Jansky sind ein bisschen aus der Zeit gefallen

Jansky

Mit ihrer neuen Single „Fäden“ feiert das Geschwisterpaar Jansky die Veröffentlichung ihres Debüts „LP1“: eine der herausragendsten heimischen Veröffentlichungen des Jahres.

Ein bisschen aus der Zeit gefallen: Mit diesen wenigen Worten würden die Geschwister Anna und Martin Rupp alias Jansky selbst ihr vergangenen Freitag erscheinendes Debütalbum „LP1“ beschreiben. Eine Inspiration dafür waren tatsächlich die kleinen verschollenen Alben, die man aus obskuren Plattenläden nur aufgrund des Artworks mitnimmt. Etwas Geheimes entdeckt und nur für sich allein zu haben, genau so ein Gefühl wollen Jansky erzeugen.

Diese Intimität zwischen MusikerIn und ZuhörerIn herzustellen, bedeutet musikalisch die Reduktion auf das Notwendigste. Piano, Gitarre, etwas Percussion: In der Vertrautheit der beiden Geschwister braucht es oft nicht viel mehr, um eine Geschichte zu erzählen. Hin und wieder stützen Kontrabass, Synthesizerflächen oder Bläserarrangements die Stimmung, ohne sich aber in den Vordergrund zu drängen. In den melodischen Momenten erinnert das an Singer-Songwriter-Pop der langsameren Schule, in radikaleren Momenten an die spannende Experimentierfreude frühen Post-Rocks.

Aufgenommen wurde das Album großteils im Elternhaus im ländlichen Niederösterreich, produziert von Anna und Martin selbst. Für Außenstehende war im Entstehungsprozess von „LP1“ aufgrund der geschwisterlichen Dynamik ohnehin wenig Platz. Nur Katrin Paucz (Sharktank, Oehl) mit Gastvocals („Outro“) und Philipp Steinkellner am Saxophon („Wunsch“, „Fäden“) durften aushelfen. Der Platte hört man diese Einsamkeit und die Nostalgie des Ortes ihrer Entstehung durchaus an. Insofern würde die Band ihre Beschreibung von „LP1“ vielleicht doch ein bisschen anders formulieren: sich selbst ein bisschen aus der Zeit herausnehmen.

Den Albumrelease feiern Jansky mit der neuen Single „Fäden“. Sie verkörpert diesen Kontrast zwischen Popsensibilität und experimentellem Minimalismus besonders stark. Ursprünglich als reine Klavier-Ballade ausgelegt wurde „Fäden“ im Laufe der Aufnahmen immer wagemutiger mit Saxofon, Gitarre und Synthesizer ausgefranst, kraftvoll und expressiv in den Pop-Elementen mit subtilen Brüchen und einem Saxofon-Instrumentalteil, der auch etwa bei „Spirit of Eden“-Ära Talk Talk nicht fehl am Platz wäre. Inhaltlich wird von einem Nachmittag im Kaffeehaus erzählt, vom aufsteigenden Zigarettenrauch und kleinen Beobachtungen von Bewegungen und Gesten der Menschen.

Das volle Album gibt es auf Bandcamp zu hören.

Die größten Stars und das Beste aus über 75.000 Events - jetzt für den OETICKET-Newsletter anmelden und immer am Laufenden bleiben!