Die Liebesgeschichte von Leonard Cohen und seiner Muse Marianne Ihlen ab 7. November im Kino

Leonard und Marianne

Am 7. November jährt sich Leonard Cohens Todestag zum dritten Mal. Grund genug, die Liebe von ihm zu seiner norwegischen Muse im Kino neu zu entflammen. Wir verlosen Karten!

Die Chancen auf Erfolg sind, wie AC/DC in „It’s A Long Way To The Top“ schön beschrieben, im Musik-Zirkus erschreckend gering, das Business ist ein hartes. Denen, den der Durchbruch jedoch gelingt, erwartet Ruhm und mit selbigem kommt das Aphrodisiakum der Macht, wohlfeil den euphorischen Pulk vor der Bühne mit Endorphinen zu überschütten. Dass dieses Vermögen zittrige Knie bereitet, ist schlüssig. Die Frage ist nur, wie weit der Fan bei der Chance auf ein (unikales) Tête-à-Tête gehen würde. Backstage mag es zwar heute weniger dionysisch zugehen als in jener Epoche, in der etwa „Almost Famous“ spielt und die aufkeimende Rockszene zu „way down inside“ lud, oder auch später, als der Hollywood Strip seine verlorenen Söhne ausspuckte, um die Welt in eine „Paradise City“ zu verwandeln – eine amüsante Zeitgeschichte stellt groupiedirt.tumblr.com mit Verweisen auf Metallica, Korn, Moby, Pearl Jam und den Red Hot Chili Peppers jedoch dennoch dar.

Die ersten Groupies werden Frank Sinatra „zugeschrieben“, zu einem kulturellen Phänomen wurden sie dann in den Sechzigern mit dem Aufkommen der auch sexuell revolutionierenden Pop(p)kultur. Nicht selten schlief man sich über die Roadcrew zum Star hoch, ein Prozess, den Frank Zappa in „Joe’s Garage“ bissig durchleuchtete und Material für Songs von „Star Star (Starfucker)“ (The Rolling Stones) und „Starf*ckers Inc.“ (Nine Inch Nails) bis hin zu „One Night Stand“ (Motörhead) und „Charmer“ (Kings Of Leon) bot. Die Symbiose zwischen Star und Fan kann natürlich ein diverser sein: Von rein körperlicher Befriedigung bis hin zu ertragreichen Romanzen, die schließlich den schmalen Grat zwischen „Groupie“ und „Muse“ zogen:

Die Bibel aller Groupies verfasste wohl Pamela Des Barres mit „I’m With The Band“, die auf enge Kontakte mit Mick Jagger, Jim Morrison, Keith Moon und Jimmy Page verweisen kann. Das 74er-Playmate Bebe Buell, die ebenfalls „etwas“ mit Jagger und Page hatte, ist Mutter von Steven Tylers Tochter Liv und weiß auch einiges über David Bowie und Rod Stewart zu berichten. Devon Wilson galt als schwarzes Groupie von Jimi Hendrix über Jagger bis hin zu Eric Clapton und Morrison als „Rarität“, Cynthia Albritton kennt man heute vor allem ob einer ihrer Leidenschaften: Während diverse Stars ihre Gliedmaßen in den Beton des Hollywood Boulevard pressten, pressten selbige Legenden zudem ihre erigierten Glieder für sie in Alginat. Daraus entstand eine stattliche Sammlung diverser Penisbüsten. Das Kölner Model Nico finden wir gar im Titel des Debüts von Lou Reeds The Velvet Underground wieder, Anita Pallenberg war Stilberaterin der Stones – und nicht selten auch treibende Kraft hinter dem überbordenden Drogenkonsum. Für ihren Kontakt zu den Stones ist aber eine andere Frau bestens bekannt: Marianne Faithfull. Sie gab zu, ihre Romanze mit Mick Jagger geplant zu haben, um ihre eigene Karriere zu fördern: Keith und Mick schreiben ihren ersten Erfolg „As Tears Go By“ – der Rest ist, wie es so schön heißt, Geschichte. Die Beatles sind gleich für zwei große Musen bekannt: Yoko Ono einerseits, die dafür verantwortlich gemacht wurde, dass sich die Pilzköpfe schließlich auflösten, andererseits die Szene-Fotografin Linda Eastman, die schließlich Pauls Frau wurde. Aber auch in neuerer Zeit finden sich neben anhimmelnden Groupies noch wahre Musen: Der Einfluss von Courtney Love auf die Grunge-Szene im Allgemeinen, auf Nirvana (Kurt Cobain) und die Smashing Pumpkins (Billy Corgan) im Besonderen, ist nicht zu leugnen.

Leonard Cohen und Marianne Ihlen

Zwischen all diesen prominenten Namen wird nur zu oft auf eine Liebesgeschichte vergessen, nämlich auf die von Leonard Cohen und seiner norwegischen Muse Marianne Ihlen – und das, obwohl es ohne Ihlen Klassiker wie „So Long, Marianne“ und „Bird On The Wire“ niemals gegeben hätte.

Ihre Liebe begann 1960 auf der idyllischen griechischen Insel Hydra als Teil einer unkonventionellen Gemeinschaft ausländischer Künstler, Schriftsteller und Musiker. Mit vielen bisher unveröffentlichten Aufnahmen folgt „Marianne & Leonard: Words Of Love“, der neueste Film des gefeierten Dokumentarfilmregisseurs Nick Broomfield, der auch schon die Liebe von eben Kurt Cobain und Courtney Love nacherzählte, ihrer Beziehung von den Anfängen auf Hydra, einer bescheidenen Zeit der „freien Liebe“ und der offenen Ehe, bis hin zur Entwicklung ihrer Liebe, als Leonard ein erfolgreicher Musiker wurde. Marianne und Leonards Liebesgeschichte sollte für den Rest ihres Lebens weitergehen. Auf diesem Weg erfahren wir von den Tragödien derer, die die Schönheit von Hydra nicht überlebt haben, von den Höhen und Tiefen in Leonards Karriere und der inspirierenden Kraft, die Marianne besaß.

Marianne Ihlen starb bereits am 29. Juli 2016 im Alter von 81 Jahren. Cohen schrieb ihr zwei Tage vor ihrem Tod noch einen rührenden Brief, zeigte sich darin nachdenklich:

Marianne, wir sind nun beide in dem Alter angekommen, da unsere Körper langsam anfangen, zu vergehen – und ich denke, dass ich dir bald folgen werde. In dem Wissen, dass ich so nah bei dir bin, kannst du einfach deine Hand ausstrecken, und ich denke, du wirst meine erreichen. Du weißt, dass ich dich immer für deine Schönheit und deine Weisheit geliebt habe, aber ich muss gar keine Worte mehr darüber verlieren, denn du weißt das alles schon. Aber jetzt wünsche ich dir eine gute Reise. Good Bye, meine liebe Freundin. In unendlicher Liebe, ich sehe dich ganz bald.

Und tatsächlich: Cohen folgte ihr nur wenige Monate später, am 7. November.

Was ist Liebe?

Diese große Frage wird wohl jeder für sich unterschiedlich beantworten – so eine Antwort überhaupt guten Gewissens möglich ist. „Marianne + Leonard “ hat mir die für mich treffende Antwort in den Mund gelegt:

Liebe ist Freiheit.

Kinostart von „Marianne + Leonard: Words Of Love“ (97 Minuten) ist am 7. November. Wir verlosen 5 x 2 Freikarten einlösbar in allen österreichischen Kinos, die den Film im Programm haben, und 1 x 2 Freikarten für die Poolinale-Night im Wiener Filmcasino.

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