Burgtheater: Jedermann ist tot

Stefan Bachmann brachte vergangenen Samstag Ferdinand Schmalz‘ neues Spiel vom Sterben des reichen Manns auf die Bühne des Wiener Burgtheaters. 

© Georg Soulek

„Wir geben heut‘ das Spiel vom Sterben des reichen Mannes“, erklärt die Buhlschaft mit rot getränkten Zungen Samstagabend auf der Bühne des Wiener Burgtheaters, und an diesem Abend soll Jedermann – verkörpert von Blondschopf Markus Hering – tatsächlich sterben.

Wir haben die wichtigsten Pressestimmen für Sie zusammengefasst:

Der Teufel, das sind bei Schmalz wir alle – und der Tod ist identisch mit der Buhlschaft (ein origineller, gut funktionierender Trick – schließlich hat man in Wien eine durchaus erotisch gefärbte Beziehung zum Tod).
Das wichtigste aber: Schmalz nimmt den Stoff ernst, widersteht der Versuchung, sich über Hugo von Hofmannsthals oft belächeltes Salzburger Weihespiel lustig zu machen. Der Text hat komische Elemente und typisch Schmalz’sche Wortspiele – ist aber keine verblödelte Farce, sondern eine packende Tragödie. (Kurier)


Ferdinand Schmalz‘ Könnerschaft besteht darin, dem Original dicht auf den Fersen zu sein, aber sich in einer eigenen, weltlich-unsentimentalen Verssprache die Bigotterie vom Leib zu halten. Die zentrale Umdrehung nimmt er am Ende vor, indem er den Fokus von Jedermann auf die Gesellschaft richtet, deren Mitglieder sich wie Aasgeier auf das Erbe stürzen. Sich an einem Sündenbock abzuputzen genügt also nicht. (Der Standard)


Kongenial umgesetzt hat diesen Text Regisseur Stefan Bachmann, der das achtköpfige Ensemble passagenweise im Chor sprechen und singen lässt. Der Ort der Handlung ist vor eine goldfleckige Mauer verlegt, durchstoßen von einer enormen Röhre (Bühne: Olaf Altmann). (Kleine Zeitung)


Wenn man sich [auf den] „Sound“ [der Inszenierung] eingehört hat, entwickelt sie einen starken Sog, eine hohe Verführungskraft. Sie ist ungewöhnlich, originell, unverwechselbar, auf hohem künstlerischen Niveau. (Kurier)


Bei den Salzburger Festspielen ist stets der Domplatz der Hauptdarsteller – und auch im Burgtheater dominiert die Bühne: Olaf Altmann hat eine Lösung gefunden, die an seine „Elektra“-Bühne (ein Spalt in der Wand) erinnert: In eine goldfarbene Metallmauer mündet ein Rohr. In dieser Rohröffnung finden die entscheidenden Szenen statt. Das Rohr symbolisiert die Verbindung mit der Außenwelt und mit dem Jenseits, es kann sich aber auch drehen und zum Hamsterrad werden, in welchem sich Jedermann müde läuft. (Kurier)


Diese fantastische Durchgangsstätte (Röhre im Bühnenbild, Anm.d.Red.) wird zum Schauplatz einer pointenreichen und sprachmächtigen Abrechnung mit der gewählten Besinnungslosigkeit unserer Tage. Die Figuren des hofmannsthalschen Originals hat Schmalz so miteinander verschmolzen, dass neben dem hinreißenden Markus Hering als Jedermann auch Barbara Petritsch als Buhlschaft Tod, Oliver Stokowski als armer Nachbar Gott und Mavie Hörbiger als Mammon und Charity groß aufspielen können. Langer, sehr langer Applaus nach knapp zwei Stunden. (Kleine Zeitung)


Markus Hering spielt die Hauptrolle nicht nur körperlich beeindruckend. Sein Jedermann ist ganz anders als die pathetischen Salzburger Domplatz-Büßer: Kühl kalkulierender Geschäftsmann, der das Nahen des Todes zuerst als erotisches Abenteuer und dann als Störung des Geschäftslebens versteht. […] Aber das ganze Ensemble ist großartig: Mavie Hörbiger (komisch als „Gute Werke“, unheimlich als „Mammon“), Markus Meyer und Sebastian Wendelin als schleimige Vettern, Katharina Lorenz als erotische Ehefrau (warum Jedermann sich für sie nicht interessiert, bleibt rätselhaft), Oliver Stokowski als Armer Nachbar/Flüchtling/Gott, Barbara Petritsch als mütterliche, tödliche Buhlschaft und Elisabeth Augustin als Jedermanns gut gelaunte Mutter.(Kurier)


Bei Bachmann reißt sich Jedermann sogar selbst vom Totenbett los und beschwert sich: „die eigentliche lehr, / die wir aus diesem spiel hier ziehen können, / ist, dass einer hier geopfert wird, / um unsere gemeinschaft rein zu waschen.“ Das hat getroffen. Euphorischer Applaus. (Der Standard)


Am Ende wollte der Jubel gar kein Ende nehmen: Zehn Minuten lang holte das Premierenpublikum Darsteller, Regieteam und vor allem den Dichter immer wieder vor den Vorhang: Der Wiener „Jedermann“ – ein Prestigeprojekt der Burgtheater-Direktorin Karin Bergmann – wurde bei der Uraufführung zum großen Erfolg. (Kurier)

Der neue Jedermann

Im Auftrag des Burgtheaters hat der vielfach preisgekrönte österreichische Dramatiker Ferdinand Schmalz das Spiel vom Sterben des reichen Mannes für das 21. Jahrhundert über-, fort- und neu geschrieben.
Er nimmt dem Text seinen fast schon liturgischen Charakter, spitzt die Dramaturgie des Originals zu, schärft die Konflikte, schraubt lustvoll an Sprache und Versmaß, bricht altertümelnde Klischees auf und erneuert die Ikonografie. So sind die Figuren nicht länger entrückter Teil einer christlichen Devotionalienschau, sondern gehen uns ganz direkt an. Der neue Jedermann ist kein „prächtiger Schwelger“, wie ihn der Teufel bei Hofmannsthal einmal nennt, vielmehr ein knallharter Geschäftsmann, den es nicht anficht, dass draußen vor seinem fest umzäunten Garten das Chaos tobt, das Kriegsrecht ausgerufen und mit Toten zu rechnen ist. Auch er wird den Weg allen Fleisches gehen, allerdings mit wenig Hoffnung auf das Himmelreich: „erlöst oder nicht, ist wirklich unerheblich“, Hauptsache, ein Sündenbock für unser schlechtes Gewissen ist gefunden… (Quelle: Burgtheater)

Regie: Stefan Bachmann
Bühne: Olaf Altmann
Kostüme: Esther Geremus
Komposition & Musikalische Leitung: Sven Kaiser

Mit: Markus Hering, Katharina Lorenz, Elisabeth Augustin, Barbara Petritsch, Markus Meyer, Sebastian Wendelin, Oliver Stokowski, Mavie Hörbiger
Live Musik: Sven Kaiser, Béla Fischer

„Und jetzt?“ – „Jetzt wird gestorben.“ (aus: jedermann (stirbt))

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