📷 Fotoreport: Iron Maiden im Stadion Wiener Neustadt

Iron Maiden

Am 10. Juli gastierten Iron Maiden mit Airbourne und Lord of the Lost in Vorprogramm im Stadion Wiener Neustadt. Stefan Kuback hat die Fotos!

Rund 25.000 Fans kamen am Sonntag im ausverkauften Stadion Wiener Neustadt bei für die Jahreszeit untypisch kühlen Temperaturen und Wind zusammen, um einem Konzerthighlight des Jahres 2022 zu frönen, das ohnehin schon aufgrund von pandemiebedingten Verschiebungen mit Pflichtterminen gefüllt ist: Niemand geringerer als die britischen Aushängeschilder des Heavy Metal – Iron Maiden – schickten sich nach ihrem Headliner-Auftritt 2018 am Nova Rock erneut an, ihre Best Of Tour “Legacy Of The Beast” auf österreichischen Gefilden darzubieten.

Opener waren die deutschen Lord of the Lost, die sich mit ihrem düsteren Dark Rock anfangs noch etwas schwertaten, die Menge anzuheizen. Wer aber meint, die Hamburger wären gänzlich fehlplatziert, wurde ob der motivierten Spielfreude und der professionellen Perfomance schnell eines Besseren belehrt. Viel leichter taten sich da schon die australischen Airbourne, die mit ihrem unverkennbaren Hard Rock, Bier und Schweiß auch die hinteren Reihen zum Headbangen brachten. Gerade Frontman Joel O’Keeffe fegt wie ein Derwisch über die Bühne und auch schon mal auf den Schultern seines Security Mannes durch die Menge. Die sympathischen Australier scheinen schier endlose Bühnenenergie zu haben, was sich auch akkustisch im Set der festivalerprobten Band bei Songs wie “Ready To Rock”, “Boneshaker”, “Breakin’ Outta Hell” oder “Runnin’ Wild” widerspiegelt.

Nach kurzer Umbauphase und dem seit jeher als Intro fungierenden “Doctor Doctor” von UFO war es dann auch schon so weit: Pünktlich um kurz vor 21:00 Uhr entern Schlagzeuger Nicko McBrain, gefolgt von Bassist und Bandleader Steve Harris, den Gitaristen Dave Murray, Adrian Smith und Jannick Gers, sowie schließlich Sänger Bruce Dickinson die Bühne – die eiserne Jungfrau ist gelandet! Anders als beim letzten Stelldichein der “Legacy Of The Beast” Tour in Nickelsdorf startete das vermeintliche Best Of Set mit drei aktuellen Songs. Neue Songs? Nun ja, in der coronabedingten Zwischenzeit wurde das aktuelle Album der Band, “Senjutsu”, veröffentlicht, und so versteht es sich von selbst, dass auch neues Material mit auf Tour geht. So begannen Iron Maiden mit dem gleichnamigen Titelsong, “Stratego” und “The Writing On The Wall”, die allesamt etwas langatmig, dafür sehr progressiv und mit allerlei Raffinesse daherkamen. Musikalisch sind die neuen Songs schon an anderer Stelle zu verorten als die übrigen Hits, die noch folgen sollten. Dafür stimmte das Bühnenbild vom ersten Moment an – fernöstliche Bauwerke, wenn auch nur mit Luft befüllt, und das in Samuraikluft gekleidetet Bandmaskottchen Eddy, der mit einem Kitana Schwert über die Bühne schreitet, sorgten für die ersten Showmomente.

