Endlose Gegenwart in Krems

Drei Weltpremieren locken von 27. April bis 6. Mai zur zweiten Ausgabe des donaufestivals unter der Leitung von Thomas Edlinger.

Man hat immer neue Nachrichten, es braucht den nächsten Kick durch den nächsten Klick. Das Getriebe der Gegenwart wird geschmiert von Streams des schon wieder Vergessenen; so bläht sich das Jetzt zu einem herrischen Kontinuum unter kapitalistischen Bedingungen auf. Supermärkte nennen sich nach ihren Öffnungszeiten 24/7. Börsen handeln in Echtzeit, Containerhäfen kennen keinen Sleep Modus. Der Kampf gegen den Klimawandel erwartet so wie der einmal erklärte, nun
aber endlose Krieg gegen den Terror keinen Friedensschluss, während der Nachthimmel immer heller und die Zukunft immer dunkler wird.

Das donaufestival 2018 fragt nach Brüchen mit dem Betriebssystem der endlosen Gegenwart und dem Potential von Be- und Entschleunigungen, Übertreibungen und Verweigerungen. Und es sucht in der ortlosen Welt der Vernetzung nach etwas Altmodischem: nach Präsenz, nach Momenten von Nähe, nach Offline-Ritualen und den eigensinnigen, gleichwohl immer schon auch medialisierten Zeiterfahrungen von Musik und Kunst.

Influencer-Kauderwelsch und Transhumanismus: 9 Performances, 8 Installationen, 41 Konzerte

Mit der österreichischen Erstaufführung von Medusa Bionic Rise lockt The Agency das Publikum zur Eröffnung in ein Fitness-Trainingscamp inklusive Designerapotheke. Dort predigt eine transhumanistische Fintess-Sekte den Wert der Selbststeigerung und bietet Interessierten zusätzliche Einzelbehandlungen an. Es ist angerichtet zur Feier eines wieder einmal Neuen Menschen!
27.-29. April 2018, Messegelände Krems

Faszinierende Kippbilder entstehen bei der Uraufführung von Church of Ignorance der Performancegruppe Liquid Loft. In der Liturgie in der mächtigen Dominikanerkirche von Krems entstehen Kippbilder zwischen einem choreografierten Sprachengewirr aus den letzten robusten Dialekten Europas und einem Esperanto der Körpersprache.
28.-29. April 2018, Dominikanerkirche Krems

Selbstdarsteller mit ihrem Influencer-Kauderwelsch quasseln das Abendland in The Re’Search von Felix Rothenhäusler kaputt. Die Inszenierung korrespondiert übrigens mit der Ausstellung von Ryan Trecartin und Lizzie Fitch der Kunsthalle Krems.
4.-5. Mai 2018, Messegelände Krems

Die Gegenwart erscheint in den beunruhigenden Bildsequenzen von John Gerrard als Echtzeit-Simulation, während die Musikbeiträge des donaufestivals die Ungleichzeitigkeit des Gleichzeitigen ausloten. Hochkomprimierte oder zerklüftete Soundscapes von KünstlerInnen wie Laurel Halo, Lanark artefax, Mouse on Mars, Pan Daijing, Amnesia Scanner, Orson Hentschel oder Lotic treffen auf entrückte Kompositionen von Godspeed You! Black Emperor, James Holden & The Animal Spirits, Venetian Snares x Daniel Lanois, Nadah El Shazly, Manuel Göttsching, Grouper oder Sote.

Am letzten Tag steuert die achtstündige musikalische Dehnungsübung as waves go by ein Wogen und Dröhnen zwischen Ambient, Noise und Trance an; ein anderes Jetzt!, das (fast) kein Ende kennt.

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