInnenvolumen des Burgtheaters/Akademietheaters ausmacht). Sondern auch in den Bundesländern, insbesondere in den weniger dicht besiedelten Regionen am Land. Dadurch wird sich das Veranstaltungsvolumen und damit auch das Umsatzvolumen, abgesehen von konjunkturellen Auswirkungen, in den kommenden Monaten unabhängig von einer zweiten oder dritten Welle deutlich reduzieren.

Jetzt ist die Politik mehr denn je gefragt, ihre Scheuklappen abzulegen und gemeinsam mit den Vertretern auch der Kabarettszene Maßnahmen zu erarbeiten, um diese Krise zu meistern und auch weiter bestehen zu können. Alles andere wäre ein herber Verlust.

Mehr Infos zu den Forderungen und möglichen Maßnahmen auf igkabarett.at.

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