Greta Van Fleet, die neuen Led Zeppelin?

Greta Van Fleet

Heute veröffentlichen die Amerikaner Greta Van Fleet ihr Debütalbum „Anthem of the peaceful Army“. Für viele ist das Quartett der wahre Nachfolger zu Led Zeppelin – wir verlosen drei CDs!

Greta Van FleetHitradio Ö3 frug zu Jahresanfang zu Recht: „Retten Greta Van Fleet den Rock?“ Keine Frage: Die drei Brüder Joshua (Gesang), Jacob (Gitarre) und Samuel Kiszka (Bass, Keyboard), sowie Schlagzeuger Danny Wagner – allesamt Twens – müssen die Plattensammlung der Eltern mit der Muttermilch aufgesogen haben: „Crosby, Stills, Nash & Young, die Beatles, Eric Clapton, Muddy Waters, The Allman Brothers – damit sind wir groß geworden“, erzählen sie. Vom Blues, insbesondere aber von Cream, The Doors und Led Zeppelin genährt, zelebriert das Quartett eine Zeitreise, die trotz ihres jungen Alters nicht authentischer sein könnte. Ja, selbst die Szenebibel Rolling Stone urteilt hierzu, Greta Van Fleet würden so klingen, als ob sie dem Labor eines verrückten Wissenschaftlers, der auf Classic Rock steht, entsprungen sein müssen. Und noch viel überraschender: Obwohl sie bisher erst drei EPs veröffentlich haben, gehen Greta Van Fleet – vermutlich auch aufgrund lobender Worte von Elton John angefangen über Axl Rose bis hin zu Dave Grohl und Robert Plant – auf den großen Streaming-Plattformen voll ab. Ist dies vielleicht sogar einer der raren Hypes, die wirklich Bestand haben?

Begonnen hat alles 2012, als die Teenager in der lokalen White’s Bar auftraten: Eine üble Spelunke in einer üblen Gegend, das Publikum bestand aus Bikern, Drogensüchtigen und Kriminellen. Dauernd haben sich die Typen geprügelt – nur Greta Van Fleet wurden in Ruhe gelassen. Weil sie waren die Band. Sie wurden sogar von den rauen Steinbeißern respektiert. Bis zu sechs Stunden am Abend spielten Greta Van Fleet dort regelmäßig, „anstatt ins Kino zu gehen oder sich mit Mädchen zu treffen.“ Da die Jungs noch nicht allzu viele Songs im Repertoire hatten, brachten sie sich quasi selbst das Improvisieren bei. Gern walzten sie Klassiker aus Rock, Blues und Soul aus, so konnte ihre Version von Creams „Crossroads“ problemlos eine Viertelstunde dauern.

Gretna Van Fleet ist übrigens eine nette, alte Dame aus der Nachbarschaft der vier Jungs, die ebenfalls Musikerin ist. Kein Wunder, dass das bei der Band fehlende „n“ im Namen gern überlesen wird und so für Verwechslungen gesorgt ist – und bei Gretna nicht selten das Telefon klingeln lässt: Denn der Hype in den USA ist bereits so groß, dass ihn sogar das musikalisch gern mal – Zeitverschiebung, anybody? – verschlafene Europa abbekommt. Denn ja, der Hype dürfte im Gegensatz zu kurzzeitig in sämtliche Höhen gelobter Eintagsfliegen – ein Zeitgeistproblem der ADHS-Musikgeneration – tatsächlich Bestand haben, nicht allein weil Sänger Joshua klingt wie die vielleicht sicher größte Stimme der Rock Musik, Robert Plant. Dass er niemand geringerem als dem Stimmgott höchstpersönlich ähnelt, hat er (so die liebliche Geschichte) zufällig bei einer Bandprobe entdeckt, als er sich seinen Frust aus dem Leib geschrien hat, weil er im Lärm der Instrumente völlig untergegangen ist. „Was immer du da gerade gemacht hast, machst du ab sofort immer“, war die begeisterte Reaktion der anderen Bandmitglieder. Im Einklang mit den eingängigen Seventies-Riffs, die durchaus unter anderem auch bei Plants Kollegen Jimmy Page geschult wurden, geht’s für Greta Van Fleet gekonnt zurück in die Zukunft: Ja, das Rad erfinden die vier nicht neu, aber schließlich fahren neue Autos nach wie vor mit Rädern, wie auch die längst verschrotteten vor ihnen … Allein das Mash-Up aus „The Wanton Song“ (Led Zeppelin) und Greta Van Fleets „When The Curtain Falls“ zeigt, wie nahe sich die Bands stehen – und ist in dieser Form der Huldigung definitiv ehrlicher, als der hanebücherne Stumpfsinn, den Dave Grohl und Krist Novoselić aktuell mit ihrer unsäglichen Nirvana-Reunion fabrizieren.

Während sich also Legionen juveniler Retro-Rocker vornehmlich am Œuvre Black Sabbaths abarbeiten (nothing wrong with that – aber an Orchid wird ohnehin keiner rankommen), kultivieren Greta Van Fleet die Trädemarks der Ära davor, setzen zwischendurch auch einmal auf Akustikgitarren und wirken dabei aber letztlich doch gefälliger, wie gut erzogene junge Männer und nicht wie exzentrische Koksnasen – also: Vom rabiaten Exzress der Siebziger ist das letztlich auch musikalisch entfernt, wenngleich „Age Of Man“ eine ordentliche Backenpfeife Pathos verteilt und das psychedelische Interludium von „Lover Leaver (Taker Believer)“ durchaus an „Whole Lotta Love“ erinnern vermag. Andererseits hat sich auch der Rock’n’Roll gewandelt und sogar seine omnipotente Ekstase wurde in die Schranken gewiesen. An berstender Energie, Spiellust und Charme mangelt es den vier Jungs hingegen jedoch nicht.

Wir verlosen 3 CDs von Greta Van Fleets „Anthem of the Peacful Army“!

Greta Van Fleet

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