Heavy-Metal-Jahresrückblick 2018

Jahresrueckblick

Nach einem eher mauen 2017 war 2018 ein überaus starkes Jahr, besonders für all jene, die harten Riffkaskaden, polternden Schlagzeugen und grimmigem Gegröle zugetan sind: Ein überaus subjektiver Jahresrückblick in die Welt des Heavy Metals.

Man hat sich ja zuletzt daran gewöhnt, vom neuen Jahr nichts oder nur wenig Gutes zu erwarten. Wer zum Beispiel 2017 einen Jahresrückblick verantwortete und verzweifelt nach guten Nachrichten in all der Trübsal von Trump, Erdogan und Putin suchte, dem sprießten unweigerlich graue Haare und gleißende Geheimratsecken – nicht zuletzt war auch in der Welt der Musik, immerhin seliges Refugial, das letzte Jahr nicht von Brillanz gesegnet. Auf weltpolitischer Ebene liest sich auch das Folgejahr ähnlich: Recep Tayyip Erdogan will es mit der EU aufnehmen, aber auch mit den USA, den Saudis und natürlich mit Israel. In seinem Kielwasser schwamm Mesut Özil, der nach seinen trotzigen Tweets einen ziemlich ruppigen Abschied aus der deutschen Nationalmannschaft nahm – das ist sogar an Fußballverweigerer wie mich durchgedrungen. Megan Markle heiratet, für nicht wenige ihrer bürgerlichen, afrikanischen und – was noch schlimmer ist: amerikanischen – Herkunft zum Trotz ins britische Königshaus ein – nur ein Negativbeispiel den Nationalstolz betreffend von vielen. Emma Gonzales, die fast kahl rasierte 18-Jährige Amerikanerin, beschritt nach dem Amoklauf an ihrer Schule in Parkland – wir danken an dieser Stelle Randy Blythe, dass er mit seiner Band Lamb of God trotz der immensen Terrorgefahr in Europa seinen sicheren Hafen Amerika verließ und Slayer auf ihrer Abschiedstour begleitete – den Weg eines Martin Luther King und führte einen vieltausendköpfigen friedlichen Aufstand gegen die amerikanische Waffenlobby an. Und doch frohlocken wir, zumindest zaghaft, im Rückblick, denn wenigstens in der Welt der Musik war ein Aufwind merklich spürbar.

Man weiß ja nicht genau, ob man jubilieren oder lamentieren soll, wenn man man auf ein starkes Musik-Jahr zurückblickt: Denn einerseits ächzt der Kontostand und befindet sich tränenreich nah am Suizid, zum anderen sind exzeptionelle Erlebnisse unbezahlbar und einige Platten sogar eine formidable Wertanlage – mein ungeborenes Patenkind frohlockt und juchezt bereits; Zum einen sind sämtliche Quadratmeter der doch weitläufigen Wohnung mittlerweile bis zum Kollaps ausgereizt, zum anderen senkt eine ausufernde Plattensammlung nebenher spielerisch die Heizkosten, wenn sie zum Behufe der Dämmung an den Außenwänden entlang aufgereiht ist. Letztlich ist es aber nicht nur mühselig, sondern auch unersprießlich, lang und breit Pro und Contra abzuwiegen: Es ist wie es ist, lässt sich zudem die Zeit auch viel produktiver nutzen, indem man im Rückblick schwelgend zu Jahresende Bestenlisten verfasst – denn besser als eine gute Erinnerung sind nur Listen voller guter Erinnerungen – das wissen wir alle spätestens seit „High Fidelity“.

 

Top-10-LPs des Jahres:

DEATH METAL

BLACK METAL

METAL & HARDROCK

NON-METAL

Hate Eternal Uncle Acid - Wasteland Marianne Faithfull - Negative Capability

Platz 1:
Hate Eternal – Upon Desolate Sands [>>]

Platz 1:
Spectral Wound – Infernal Decadence [>>]

Platz 1:
Uncle Acid – Wasteland [>>]

Platz 1:
Marianne Faithfull – Negative Capability [>>]