Danach ging es aber Schlag auf Schlag weiter und ein Hit nach dem anderen wurde auf die Menge losgelassen. “Revelations”, “Blood Brothers” (von einem der wohl besten Comebackalben überhaupt, “A Brave New World” aus 2000) und das mächtige “Sign Of The Cross” kamen allesamt druckvoll daher, während die Bühne mittlerweile einer Kathedrale glich – riesige Kerzenluster inklusive. Danach mutete es schon beinahe opernhaft an, als Bruce Dickinson bei “Flight Of Icarus” mit Flammenwerfer hantierte und bei “Fear Of The Dark” mit Pestmaske und Laterne die Bühne großzügig abschritt. Auch musikalisch stimmte alles: Dickinson traf trotz fortgeschrittenen Alters (63 Jahre jung!) und 2015 überstandener Krebserkrankung die hohen Töne problemlos und kreischte sich spielerisch durch die Songs, dass es nur so eine Freude war! Dass er dabei regelmäßig seine Bühnenoutfits wechselte, wild gestikulierte und agil wie eh und je vollen Körpereinsatz bewies, war mehr als die bloße Abrundung seiner herausragenden Performance an diesem Abend.

Dass bei der einen oder andern Ansage aus “Wiener Neustadt” “Wien” wurde, passierte an diesem Abend allen Bands und darf daher ruhig unter den Teppich gekehrt werden – ein Fauxpas, der bei weitem nicht so peinlich anmutet, wie die australische statt der österreichischen Flagge beim KISS Konzert vor zwei Wochen. Auch Dickinsons Bandkollegen standen ihm in ihrer Darbietung in nichts nach. Wenn auch weniger schauspielerisch tätig, aber dafür umso mehr an ihren Instrumenten bemüht, lieferten McBrain und Harris mit Schlagzeug und Bass das nötige, wuchtige Fundament für die virtuosen Gitarrenspiele ihrer Bandkollegen Murray, Smith und Gers. Da wurden Soli und Gitarrenduelle präzise in den nächtlichen Himmel Wiener Neustadts geschossen, die er so wohl noch nie gehört hat.

Auch der Sound wusste grundsätzlich zu überzeugen: Die Bässe dröhnten schön tief und mächtig, die höheren Gitarrentöne klangen klar und über alledem thronte Dickinsons Stimme. Lediglich der immer wieder auffrischende Wind und die eine oder andere Böhe erstickten stellenweise den Sound im Detail. In eben beschriebener Gangart wurden auch die Übernummer “Hallowed Be Thy Name”, der Klassiker schlechthin “The Number Of the Beast” und die selbstbetitelte Nummer “Iron Maiden” mit viel Pyrotechnik und Spezialeffekten dargeboten, womit das reguläre Set gefühlt auch schon zu früh endete. Die mittlerweile gut angeheizte und brav mitsingende Menge war aber ohnehin noch nicht entlassen, als bei der ersten Zugabe noch der kapitale Hit “The Trooper” vom Stapel gelassen wurde. Auch hier kommt nochmal Maskottchen Eddy in britischer Soldatenuniform und lieferte sich sogar eine Schwertkampf mit Bruce Dickinson, bevor mit “The Clansman” ein Song zum Mitgröhlen gestartet wurde. Im Anschluss erklang noch “Run To The Hills”, ehe das Konzert mit “Aces High” als zweiter Zugabe samt Chruchill-Ansprache und Spitfire Replika in Originalgröße nach rund zwei Stunden seinen würdigen Abschluss fand und die durchwegs internationale Fangemeinde mit dem vom Band kommenden Monthy Python Klassiker “Always Look On The Bright Side Of Life” zufrieden nachhause geschickt wurde.

Fazit: Iron Maiden stehen nach wie vor für live Heavy Metal á la bonheur. Gerade die sich immer noch größter Beliebtheit erfreuende aktuelle Tour hält einen musikalischen Querschnitt aus dem rund 45Jährigen Backkatalog der Band parat, der keine Wünsche offenlässt. Selbst wenn sich mittlerweile Songs vom aktuellen Album auf die Setlist eingeschlichen haben und dafür der eine oder andere Old School Hit wie “The Evil That Man Do” oder “Two Minutes To Midnight” gestrichen wurden, bleibt die “Legacy Of The Beast” Tour ein Pflichttermin, nicht nur für Connaisseure des gepflegten Metal.

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