Die neue Saison im Wiener Theater Rabenhof

Rabenhof

Seit 2000 passiert im Rabenhof Theater zeitgenössisches Volkstheater, das zuerst ganz genau hinschaut und dann ausspricht, wo andere den Schwanz einziehen. Auch in der neuen Saison.

Für das seit dem Jahre 2000 unabhängig agierende Wiener Rabenhof Theater – ein ehemaliger Arbeiter-Versammlungssaal im Austerlitz-Hof, der in den Dreißigern zu einem Kino wurde, bevor es 1990 vom Theater in der Josefstadt dem heutigen Behufe zugeführt wurde – sind bereits zahlreiche Namen gefallen: Vom „eigentlichen Volkstheater“ über „das schönste Wiener Pissoir der Zwanziger“ (Stermann & Grissemann) bis zur „Bobobühne“ wurden zuhauf Begriffe erfunden, Begriffe, die stets zu kurz griffen und zudem etwas zu bezeichnen trachteten, das schlichtweg in keine Schublade passt. Am treffendsten wäre es wohl, das Erdberger Haus als das „eigentliche Kulturministerium“ Österreichs zu bezeichnen – der Rabenhof unterstützt und fördert, worauf die Politik vergisst, präsentiert ein Programm, das auf den Schlips tritt, gern mit angespitzten Fingernägeln in Wunden bohrt, das Lachen im Hals umdreht, es nochmals durch die Hirnanhangsdrüse jagt, bevor es den Mund verlassen darf – und dabei definitiv kein Blatt vor den Mund nimmt, den hehren Schiller’schen Aufklärungsgedanken wiederbelebt.

Die – so würde unsere abgelaufene Regierung wohl geifern – Falottenbude betreibt die Kulturpolitik, auf die der Staat vergisst: Da werden Künstler aufgebaut, gehegt, gepflegt, über Jahre hinweg getragen, bis sie flügge sind – die Science Busters und maschek. dürfen hier wohl als Paradeexempel genannt werden. Dabei spannt sich der Bogen der urbanen Popkultur von Kabarett über Literaturabende und Schau- oder Singspiel bis hin zu (seltener, aber doch): Jugendtheater und Musical – bietet also mit bodenständiger Qualität das, was bis zum Anschlag hochsubventionierte Bühnen gerne in dieser Vielfalt straucheln lässt. Natürlich auch in der neuen Saison, die nach der Sommerpause mit Volldampf querbeet jagt.

WIR STAATSKÜNSTLER – Premiere: 4. Oktober

Die Chefsatiriker der Nation starten kurz nach der Nationalratswahl ihre neue Bühnenshow – bissig, schonungslos und brandaktuell!

Man kann nicht von den Herrn Scheuba, Maurer und Palfrader verlangen, über den Sommer ein tagespolitisches Programm zu schreiben, wenn die Tagespolitik über den Sommer nicht stillhält. Beim Verfassen dieser Zeilen war Sebastian Kurz gerade frischgebackener Altkanzler und Pamela Rendi-Wagner altbackene Zukunftshoffnung. Woher sollen die Herren Scheuba, Maurer und Palfrader bitte wissen, ob das nicht, wenn dieser Text erscheint, alles ganz anders ist? Man kann ja auch aus fließendem Leitungswasser keinen Schneemann bauen. Die genannten drei Herren werden’s aber trotzdem machen. Jetzt erst recht. Unterstützt werden sie dabei von Gerhard Haderer, der erstmals ein Staatskünstler-Programm mit seinen Illustrationen begleiten wird.

NYMPHEN IN NOT – Premiere: 6. Oktober

BREAKFAST AT POLLY’S avancierte zum Kultklassiker! Die Bude war drei Jahre lang voll, nun scharren die Girls schon wieder mit den High Heels, um weiter ins Land des selbst verschuldeten Alltagsirrsinns abzutauchen.

