Klaus Eckel wird mit dem Österreichischen Kabarettpreis ausgezeichnet

Klaus Eckel

Seit 18 Jahren wird der Kabarettist Klaus Eckel im In- und Ausland mit Preisen überhäuft. Was mit dem Kärntner Kleinkunstdrachen begann, gipfelt nun in den höchsten Weihen des Österreichischen Kabarettpreises 2019.

Gleichzeitig startet der Wiener mit seinem brandneuen Programm „Ich werde das Gefühl nicht los“ durch: Kennen Sie auch diese Liebe, die man empfindet, wenn auf der Autobahn ein hupender Porsche Cayenne hinten auffährt? Diese Zufriedenheit, wenn Sie nackt vor dem Spiegel stehen und dabei die Muskeln nicht anspannen? Diese Panik, dass die Pubertät Ihrer Tochter vielleicht vorbei sein könnte? Diese Sehnsucht, den eigenen Eltern endlich ähnlicher zu werden? Dieses Bedauern, wenn Ihr Partner bei Monopoly genau auf das Feld fährt, auf dem Sie gerade ein Hotel gebaut haben? Diese Hoffnung, dass der Brief, den Sie gerade öffnen, vom Finanzamt ist? Diese Vorfreude, wenn der Chef einen Witz erzählt? Diese Zuversicht, wenn Sie dem amerikanischen Präsidenten bei einer Rede zuhören? Diese Sorge, dass Sie am Sterbebett bereuen könnten, viel zu wenig Zeit auf Facebook, Twitter und Instagram verbracht zu haben? Falls Sie diese Gefühle nicht kennen – und dessen sind wir uns fast sicher – sind Sie bei Klaus Eckel richtig. Und falls schon, dann auch. Mit seinem neuen Programm wird Eckel jedenfalls sicherlich wieder für Zusatzvorstellungen, ausverkaufte Häuser und hervorragende Kritiken sorgen …

Wie fühlt es sich an, am österreichischen Kabarett-Olymp angekommen zu sein?

Klaus Eckel: Es fühlt sich gut an. Ich habe schon einige Preise einheimsen dürfen. Der schönste Preis war der vor neun Zuschauern in Kärnten vor 16 oder 17 Jahren: Von den neun Zuschauern hab‘ ich vier gekannt und konnte noch weitere drei überzeugen, dass sie mich gut finden. Und dann hab‘ ich den Preis bekommen. Das war von den Glücksgefühlen her der schönste Preis.

Wenn man sich die Pressestimmen der vergangenen Wochen ansieht, könnte man meinen, du wärst eine Neuentdeckung und ein Newcomer. Aber du stehst jetzt bereits 18 Jahre auf der Bühne …

Klaus Eckel: Ich bin halt einer, der diese Seitenblicke-Welt nicht ständig aufsucht. Bei jeder Party ein bisschen Präsenz im Fernsehen ist nicht mein Thema. Deshalb laufe ich seit 18 Jahren schon als Nachwuchshoffnung und Geheimtipp. Ich werde vielleicht noch im Pflegeheim als Newcomer entdeckt. Aber mir soll das recht sein. Prominenz bedeutet mir nicht viel, das Bekanntsein vom Kabarett ist schön, da bin ich ganz glücklich.

Wie siehst du deine Mit-Nominierten Sonja Pikart, RaDeschnig und Maschek?

Klaus Eckel: Ich hab‘ mir vorgenommen, Sonja Pikart anzuschauen. Kenn‘ ich nicht, freue mich aber schon. Wir hatten ein unterhaltsames Gespräch und ich hab‘ nur Positives gehört. Maschek haben Kult-Status. Sie haben die Form des visuellen Humors revolutioniert und, im positiven Sinne, unsere politische Landschaft beeinflusst. Sie haben die Bilder, die Musik, die Vertonung so neu konstruiert, dass schöne neue Zusammenhänge entstehen. Großartig, ganz großartig! RaDeschnig kenn‘ ich schon lange, das ist ein Kärntner Kabarett-Duo. Die haben unglaublich viel Talent, tolle Stimmen. Ich kenne das aktuelle Programm nicht, habe aber auch nur das Beste gehört.

Ist auch ein bisschen Schadenfreue oder Mitleid dabei, wenn man gewinnt und die anderen leer ausgehen?

Klaus Eckel: Eher Mitleid mit mir! Ich bekomm‘ den Hauptpreis und das gleiche Geld wie alle anderen. Das wurde kommunistisch aufgeteilt. Jeder bekommt 3.333 Euro. Das finde ich natürlich einen totalen Affront! Man müsste mir alles geben, wenn ich schon den Hauptpreis krieg‘. Aber das ist halt nicht so (lacht). Nein, es ist kein Mitleid. Kabarett gewinnt man nicht über Preise, sondern über das Publikum. Wenn du 400 Preise hast, aber keine Zuschauer die das interessiert, kannst du zu Hause Preise abstauben. Es ist ja meistens so, dass die, die nix verkaufen, Preise bekommen, weil man sich denkt, die sollen auch irgendeinen Erfolg haben. Ich hab‘ ja Angst vor schwierigen Zeiten!

