Ina Regen zum Internationalen Frauentag

Ina Regen

Am 8. März laden eine reihe starker Frauen unter der Schirmherrschaft von Ina Regen ins Wiener Konzerthaus. Zum Frauentag wird „SIE“ in den Fokus gerückt und gefeiert.

Foto: Nina Stiller

Austropop-Legende Marianne Mendt, Wiener Blond, Birgit Denk, Monika Ballwein oder 5/8erl in Ehr’n – um nur einige wenige zu nennen: Wenn Senkrechtstarterin Ina Regen ruft, tritt die Créme de la Créme der heimischen Musik-Szene zum musikalischen Event der Sonderklasse an. „Ungewöhnlich Selbstverständlich“ ist das Motto der einzigartigen Show im Wiener Konzerthaus: Unter dem Titel „SIE“ treffen am 8. März einander KünstlerInnen aus den unterschiedlichsten Bereichen, um den Internationalen Frauentag würdig zu begehen. Die eine oder andere erst- und einmalige Zusammenarbeit von österreichischen Stars ist vorprogrammiert. Das verrät die Initiatorin des Konzerts, Ina Regen, im !ticket-Talk, die einem Star zudem eine „verbale Watsch’n“ auflegt. Wem? Lesen Sie es selbst!

Wie kam es zu der Idee des Konzerts zum Frauentag?

Ina Regen: Die hat sich Stückweise zusammengesetzt. Zum einen aus einem Fan-Kontakt heraus, da ich in meinem Publikum viele Frauen hab‘. Wenn ich nach einem Konzert raus gehe und CDs signiere, hab‘ ich schon wahnsinnig schöne Komplimente bekommen. Auch von jungen Mädchen, die mich als großes Vorbild sehen. Oder von einer Frau in ihren 70ern, die meinte, dass ich eine coole Frau bin und es wichtig ist, dass es mich gibt. Ich denk‘ mir dann immer: Wow, das ist ein riesengroßes Kompliment, aber das sind auch riesengroße Schuhe. Vor allem die Vorbildwirkung für jüngere Mädchen. Wenn ich schon so ein Publikum habe, dann möchte ich eigentlich auch herzeigen, wie viele tolle Frauen ich kenn‘ in der Branche. Ich denke, wir sind so viele tolle Frauen und das Bild, das von uns in der Öffentlichkeit gezeichnet wird, ist mir nicht divers genug. Dieser Abend soll zeigen, wie unterschiedlich und ungewöhnlich, und gleichzeitig  selbstverständlich, Weiblichkeit sein kann.

Beschäftigt dich dieses Thema bereits länger?

Ina Regen: Das ist immer stärker und gewichtiger geworden. Ich bin am Land aufgewachsen, in einem sehr traditionellen Setting und wurde überhaupt nicht feministisch oder kritisch erzogen, was diese Rollenbilder angeht.

Am Land war die Rollenbild-Welt also „noch in Ordnung“?

Ina Regen: (lacht) Definiere „in Ordnung“. Es war traditionell, und ich würde sagen, dementsprechend auch unreflektiert. Je mehr ich mein Ursprungsszenario verlassen habe, desto öfter bin ich damit konfrontiert worden, dass man das eigene Frausein, das eigene Menschsein in einem neuen Setting immer wieder neu befüllen und definieren muss. Ich lebe jetzt in der Stadt, nicht mehr am Land. Die Gesprächskultur über Feminismus ist in Wien eine ganz andere als am Land, dort wo ich aufgewachsen bin. Diese Schere hat mich interessiert. In meinen 30ern merke ich jetzt, dass es da so unsichtbare Marionettenfäden gibt an uns, an Frauen und Männern, die uns manchmal unbewusst durchs Leben stolpern lassen. Ich mag es aber lieber bewusst, deshalb hab‘ ich mich in den vergangenen Jahren viel damit beschäftigt. Als Folge dieses Bewusstwerdungsprozesses, was für eine Frau bin ich und was für eine möchte ich sein, war die Veranstaltung am internationalen Frauentag nur eine logische Konsequenz.

Giltst du zu Hause, am Land, jetzt als Revoluzzerin?