Maria Happel, die Komik-Supermacht des Burgtheaters, Petra Morzé, „die Paula Wessely für den kleinen Mann“, und Angelika Hager, Polly Adlers Zynismus versaute „Inner Voice“, haben für ihre neue Performance einen spektakulären Neuzugang gefunden: die komödiantische Naturgewalt Ulrike Beimpold. „Sie hat die Selbstironie, die der Treibstoff in unserer Truppe ist“, so Hager-Adler, „und könnte auch das Telefonbuch überzeugend spielen.“ Thematisch schwimmen die Nymphen in den großen Themen-Gewässern wie Power-Aging, Selbstoptimierung, Botox-Gespenster, neurosengerechter Umgang mit Wutbürgern aller Art, Instagramitis und diese Idiotenbeschäftigung namens Liebe. Anton Tschechow sagte: „Krisen bewältigen kann jeder Idiot. Die wahre Herausforderung ist der Alltag.“ Eine Betriebsanleitung dafür liefert das Quartett mit NYMPHEN IN NOT, der exzentrischen Sonntags-Matinée-Show des Rabenhof Theaters.

MONSTER – Premiere: 6. November

Kurt Palms grotesk-komischer, neuester Roman als bitterböse Bühnenshow, die den Stachel tief in das Fleisch der österreichischen Seele treibt.

Zwischen Schlagerseligkeit und Trachtenglück findet ein lesbisches Vampirpärchen den wahren Horror nicht in den dunklen Tiefen des Rottensees, sondern in der gemütlichen Seele Österreichs. Doch damit nicht genug: Ein abgetrennter Frauenfuß und das Hinterbein eines Hundes sind die Auslöser für die verzweifelten Ermittlungen des Polizisten Alfons Stallinger, die ihn vom örtlichen Strandbad über ein Flüchtlingsheim und ein Seebühnenkonzert in die Groteske des heimischen Politsumpfes führen. Das in Deutschland und Österreich mehrfach ausgezeichnete Leading-Team von JA EH! – Beisl, Bier und Bachmannpreis nimmt sich des neuesten Bestsellers von Kurt Palm, dem Meister der gesellschaftskritischen Trashliteratur, an – mit einem österreichischen All-Star-Ensemble und hemmungsloser Rockmusik!

PROMETHEUS – Premiere: 28. November

Die Erschaffung der Menschheit und der Machtkampf am Olymp als spannungsgeladener Myth-Thriller für Jugendliche ab 10 Jahren.

Angeschmiedet seit Äonen an der tschetschenischen Grenze harrt der bestrafte Titan seiner Rettung! Prometheus schenkte den Menschen Feuer und den freien Willen und zog damit den Zorn des Göttervaters Zeus auf sich. Wer wird aus dem Kampf Titan gegen Gott als Sieger hervorgehen? Und wird ein menschlicher Held auch 2019 für Gerechtigkeit sorgen?

3 FRAUEN UND 1000 BÜCHER – Premiere: 10. Dezember

Drei Frauen, tausend Bücher und eine Mission: die spannendsten und prägnantesten literarischen Texte von Schriftstellerinnen der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft unter die Menschen zu bringen.

Wie lassen sich Stefanie Sargnagel, Lina Loos, Elfriede Jelinek, Joan Didion und Hildegard von Bingen unter einem Hut versammeln? Die Antwort darauf geben Ihnen Sandra Cervik, Erni Mangold und Esra Özmen in ihrer literarischen Tour de Force.

ORPHEUS IN DER UNTERWELT – Premiere: 14. Februar

Drogenrausch, Glam-Rock, Ehekrisen, Lug, Betrug und Eitelkeiten!

