Ferdinand Schmalz erhält NESTROY 2018

Ferdinand Schmalz‘ „neuer Jedermann“ erhält am 17. November den österreichischen Theaterpreis in der Kategorie „Bestes Stück – Autorenpreis“. Weiters stehen Peter Handke („Lebenswerk“) und Alice Babidge („Beste Ausstattung“) als PreisträgerInnen fest.

Peter Fässlacher, Maria Happel und Viktor Gernot führen am 17. November durch den Gala-Abend.

Am 17. November dreht sich im Theater an der Wien zum 19. Mal alles um den begehrten NESTROY-Preis. 36 Nominierte, darunter Anja Herden, Caroline Peters, Peter Simonischek und Simon Stone etwa müssen bis dahin noch zittern. Peter Handke („Lebenswerk“), Ferdinand Schmalz für jedermann (stirbt) („Bestes Stück – Autorenpreis“) und die australische Kostümbildnerin Alice Babidge für Hotel Strindberg („Beste Ausstattung) sind hingegen schon jetzt als Auszuzeichnende fixiert.

Auf der Suche nach den Besten

Jurybegründung „Bestes Stück – Autorenpreis“ | Ferdinand Schmalz für jedermann (stirbt), Uraufführung, Burgtheater

Eigentlich müsste es mit Jedermanns endgültigem Hinscheiden am Salzburger Domplatz sein Bewenden haben. Aber Dramatiker Ferdinand Schmalz gehört, anders als sein Vorgänger Hofmannsthal, einer post-metaphysischen Generation von Zweiflern an. Seine im Auftrag des Wiener Burgtheaters ins Werk gesetzte „Jedermann“-Überschreibung macht radikal Schluss mit allen außerweltlichen Erwägungen. Den Weihrauch bläst er fort, das Bangen und Zähneknirschen ersetzt Schmalz durch unerhört witzige Erwägungen über das Wesen von Reichtum und Immanenz. Postkatholisches Büßertheater: ein aufgestoßenes Fenster zum toten Mann! (Ronald Pohl)

© Georg Soulek/ Burgtheater

Jurybegründung „Beste Ausstattung“ | Alice Babidge für Hotel Strindberg von Simon Stone nach August Strindberg, Uraufführung, Akademietheater in Koproduktion mit dem Theater Basel

Das „Hotel Strindberg“ zählt untrüglich zur Mittelklasse. Drei Sterne, maximal. Retro-Charme, wohin man schaut. Unpersönlich, ungemütlich, schon reichlich abgewohnt. Auf Tourismus-Plattformen und in Hotelführern wird man es vergeblich suchen. Es steht auf der Bühne des Wiener Akademietheaters. Die australische Ausstatterin Alice Babidge hat es für die gleichnamige Produktion von Simon Stone gebaut, als dreistöckiges Puppenhaus, bei dem man pro Etage jeweils zwei Zimmer zu sehen bekommt, plus nüchternes Stiegenhaus an der rechten Seite. Die vierte Wand zum Zuschauer existiert – als Glaswand. Der Zuschauer wird zum Voyeur. Was wir über Mikrofone von den parallel ablaufenden Handlungen mitbekommen, wird mittels Tonmischpult gesteuert. Schöner Trick: In den zwei Pausen fährt die aufgerissene Hotelfront scheinbar einmal ein Stockwerk höher, einmal eines tiefer. So bekommt man im Schlussakt auch Frühstücksraum und Rezeption zu Gesicht. (Wolfgang Huber-Lang)

© Reinhard Werner/ Burgtheater

Peter Handke wird für’s Lebenswerk geehrt

Einen „gefährlichen Freund“ hat ihn Claus Peymann einmal genannt: einen „Auserwählten“. Und der Dramaturg Thomas Oberender sieht seine Dramen als „beispiellos“ – „in ihrer filigranen Hermetik“- „in einer Zeitreise, die nicht nur linear abläuft, die in Schleifen, Brüchen, komplexen Überlagerungen von verschiedenen Zeitebenen funktioniert: der politischen und der natürlichen Zeit, der Zeit der Landschaften.“ Dass Peter Handke heuer mit dem NESTROY für sein Lebenswerk ausgezeichnet wird: Das ist nichts weniger als eine selbstverständliche Würdigung eines Dichters, der dramatische (und antidramatische) Konstellationen in seinen Stücken, seiner Prosa und auch in seinen Tagebüchern seit den 60er Jahren denkbar konsequent beobachtet, weiter geschrieben und damit unter anderem auch das Theater der letzten 50 Jahre entscheidend bereichert hat.