Ina Regen: Ich glaube schon. Nachdem ich angefangen hab‘ zu studieren und nach Wien gegangen bin, bin ich sicher daheim etwas unbequemer geworden. Ich hab‘ unangenehmere Themen mit nach Hause gebracht zum Besprechen am Mittagstisch. Ich bin meinen Eltern sehr dankbar, dass sie sich darauf so offen auf die Veränderung eingelassen haben, die wir Kinder da jetzt in das Familiensystem bringen. Meine Eltern sind da eigentlich sehr offen und machen diese Veränderung auch mit. Sie sagen auch, dass sie dankbar sind, dass sie durch uns Kinder einen anderen Blickwinkel auf die Welt bekommen. Diese Offenheit müssen wir uns alle irgendwie erarbeiten. Das geht manchmal halt nur durch eine unangenehmere Gesprächssituation, wenn man d’rauf kommt, dass wir uns so ähnlich, aber dann doch wieder so unterschiedlich sind, dass es fast weh tut. Trotzdem besinnt man sich dann wieder darauf, dass man zusammen dieses Leben gestaltet.

„Lieder und Gedanken zum Thema auf die Bühne bringen“ ist die Arbeitsaufgabe für diesen Abend. Hat denn jeder Künstler auch passende Lieder dazu?

Ina Regen: Der Untertitel ist „Ungewöhnlich Selbstverständlich“. Das ist das Spannungsfeld, was wir jetzt als Gesellschaft für Frauen- und Männerbilder erleben. Was ist an dem ungewöhnlich und was selbstverständlich, sowohl im Positiven, als auch im Negativen? Die Einladung an meine Gäste war, dass sich jeder so präsentieren kann, wie er möchte. Ob das ein Thema ist, das mit Feminismus oder dem Rollenbild der Frau einhergeht oder nicht, liegt in der künstlerischen Verantwortung meiner Gäste. Da mische ich mich nicht ein. Ich habe mich beim Konzept eingemischt, da mir Synergien wahnsinnig wichtig sind. Ich möchte, dass jeder meiner Gäste in Synergie mit einer anderen Musikerin oder einer anderen Frau auf die Bühne geht. Deshalb wird es im Rahmen dieses Konzerts einmalige Kooperationen geben, stilübergreifende Crossover-Projekte, Tänzerinnen … Ich glaube, das wird so nur an diesem Abend stattfinden und deshalb auch für das Publikum sehr spannend sein.

Alle KünstlerInnen treten mit einer gemeinsamen Band auf?

Ina Regen: Grundsätzlich steht meine Rhythmusgruppe für alle zur Verfügung. Manche kommen mit ihrer eigenen Band, manche treten in Besetzungen auf, die es so noch gar nie gegeben hat und vielleicht nie wieder geben wird.

Du hast viele erfolgreiche, starke Frauen eingeladen und unter deinen Fans wird es kaum Frauenfeindlichkeit geben. Ist die Message, gerade im Musikgeschäft, nicht wie Eulen nach Athen zu tragen?

Ina Regen: Das glaubt man (lacht)! Bei einem meiner ersten Gespräche mit Plattenfirmen hat mir der A&R (Verantwortlicher für Artist & Repertoire, Anm.) gesagt, dass es für meine Musik sehr schwierig wird, weil ich müsste die Frauen davon überzeugen mich zu mögen. Und Frauen mögen keine Frauen. Das hat mir ein Mann gesagt. Wäre ich kein Sturschädel, hätte ich mir vielleicht gedacht, dass es für meine Musik kein Publikum geben wird. Also kann ich’s gleich bleiben lassen. Ich hab gottseidank nicht auf ihn gehört. Oder eine halbe Stunde, bevor ich als Headlinerin auf die Bühne beim Donauinselfest gegangen bin, wurde ich in einem Interview gefragt, wie es sich denn anfühlt, die Quotenfrau zu sein. Ich hab‘ mir gedacht: Du glaubst also wirklich, dass ich nur da bin, weil ich eine Frau bin und nicht, weil ich gut in meinem Beruf bin? Was ist das für eine Unterstellung? Was ist das für eine Frechheit? Man glaubt gar nicht, dass so etwas noch immer passiert. Wenn das in unserer Branche passiert, die aufgeschlossen und modern ist, möchte ich mir nicht vorstellen, wie es einer durchschnittlichen Kassiererin im Supermarkt geht. Mir ist nie eine sexuelle Übergriffigkeit oder etwas Schlimmes passiert. Deshalb hab‘ ich vielleicht die Kraft, um mit dem in den Ring zu steigen und thematisiere etwas, wozu andere Frauen, die nicht in der Öffentlichkeit stehen, keine Möglichkeit haben. Oder sie haben eine viel größere Last zu tragen als ich. Wenn ich etwas dazu beitragen kann, dass unsere Gesellschaft mehr Empathie entwickelt für unterschiedliche Schicksale, dann soll das diese Veranstaltung tun.

