Kay Voges übernimmt Volkstheater

Der deutsche Intendant will das Haus fit für’s digitale Zeitalter machen und mit den Menschen sprechen. Paul Wallfisch kommt als musikalischer Leiter.

Im Rahmen einer Pressekonferenz stellte Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler heute den künftigen Intendanten des Wiener Volkstheater vor: Der derzeitige Direktor am Schauspiel Dortmund Kay Voges übernimmt 2020/21 die Leitung von Anna Badora. Der Vertrag ist vorläufig auf fünf Jahre befristet.

Das Wiener Volkstheater soll innovativ wie traditionsbewusst, unterhaltsam und zugleich inhaltlich relevant mit einem hochkarätigen Ensemble und einem different besetztem Leitungsteam sein, das ein Identifikationsangebot macht. Deshalb muss das Volkstheater ein Ort für die BürgerInnen dieser Stadt sein, für alle. Und wo, wenn nicht am Volkstheater sollte man in Wien ein neues Theater ausrufen, das seine Tradition und sein Publikum umarmt, um gemeinsam mit ihnen in die Zukunft zu blicken. Das Volkstheater als Theater für die digitale Moderne.

Kay Voges

Bald modernstes Theater?

Digitalität war einer der großen Begriffe, die der 47-Jährige heute Vormittag in Bezug auf seine Pläne für das Haus nannte. Nicht nur soll der Theaterbau ein technisches Refresh erhalten – Voges sieht das Volkstheater künftig als fortschrittlichstes Theater in ganz Österreich. Genauso müssen auf inhaltlicher Ebene Erzählweisen für ein digitales Zeitalter gefunden werden: „Es geht darum ein gegenwärtiges Theater im digitalen Zeitalter zu machen und herauszufinden, wie man am Theater in Zeiten von Netflix erzählen kann, aber zugleich das Theater sinnlich und klug bliebt.“

Theater ist für alle da

Es geht darum relevantes Theater zu machen, das im Augenblick und für die Menschen ist. Wenn dieser Funke überspringt, werden wir die Herzen der Wiener denke ich erobern.

Kay Voges

Sich der Zukunft, die ja eigentlich schon längst unser aller Alltag ist, anzunehmen, bedeutet gleichermaßen, dass sich das Haus dem zurzeit im Wandel befindlichen Publikum annimmt. Deshalb will Voges die Türen bis zu jenen Menschen öffnen, die „es nicht ins Theater schaffen“. In Bezug dazu kommt dem Volkstheater in den Bezirken eine tragende Rolle zu, das sich politischer aber nicht minder lustvoll zeigen wird. Dort treten auch die Stars des künftig „hochkarätig besetztem Ensembles“ auf. Zusätzlich finden in Zukunft permanent Einführungsgespräche und Nachbesprechungen mit den KünstlerInnen statt, denn: eine Zwei-Klassen-Gesellschaft darf nicht entstehen. Und wenn das noch zu wenig Wirkung zeigt? Dann gibt’s „Werbestände in der Aula (…) und wir gehen auf die Straße und sagen: Wir sind keine geschlossen künstlerische Gruppe im Elfenbeinturm, wir sind hier für euch da.“

Alles unter einem Dach

Das lustvolle Theater von österreichischen AutorInnen wird einer der Schwerpunkte sein. Es wird auch musikalisch erstklassig werden. Die Inhalte sollen Menschen als Ganzes ansprechen – das Herz gleichermaßen wie das Zwerchfell.

Kay Voges

Neben der engen Verbindung mit der Wiener Stadtgesellschaft möchte man genauso international relevante Arbeiten produzieren und einen Fokus auf österreichische AutorInnen legen. Schauspiel bleibt weiterhin der Kern, aber auch Musik – der New Yorker Paul Wallfisch kommt als musikalischer Direktor – und die Performing Arts sorgen für wichtige Akzente. Verwirklicht werden die Pläne mit einem größeren Ensemble, Gäste stehen künftig weniger auf der Bühne. Und auch ein Regielabor ist für Voges vorstellbar: „An der Akademie für Theater und Digitalität forschen Menschen an Erzählweisen für das digitale Zeitalter. Diese Kooperation soll bestehen bleiben und Werke über diese Akademie nach Wien zur Aufführung gelangen. Stücke, die ganz frisch aus den Forschungslaboren auf die Bühne gelangen. Das Volx/Margareten ist dafür sicherlich ein guter Standort.“

Zur Person

Kay Voges leitet seit zehn Jahren das Schauspiel Dortmund. Er gilt als „Innovator und Experimentator“ (Der Standard). Unter seiner Leitung hat das deutsche Theater in der Kritiker-Jahresumfrage von Theater heute ab 2015 drei Mal in Folge den zweiten Platz als Theater des Jahres im gesamten deutschsprachigen Raum belegt. Vor zwei Jahren wurde der Künstler mit seiner Inszenierung Die Borderline Prozession zum Berliner Theatertreffen eingeladen.

Kay Voges hat es geschafft innerhalb seiner Zeit ein Haus ins Rampenlicht zu bringen, ein Publikum zu finden – mit einer Auslastung von rund 80 Prozent, da ist schon wahnsinnig viel geglückt.

Veronica Kaup-Hasler