Was er an „Gewicht der Welt“ auf die Bühne geholt hat, mit einer Schwerelosigkeit des Ausdrucks, wie sie wohl nur einem „Originalgenie“ (© Claus Peymann) gegeben ist – man findet sie als Referenz und Orientierungspunkt mittlerweile wieder in den Arbeiten einer jungen, internationalen Künstlergeneration – wie etwa der jungen spanischen Kompanie „El Conde de Torre Fiel“, die zuletzt mit ihren Performances seine Gedanken zu Alltäglichkeit und Dramatik aus der „Stunde, da wir nichts voneinander wussten“ wieder aufnehmen. Die Stafette, die Peter Handke aufgegriffen hat, voll Kenntnis der Geschichte der Literatur, des Kinos, des Theaters, und die seither weiter gereicht wird, hat olympisches Format. In der Geschichte heimischer, deutschsprachiger und internationaler Bühnen ist sein Werk von einzigartiger, weil einzelgängerischer Eindringlichkeit. Wir sind stolz darauf, dass Peter Handke diesen NESTROY-Preis so großzügig und sicher sehr gelassen annimmt. (Veronica Kaup-Hasler)

Übersicht der Nominierten

Beste Schauspielerin„: Anja Herden (Mitleid. Die Geschichte des Maschinengewehrs, Volx/Margareten), Sandra Müller („Penthesilea“, Salzburger Festspiele), Caroline Peters (Hotel Strindberg, Akademietheater), Aenne Schwarz (The Who and the What, Akademietheater), Valery Tscheplanowa („Die Perser“, Salzburger Festspiele)

Bester Schauspieler„: Herbert Föttinger (Professor Bernhardi, Theater in der Josefstadt), Jens Harzer („Penthesilea2, Salzburger Festspiele), Michael Maertens (Vor Sonnenaufgang, Akademietheater), Peter Simonischek (The Who and the What, Akademietheater), Martin Wuttke (Hotel Strindberg, Akademietheater)

Beste Darstellung einer Nebenrolle„: Yousif Ahmad („Gutmenschen“, Volkstheater), Dörte Lyssewski (Vor Sonnenaufgang, Akademietheater), Falk Rockstroh („Radetzkymarsch“, Burgtheater), Alexander Strobele (In der Löwengrube, Theater in der Josefstadt), Martin Vischer („Die Glasmenagerie“, Akademietheater)

Beste Regie„: Thomas Köck & Elsa-Sophie Jach (Die Zukunft reicht uns nicht (klagt, Kinder, klagt!), Schauspielhaus Wien), Dušan David Pařizek (Vor Sonnenaufgang, Akademietheater), Simon Stone (Hotel Strindberg, Akademietheater)

Bester Nachwuchs weiblich„: Lara Sienczak („Die Weiße Rose“, Theater der Jugend), Irina Sulaver (Saturn kehrt zurück, Vestibül), Claudia Waldherr („Der fantastische Mr. Fox“, Theater der Jugend)

Bester Nachwuchs männlich„: Nicolaas van Diepen („Swing: Dance to the Right“, aktionstheater ensemble), Peter Fasching („Die Zehn Gebote“, Volkstheater), Felix Strobel („Die Weiße Rose“, Theater der Jugend)

Spezialpreis„: „Apollon“ (Tanzquartier Wien), „Die Kinder der Toten“ (steirischer herbst 2017), „Häusliche Gewalt Wien“ (Wiesbaden Biennale 2018)

Beste Off-Produktion„: Homohalal (WERK X), „Muttersprache Mameloschn“ (Makemake Produktionen), „Viel gut essen2 (Rabenhof Theater)

Beste Aufführung im deutschsprachigen Raum„: „Beute Frauen Krieg“ (Schauspielhaus Zürich), „Das Internat“ (Theater Dortmund), „Die Perser“ (Salzburger Festspiele)

Beste Bundesländer-Aufführung„: Böhm (Schauspielhaus Graz), „Iwanow“ (Stadttheater Klagenfurt), „Srebrenica“ (Schauspielhaus Salzburg)