Himmel und Hölle … Die 70er lassen grüßen! Vier männliche Götter und ausgewiesene Macho-Typen wollen die schöne Eurydice an sich binden. Doch alle vier sind eigentlich nur mit sich selbst beschäftigt und die Frau ihres Begehrens hat ohnehin ganz andere Pläne. Wird Eurydice in der Unterwelt bei Pluto bleiben? Wird sie Jupiter in den Himmel folgen? Zurück auf die Erde zu ihrem Gatten Orpheus gehen? Oder findet sie einen ganz anderen Weg in eine völlig neue Zukunft? Das Erfolgsteam und Power-Couple Ruth Brauer-Kvam und Kyrre Kvam, das schon in der vergangenen Saison mit ARIK für einen veritablen Rabenhof-Hit gesorgt hat, interpretiert Offenbachs Operette vollkommen neu und mischt die bekannten Melodien mit den Sounds der 70er – von Elvis bis Jim Morrison, von Iggy Pop bis Jürgen Marcus. Ein Happening!

KÖNIG DROSSELBART – Premiere: 12. März

Fegefeuer der Eitelkeiten bei den Gebrüdern Grimm. Das berühmte Märchen als rasant-komische Hochschaubahnfahrt. Für Kinder ab 6 Jahren.

Hochmut kommt bekanntermaßen immer vor dem Fall – davon sind auch die hübschesten Prinzessinnen nicht verschont. Vom prunkvollen Königshof geht es direkt in die unbeheizte Holzhütte, statt Dienern und einem Festmahl nach dem anderen gibt es nur noch harte Arbeit und einen knurrenden Magen. Ein ziemlicher Schock für die verwöhnte Prinzessin, doch vielleicht ist es in Punkto Charakterbildung auch kein Fehler, mal auf Luxus verzichten zu müssen und zu erfahren, wie es Leuten geht, die nicht mit einem goldenen Löffel im Mund geboren wurden. Das Leben ist nun mal kein Ponyhof.

VOX POPULI VON MASCHEK – Premiere: 2. April

Kaputte Medienwelt – Teil II. Die Syncro-Anarchisten der Herzen starten mit einer neuen Show in ihrer Homebase!

Endlich! Maschek widmen sich der Stimme des Volkes, der Vox populi. Nach „Fake! – In Wahrheit falsch“ (2016) ist es ihre zweite große Arbeit über die kaputte Medienwelt von heute. Alle glauben alles, jeder kann jeden erreichen. Du musst nur wissen, wie du es sagst, schon wird des Volkes Stimme zu deinem Multiplikator. Die Rechtspopulisten haben das als erste begriffen und sich ihre eigenen Kanäle und Ikonen geschaffen. Doch was, wenn Maschek beginnen, den neuen Helden ins Handwerk zu pfuschen? Über die Botschafter des Volkes drüber zu reden? Ist die Welt dann vielleicht doch zu retten? Ab April 2020 wird’s im Gemeindebautheater ausprobiert.

DAS ENDE DER TOLERANZ – Premiere: 26. Mai

6 Länder und 6 Autor*innen in einem außergewöhnlichen Projekt zur europäischen Verständigung – mitten am Boulevard Erdberg.

Die Frage nach dem „Ende der Toleranz“ stellt sich sowohl im Privaten, wie auch im Politischen – im öffentlichen Raum ebenso wie im Schlafzimmer. Der vielschichtige europäische Blickwinkel dieses Projekts auf allgemeine Fragestellungen öffnet Türen zu diversen Gesellschaften. Auf literarischer Ebene versprechen die verschiedenen Stile und Theatertraditionen der Herkunftsländer der Autor*innen – von Spanien, Frankreich, Italien, Österreich, Polen bis nach Rumänien – eine spannende Auseinandersetzung. Die Wiener Wortstaetten sind ein Schreiblabor für neue Wege des dramatischen Schreibens. Der inter- und transkulturelle Aspekt ist dabei ein wesentliches Hauptelement. Mit der Produktion DAS ENDE DER TOLERANZ erweitern sie nun ihr Spektrum und betreten den europäischen (Sprach-)Raum.