Ja, denn das würde ja heißen, dass du jetzt auf dem rapide absteigenden Ast bist mit dem Kabarett-Hauptpreis?

Klaus Eckel: Absolut! Nur noch schlimmer wär‘ es, wenn sie mir den Preis für das Lebenswerk überreichen. Denn das heißt: Bitte hör‘ auf!

Ist so ein Preis denn gar kein Karriere-Boost?

Klaus Eckel: Vor vielen Jahren war es mein Ziel, regelmäßig im Kabarett Niedermair vor hundert Menschen ausverkauft zu sein. Jetzt spiele ich zwei Mal im Globe Wien vor jeweils 1.000 Zuschauern. Ich denke, ich hab‘ schon so viel Publikums-Boost, alles andere wäre vermessen. Größer will ich gar nicht spielen, um ehrlich zu sein. Solange ich halten kann was da ist, bin ich schon überaus glücklich. Das ist schon Aufgabe genug. Man merkt aber schon, dass auf oeticket der Kartenverkauf massiv steigt, wenn man mehr Publizität hat.

Einen Eintrag in deinem Online-Gästebuch fand ich besonders schön: „Sie sind ein besonders sympathischer, origineller und eloquenter Kabarettist und ein wahrer Lichtblick in dieser emotional kalten Welt.“ Wie kommt sowas bei dir an?

Klaus Eckel: Ich denk‘ mir: Von wem spricht die? Ich glaub‘, die hat in das falsche Gästebuch eingetragen, sie wollte eigentlich beim Dalai Lama rein schreiben. Ich versuche, die Leute auf der Bühne zu unterhalten, man muss das aber ein bissl von der Person unterscheiden. Als Mensch bin ich genauso mit Schatten- und Sonnenseiten behaftet, da unterscheide ich mich Null von anderen. Ich würde das nicht gleichsetzten. Damit keine Hybis entsteht, dass man sich denkt, wenn einem die Leut‘ zwei Stunden zuhören, ist man auch ein ganz besonders toller Mensch. Von dem Gedanken entferne ich mich schon alleine als Selbstschutz. Im positiven Sinne möchte ich so etwas gar nicht ernst nehmen.

Also bist du kein wahrer Lichtblick?

Klaus Eckel: Nein, ich bin viel Dunkelheit.

Frei nach dem Titel deines neuen Programms: Welches Gefühl wirst du seit dem Gewinn des Kabarett-Preises nicht mehr los?

Klaus Eckel: Im Positiven ein Gefühl der Dankbarkeit. Das klingt jetzt kitschig, ist aber so. Ich bin jetzt 45 und hab‘ einen Beruf den ich gerne mach‘. Ich hab‘ eine gesunde und glückliche Familie und ein für mich sehr erfreuliches Sozialleben. Auf diesen drei Säulen baut meine Zufriedenheit auf.

Gibt es im Allgemeinen Gefühle oder Ängste, die dich verfolgen?

Klaus Eckel: Ängste hab‘ ich auch genug. Ich hab‘ total Höhenangst, die verfolgt mich ständig. Es reicht, wenn ich wo drei Stufen hinauf geh‘, das ist mir schon zu viel. Heutzutage ist es auch die Wut, denn das Internet besteht zu 90 % aus Wut. Das verfolgt mich, wenn ich das Notebook öffne und mir Foren durchlese. Da denk‘ ich mir, so viel Wut auf dieser Welt, so viel Unentspanntheit.

Bekommst du das auch ab?

Klaus Eckel: Es gibt immer ein, zwei Leute, die dich notorisch hassen. Die würd‘ ich wirklich wahnsinnig gern treffen. Die sind unglaublich. Meet Your Enemies! Das muss total spannend sein. Aber meistens schreiben die unter Idefix24 und unter Idefix24 gibt’s halt leider keine Adresse, weder Mail noch postalisch.

Verbringst du sehr viel Zeit mit Social Media?

Klaus Eckel: Null. Einmal im Jahr mach‘ ich Facebook auf, aber auch nur weil ich mir denke … ich weiß‘ eigentlich gar nicht warum. Auf Twitter war ich eine Woche, das war mir zu stressig. Instagram fördert eher das narzisstische Ich, wenn ich mich dauernd selbst darstelle. Das löst bei mir nicht das Beste aus, wenn ich dauernd zeig‘, was ich alles wieder kann. Das tut mir nicht gut. Ich sag‘ auch immer im Programm: Am Ende vom Leben werde ich am Sterbebett liegen und mir denken, dass ich noch eine Stund‘ mehr auf Instagram verbringen hätte sollen. Ich glaub‘, das ist viel Zeitvergeudung.

