Ein Mixtape von einem Album: „Cyberfunk!“ von Mother’s Cake

Mothers Cake

Auf ihrem vierten Album „Cyberfunk!“ setzt das Tiroler Trio nicht auf Konsistenz, sondern schlägt Haken: Somit wirkt das Album wie ein stimmiges, aber diverses Mixtape.

Foto: Manu Chó

Zugegeben: Selbst, wenn wir auf die Anfänge des Tiroler Trios zurückschielen – genauer: ins Jahr 2012, als sie ihr Debüt „Creation’s Finest“ vorlegten – ist eine „geradlinige Konsistenz“ nicht unbedingt die erste Einschätzung, die sich bei den oft vertrackten, schrägen, manchmal auch bewusst dissonanten Songstrukturen auftut. Die fehlenden, einengenden Scheuklappen haben sie sich auch mit (rapide) steigender Prominenz behalten, wenngleich ihr Letztling – „No Rhyme No Reason“ von 2017 – verspielt, aber in sich ruhender ausfiel. Nicht immer – beinahe: selten – wurden bisher initiativ eingebrachte Ideen im Song auch zu Ende gedacht oder Erwartungshaltungen erfüllt, von daher mag es verwundern, diesen Hakenschlag, den „Cyberfunk!“ nun vollzieht, dermaßen zu exponieren – jedoch: Mit seinem verqueren, diversen Charakter ist das vierte Album von Mother’s Cake auch über den einzelnen Song hinaus und somit auf ganzer Länge eine Konfrontation, eine beinah entrückte Begegnung mit dem Unerwarteten – dabei jedoch nicht aufgesetzt, sondern durchaus: stimmig.

Der Vergleich zu einem Mixtape ist naheliegend: Immerhin überreicht die zyklopische Gestalt am Cover ein solches dem geneigten Hörer und deutet bildlich schon an, was musikalisch transportiert wird. Als Klebstoff fungiert natürlich die Psychedelik, die sich bei Mother’s Cake seit Anbeginn ihrer Brüchigkeit und Durchlässigkeit zum Trotz als gut funktionierendes Fundament etabliert hat; Doch angeregt von diesen Dämpfen entschwebt man einerseits auf elektronischen Delaywolken oder versinkt im derbsten Sumpf-Groove. Und dazwischen blitzt plötzlich aus einem Stroboskop hektischer New-Wave-Funk heraus.

Zwischen diesen Eckpfeilern kann viel passieren: Von der Urgewalt, die die Eröffnung „Toxic Brother“ dröhnen macht, bis hin zum verträumt-reggaesken Finale „Desire“, das beinahe klassisch psychedelisch anmutet und zwischendrin doch Brüller mit Inbrunst aus der Brust bersten macht. Dazwischen eruptieren – einer seltsam schlüssigen Kausalkette folgend – Ausflüchte zu frechem Funk, der allerdings in süßlichem Folk ausläuft („Hit on Your Girl“), Hommagen an die Essenz von Indie-Rock-Größen wie Arctic Monkeys („Lonely Rider“) oder Passagen, die an The Mars Volta und Led Zeppelin denken machen („Crystals in the Sky“), andere wiederum an Awolnation mit „Stranger Things“-Attitüde („The Operator“). Bei „Cybernova“ lässt man die Elektronic trippeln, Hippie-Power blitzt bei „Love Your Smell“ und „Gloria“ durch, wütender Crossover hingegen bei „The Beetle“.

Menschen, die einer Generation entwachsen sind, in der Musik noch auf Langspielplatten passiert ist und nicht im Single-Shuffle-Wahn auf Spotify, einer Generation, in der die Konzeption eines Albums genau so relevant war wie die innerhalb eines Songs – einer Generation eben, die selbst zwar nicht ausschließlich aus Musikern bestand, aber dank des durchaus handelsüblichen Kommunikationsmittel „Mixtape“ zumindest aus Arrangeuren, werden nicht nur Sinnhaftigkeit in der Diversität von „Cyberfunk!“ finden. Ihnen wird zudem auffallen, dass im Fortschreiten des Albums durchaus für verblüffende Momente, für Brüche gesorgt wird – ähnlich, wie auch bis dato innerhalb der Stücke selbst, „Cyberfunk!“ also zum bandeigenen Makrokosmos entwachsen ist.

Über die aktuellen Konzerttermine von Mother’s Cake werdet ihr bei oeticket informiert – aktuell ist geplant, die Tour zu „Cyberfunk!“ vom Winter ins erste Halbjahr 2021 zu verschieben.

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