Gemeindebauspezialitäten

Neben den oben genannten Premieren freuen wir uns auch auf eine Vielzahl an sensationellen „Gemeindebauspezialitäten“: Am 28. und 29. September erleben wir mit „The Grand Casino“ die Bühnenshow zum neuen Album von Klaus Waldeck, am 5. Oktober präsentiert Alicia Edelweiss ihr neues Album „When I am enlightened everything will be better“ im Gemeindebau. Deutschlands schrägster Comedian Oliver Polak kommt am 8. Oktober mit „Der Endgegner“ endlich wieder nach Erdberg, ebenso präsentiert am 2. März Alkbottle-Kopf Roman Gregory „Rock ’n‘ Roll in a nutshell“ und Stefan Verra erklärt am 25. und 26. März die Körpersprache von Sebastian Kurz bis Angela Merkel. Am 22. Oktober feiert der Wiener Beschwerdechor feat EsRAP 9 1/2-jähriges Jubiläum, am 30. November und am 1. Dezember gibt es bei „Have a cup of tea“ mit Sophie Rois Songs und Storys über Inzest, Unschuld und Klassenbewusstsein. Am 13. und 14. Dezember, sowie am 7. und 8. Februar kehrt mit Dr. Mark Benecke wieder der Tod im Rabenhof ein: Er erzählt von Blutspuren, Serienmord, Fällen am Rande des Möglichen und Mord im Museum. Unser großes Interview aus 2018 könnt ihr [hier] nachlesen! Am 16. Dezember gibt es mit Christiane Rösinger, Stefanie Sargnagel und Denice Bourbon einen Abend unter dem Banner „Legends of Entertainment“, Nina Proll fragt ab 14. Jänner „Kann denn Liebe Sünde sein?“ (Unsere Antwort: Nein!). „Einzelgänge“ liefert ab 25. Jänner dann Ernst Molden und ab 30. Jänner gastiert Austrofred wieder in seiner Homebase. Am 20. (hihi) und 21. April befindet sich bei „Überlebenskünstler“ Dr. Helmut Zilk (Peter Paul Skrepek) im Gespräch mit Adolf Hitler (Hubsi Kramar), während ihnen Rabenhof-Direx Thomas Gratzer einen kleinen Braunen serviert. Bereits etabliert haben sich die Big Brother Awards (25. Oktober) und natürlich der Protestsongcontest (12. Februar), der wieder vom fantastischen Michael Ostrowski moderiert wird.

Literatursalon im Gemeindebau

Am 17. September präsentiert Klaus Oppitz gemeinsam mit Katharina Straßer seinen neuen Roman „Die Hinrichtung des Martin P.“, am 20. September der (fast) einzig gute Deutsche Dirk Stermann sein neuestes literarisches Werk „Der Hammer“. Nach zwei ausverkauften Veranstaltungen in der vergangenen Saison heißen wir auch Bela B Felsenheimer von Die Ärzte am 23. September erneut mit „Scharnow“ im Rabenhof Willkommen, Denis Scheck präsentiert die 100 wichtigsten Werke der Weltliteratur am 27. Oktober. Kult- und Vernunftautor Michael Köhlmeier präsentiert am 10. November „Wenn ich wir sage“ und Stefanie Sargnagel am 18. Jänner ihre „Statusmeldungen“. Etabliert hat sich bereits die „Lange Nacht der Kolumnisten“ am 7. März, die von Florian Scheuba moderiert wird.

Wiederaufnahmen

Bei einer Auslastung von 90 Prozent (OIDA!) in der vergangenen Saison müsste der Rabenhof eigentlich alle Veranstaltungen fortführen, aber da das nicht geht müssen wir einstweilen Auslangen finden mit: „Niemand nennt uns Mitzi!“ (ab 21. September), „Maschek XX“ (ab 24. September), „Die Tagespresse Show“ (ab 26. September), „Schatzi, geht’s noch?“ (ab 30. September), „Alles für’n Hugo“ (ab 2. Oktober), „Arik“ (ab 7. Oktober), „Gags, Gags, Gags!“ (ab 17. Oktober), „Jö schau“ (ab 19. Oktober), „Grubers Universum“ (ab 19. Dezember) und „X-Mas at Polly’s“ (ab 21. Dezember).

Tickets für alle Veranstaltungen – sofern ob des gigantischen Ansturms nicht bereits ausverkauft – gibt es bei oeticket.com.