Ebenfalls ein Aspekt aus deinem Programm: Wie wichtig ist Scheitern für dich?

Klaus Eckel: Es gibt die Schönheit des Scheiterns. Man darf nicht vergessen, dass die großen Erfindungen alle durch Scheitern entstanden sind. Penicillin, das Post-It. Christoph Kolumbus wollte ja nach Indien, nicht nach Amerika. Der war ein Riesen-Scheiterer, der ist in die falsche Richtung g’fahren und jeder kennt ihn. Wenn man lachen will, dann muss man das Scheitern hoch halten, weil nur im Scheitern wohnt der Humor. In der Perfektion und im Photoshop wohnt kein Witz. Wenn wir eine Welt haben wollen in der noch gelacht wird, dann sollten wir das Scheitern auf ein Podest stellen und nicht die Optimierung.

Gibt es etwas an dem du gescheitert bist und das dich noch immer wurmt?

Klaus Eckel: Ich scheitere ja ständig. Ich würd‘ gern ein geschickter Handwerker sein. Es wär‘ mein Traum, dass ich haptisch was kann. Aber ich bin total ungeschickt und verletze mich auch. Ich sag‘ im Programm, dass ich die meisten Dinge schon in der stabilen Seitenlage repariere. Das ist die Endposition meiner Reparatur. Wenn das, was man möchte und das, was man kann zu sehr auseinander klafft, dann scheitert man. Das ist bitter. Im Nachhinein, mit Zeit, nach zwei Wochen, schaut man den Verband am Arm etwas humorvoller an.

Ebenfalls eine Reminiszenz an dein Programm: Fährst du Porsche Cayenne?

Klaus Eckel: Nein, schon alleine aus Imagegründen nicht. Vielleicht gibt’s einen Teil in mir, der hätte gern einen Porsche Cayenne. Aber man kann ja nicht mit dem Porsche Cayenne in den Bio-Laden fahren. Ich halte das für ein dummes Auto.

Welche Rolle spielt Umweltbewusstsein in deinem Leben?

Klaus Eckel: Mein ökologischer Fußabdruck ist meistens ein Fingerabdruck. Ich hab‘ mit einigen Leuten Gespräche geführt, die von Ökologie wirklich eine Ahnung haben. Die sagen, dass wir, wenn wir weiter so mit dem Planeten umgehen, ihn eh gegen die Wand fahren. Da braucht man kein Apokalyptiker sein. Wenn wir so weiter machen, ist das in hundert Jahren vorbei. Dann ist es halt für unsere Spezies gelaufen. Das wird der Erde nicht wehtun, die schüttelt uns ab. Alle Maßnahmen, die sogar die Grünen fordern, sind angesichts der Weltlage, dem Plastik, das im Meer herum schwimmt und der schlechten Luft in vielen Großstädten, total lächerlich. Eigentlich müsste das viel radikaler angegangen werden. Ich fahr‘ zu meinen Auftritten mit dem E-Bike, eigentlich fahr ich überall wo es geht, also in Wien und Umgebung, mit dem E-Bike hin. Gleichzeitig esse ich auch Fleisch, zwar nicht wahnsinnig viel. Ich kaufe viel Elektroschrott. Ich kaufe ab und zu im Internet etwas und schade dem Einzelhandel. Der Mensch ist ja ein vielfältiges Wesen. Ich bin in manchen Bereichen nachhaltig und in manchen Bereichen ein Dreckschwein.

Die wichtigste Frage, gestellt aus deinem Programm: Wie oft stehst du nackt vor dem Spiegel und findest dich furchtbar geil?

Klaus Eckel: Ich mach‘ Spiegeltrinken. Ich stell‘ mich vor den Spiegel und trinke solange, bis ich mir g’fall.

Klaus Eckel spielt sein neues Programm „Ich werd das Gefühl nicht los“ laufend u. a. im Orpheum Wien, im Stadtsaal Wien, im GLOBE WIEN, im Stadtsaal Hollabrunn, an der Universität Klagenfurt, im Kongress- & Theaterhaus Bad Ischl, und und und. Tickets gibt es bei oeticket.com.

Am 4. November wird im GLOBE WIEN der Kabarettpreis verliehen. Der Förderpreis geht an Sonja Pikart, den Programmpreis erhält das Duo RaDeschnig, der Sonderpreis geht an Maschek für ihr 20-jähriges Bestehen und mit dem Hauptpreis wird Klaus Eckel ausgezeichnet. Moderiert wird die Gala von Verena Scheitz, den ORF zeigt die Verleihung am 13. Dezember auf ORF 1, Sie können aber der Verleihung auch persönlich beiwohnen.