Wir sprechen immer über Gendern und Frauenquoten. Wird das nicht schon ein bisschen übertrieben, herrscht da nicht das totale Chaos?

Ina Regen: Ich bin ein großer Fan von Chaos und von Unklarheit. Ich glaube, dass jede Veränderung aus dem Chaos entstehen muss. Deshalb auch die Ambivalenz. Wollen wir Frauenquoten oder nicht? Ist es schon zu viel #metoo oder noch viel zu wenig? Solange wir uns da nicht sicher sind, sind wir in Bewegung und in einer Bewusstseinsbildung. Welche Frau bin ich? Welcher Mann bin ich? Wie gehen wir miteinander um? Was ist daran ungewöhnlich und was selbstverständlich? Ich merke auch, dass sich auch meine Position immer wieder neu kalibriert, mein Kompass ist da nicht ganz eindeutig geeicht. Das empfinde ich als gut und sehr wichtig. Je weniger da eine einzige Wahrheit auf dem Tisch liegt, über die sich alle einig sind, desto mehr Freiheit bringt uns das. Aber Freiheit bringt Verantwortung mit sich. Ich selbst gendere. Ich hab‘ mich für die Schreibweise mit dem Sternchen entschieden (*Innen, Anm.), weil ich das schön und wichtig finde. Ich sehe nicht, dass das die Sprache verstümmelt. Ich finde die Diskussion über die Söhne und Töchter in der Bundeshymne auch … ja, es hätte vielleicht eine schönere poetische Lösung gegeben den Gedanken umzusetzen. Mein Dichterinnenherz fühlt sich ein bisschen verstümmelt. Dass man das überhaupt diskutieren muss, dass Töchter darin vorkommt, empfinde ich als Frechheit. Dass es Künstler gibt, die sich dagegen wehren, die gehören … ich möchte nicht das Wort Watsch’n in den Mund nehmen, verbal möchte ich dennoch eine austeilen (lacht).

Dann wissen wir, mit wem es niemals ein Duett geben wird.

Ina Regen: Sag‘ niemals nie.

Wer mir auf deiner musikalischen Gästeliste abgeht ist Tom Neuwirth, mit dem du ja bereits ein Duett aufgenommen hast. Oder ist sein Auftritt noch ein Geheimnis?

Ina Regen: Die Conchita? (Nachdenkpause) Ja, spannend. Aber ich hab‘ ja auch vor, dass es diese Veranstaltung ab jetzt jährlich geben soll. Und auch da sag‘ ich niemals nie.

Barbara Schöneberger hat mit ihrem Instagram-Posting, dass sich Männer nicht schminken sollten, einen Shitstorm ausgelöst. Sollen Männer Make-Up tragen?

Ina Regen: Sollen nicht. Sollen sich Frauen schminken? Nein. Dürfen sich Frauen schminken? Volles Brot! Ich hab‘ Tage, an denen ich mich gern schminke und da find‘ ich das cool. Ich möchte das aber nicht als Verpflichtung wahrnehmen, dass ich nur noch geschminkt außer Haus gehen darf. Weder privat, noch beruflich. Ich bin so ein großer Fan von Freiheit. Wenn wir uns Frauen dieses Recht erkämpft haben, teile ich das gerne auch mit den Männern.

Wie geht es mit dir musikalisch weiter?

Ina Regen: In meiner Welt kommt am 15. November ein Duett mit meinem guten Freund Josh., das heißt „Weil ich’s nicht weiß“. Darauf freu‘ ich mich total. Dann bin ich im November und Dezember mit Gregor Meyle auf Tour und das Frühjahr steht im Zeichen von „SIE“ im Konzerthaus. Ab dann bin ich sehr intensiv am Arbeiten am neuen Album, das im nächsten Herbst erscheinen wird.

Ina Regen lädt am 8. März zum Internationalen Frauentag ins Wiener Konzerthaus, Tickets gibt es bei oeticket.com.

Mit den Songs ihres aktuellen Albums spielt Ina Regen aber auch noch am 5. Dezember im Linzer Musiktheater, auch hierfür gibt es Tickets bei oeticket.com.

Auch Virginia Ernst präsentiert (zum dritten Mal und für Radio Wien) am 8. März „starke Stimmen und starke Frauen“ – in den Wiener Sofiensälen, gemeinsam mit u. a. Erika Pluhar, Verena Schneitz und den Kernölamazonen. Tickets gibt es ebenfalls auf oeticket.com.