„Körperwelten – Eine Herzenssache“, die unter die Haut geht

Die „Körperwelten“ locken in die Wiener Stadthalle zur außergewöhnlichen Leichenbeschau – wir haben erste Eindrücke!

Ganzkörperplastinate in Eislauf- oder Turnpositionen, Querschnitte durch ein Gehirn, Blutgefäße und Föten – seit 4. Oktober erwarten rund 200 Exponate die Besucherinnen und Besucher in der Wiener Stadthalle. Das Spektrum reicht dabei von Körperpartien, bei denen detailliert Muskeln, Knochen und Gewebe zu sehen sind, über Skelette mit Nervenbahnen bis zu einzeln präsentierten Organe und Geschlechtsteile. Die Funktionsweise des menschlichen Körpers soll damit verständlich gemacht werden.

„Was ich weiß, kann jeder wissen, mein Herz hab‘ ich allein.“ Goethes Zitat verweist auf den kleinen Schwerpunkt der aktuellen Ausstellung: das Herz. Daher wird besonders auf Funktionsweise und Störungen des menschlichen Motors eingegangen. Ans Herz gehen aber auch die zwanzig Ganzkörperexemplare, die in lebensnahen Situationen, etwa  präsentiert werden. Dadurch sollen die Besucherinnen und Besucher direkt angesprochen werden und eine Verbindung zu ihrem eigenen Körper herstellen. Die Gesundheit des Menschen und das Achten auf den eigenen Körper gelten als Ziele der Ausstellung. Deshalb werden etwa auch eine Raucherlunge oder Fettgewebe gezeigt, und die Begleittexte thematisieren dazu gesundheitliche Aspekte.

„Obwohl wir auf tote Körper schauen, geht es um das Leben“, so beschrieb Kuratorin Angelina Whalley in der Pressekonferenz zur Eröffnung die Ausstellung. Die lebensechte Präsentation ist dank des Plastinationsverfahrens, eine Erfindung von Gunther von Hagens, möglich. Dabei wird – vereinfacht gesagt – sämtliche Flüssigkeit im Körper durch Kunststoff ersetzt. Für einen ganzen Körper benötigt man durchschnittlich 1.500 Arbeitsstunden. Sämtliche Exponate stammen von freiwilligen Körperspendern, die selbst darüber entscheiden, ob Teile ihrer Körper ausgestellt werden dürfen. Ein respektvoller Umgang ist den Ausstellungsmachern wichtig und dieser zeigt sich auch im andächtigen Verhalten des Publikums.

Die Ausstellung ist noch bis 9. Februar 2020 im Studio F der Stadthalle zu sehen.