#2 Terrorizer – Caustic Attack

#2 Wiegedood – De Doden Hebben Het Goed III

#2 Primordial – Exile Amongst The Ruins

#2 Get Well Soon – The Horror

#3 Lik – Carnage

#3 Marduk – Viktoria

#3 Yob – Our Raw Heart

#3 Dance with the Dead – Loved to Death

#4 Hyperdontia – Nexus of Teeth

#4 Necrophobic – Mark of the Necrogram

#4 Ghost – Prequelle

#4 Árstíðir – Nivalis

#5 Kaotean – Damnatio Memoriae

#5 Watain – Trident Wolf Eclipse

#5 Greenleaf – Hear the Rivers

#5 Anna von Hausswolff – Dead Magic

#6 Tomb Mold – Manor of Infinite Forms

#6 Immortal – Northern Chaos Gods

#6 Greta Van FleetAnthem o.t. Peaceful Army

#6 Hollywood Burns – Invaders

#7 Deathrite – When Nightmares Reign

#7 Drudkh – They often see dreams about the spring

#7 Graveyard – Peace

#7 Interpol – Marauder

#8 Carnation – Chapel of Abhorrence

#8 Whoredom Rife – Nid: Hymner av hat

#8 Esben and the Witch – Nowhere

#8 Paul Weller – True Meanings

#9 Sepulcher – Panoptic Horror

#9 Voodus – Into the Wild

#9 Puppy – The Goat

#9 Kurt Vile – Bottle It In

#10 Baest – Danse Macabre

#10 Shining – X Varg Utan Flock

#10 Dorothy – 28 Days in the Valley

#10 Daniel Blumberg – Minus

Top-5-EPs des Jahres:

  1. Cryptopsy – The Book of Suffering: Tome II
  2. Darvaza – Darkness in Turmoil
  3. Revenge – Deceiver.Diseased.Miasmic
  4. Rotten Sound – Suffer to Abuse
  5. Unanimated – Annihilation
Top-3-Re-Issues des Jahres:

  1. Metallica – … And Justice For All Deluxe Edition
  2. Cattle Decapitation – Medium Rarities
  3. Mayhem – Grand Declaration of War Box Set

Arschbombe des Jahres: Machine Head – Catharsis

 

Von 120 Konzerten – darunter 11 Festivals – stachen besonders hervor:

Top-10-Konzerte (chronologisch):

  1. Watain @ La Maronquinerie (Frankreich; Jänner)
  2. Exhumed @ Escape (April)
  3. Wiegedood @ kleine Halle Arena (Juni)
  4. Nick Cave & The Bad Seeds @ Royal Hospital Kilmainham (Irland; Juni)
  5. Church Of Misery @ Dreiraum Arena (Juli)
  6. Die Antwoord @ Budapest Park (Ungarn; August)
  7. Taake @ Viper Room (Oktober)
  8. Horna @ Escape (November)
  9. Slayer @ Wiener Stadthalle (November)
  10. Sodom @ große Halle Arena (Dezember)

außer Konkurrenz und unangefochten: David Hasselhoff @ Gasometer (Mai)

Top-5-Festivals:

  1. Kill-town Deathfest, Kopenhagen
  2. Netherlands Deathfest, Tilburg
  3. Eindhoven Metal Meeting, Eindhoven
  4. Brutal Assault, Jaromer
  5. Inferno Metal Festival, Oslo

Top-25-Festivalauftritte (chronologisch):

  1. Occvlta @ The Abyss Underground Festival (Göteborg, Jänner)
  2. Nekromantheon @ The Abyss Underground Festival (Göteborg, Jänner)
  3. Yacopsae @ Netherlands Death Fest (Tilburg, März)
  4. Guttural Secrete @ Netherlands Death Fest (Tilburg, März)
  5. Necrophobic @ Inferno Metal Festival (Oslo, März)
  6. Tsjuder @ Inferno Metal Festival (Oslo, März)
  7. Marduk @ Vienna Metal Meeting (Wien, Mai)
  8. Horskh @ Brutal Assault (Jaromer, August)
  9. Whoredom Rife @ Brutal Assault (Jaromer, August)
  10. Blood Incantation @ Brutal Assault (Jaromer, August)
  11. Dying Fetus @ Brutal Assault (Jaromer, August)
  12. Origin @ Brutal Assault (Jaromer, August)
  13. Bölzer @ Kaltenbach Open Air (Semmering, August)
  14. Feastem @ Fekal Party (Prag, August)
  15. Demilich @ Kill-Town Deathfest (Kopenhagen, September)
  16. Hyperdontia @ Kill-Town Deathfest (Kopenhagen, September)
  17. Reptilian @ Kill-Town Deathfest (Kopenhagen, September)
  18. Spectral Voice @ Kill-Town Deathfest (Kopenhagen, September)
  19. Undergang @ Kill-Town Deathfest (Kopenhagen, September)
  20. Whoredom Rife @ Celebrare Noctem V (Wels, November)
  21. Wiegedood @ Eindhoven Metal Meeting (Eindhoven, Dezember)
  22. Darvaza @ Eindhoven Metal Meeting (Eindhoven, Dezember)
  23. Fleshcrawl @ Eindhoven Metal Meeting (Eindhoven, Dezember)
  24. Impaled Nazarene @ Eindhoven Metal Meeting (Eindhoven, Dezember)
  25. The Monolith Deathcult @ Eindhoven Metal Meeting (Eindhoven, Dezember)

 

Für Musik-Connaisseure, die sich bevorzugt durch digitale Sphären bewegen, gibt es übrigens einen persönlichen Spotify-Jahresrückblick unter SpotifyWrapped.

Titelfoto: Stefan Kuback / kbkimages