Machine Head & das „Burn My Eyes“-Jubiläum

Machine Head

Während Robb Flynn noch dabei ist, nach dem „Catharsis“-Desaster eine neue Besetzung zu rekrutieren, kündigt er für Herbst bereits ein Jubiläum an: Fast in Originalbesetzung feiern Machine Head den 25. Geburtstag des Debüts „Burn My Eyes“.

Machine HeadIn jüngster Vergangenheit glänzten die Oaklander Thrasher Machine Head bevorzugt mit Negativschlagzeilen: Ihr Letztling „Catharsis“ reihte sich mit Handkuss und Sauseschritt in die Riege jener Alben ein, die Bands später einmal unter den Teppich zu kehren trachten werden – irgendwo zwischen Kreators „Endorama“ und „Virtual XI“ von Iron Maiden. Zu belanglos, zu unausgegoren, zu langatmig geriet das Album, das bereits den nahenden Bruch des Bandgefüges zwischen den Zeilen andeutete, denn: Kurz nach Veröffentlichung musste Gründungsmitglied und Bandkopf Rob Flynn den Abgang gleich zweier langgedienter Mitstreiter – Gitarrist Phil Demmel und Schlagzeuger Dave McCain – verkraften. Es soll, so heißt es, starke „künstlerische Differenzen“ gegeben haben – ein Euphemismus dafür, dass man auch innerhalb der Band über die fehlenden Qualitäten von „Catharsis“ Bescheid wusste, oder ohne Umschweife: Dass man nach „The Burning Red“ (1999) und „Supercharger“ (2001) tatsächlich nochmals tiefer stapeln konnte. „Catharsis“ war schlichtweg der abscheulich möglichste Abortus des letzten Jahres, the thing that should not be.

Von fehlenden Qualitäten war dereinst, vor 25 Jahren, jedoch noch keine Spur: 1994 veröffentlichten Machine Head ihr Debüt „Burn My Eyes“ und krachten damit mit einem Urknall in jene Epoche hinein, in der der Thrash Metal gerade begann, sich selbstzufinden. Ja, selbst auf der folgenden Tour als Support mit Slayer (!) spielte man die Granden mit keckem Kichern beinahe tagtäglich mühelos an die Wand. Denn: Nicht nur auf der Platte selbst, sondern erst recht im Live-Umfeld arrangierten sich bei Machine Head mit Hardcore und Thrash Metal zwei ohnehin schon aggressive Bulldozer zu einem Destillat an Aggressivität, das wie Stephen Kings Cujo auf Blutsprudel allein aus war. „Blood For Blood“, so der Titel eines der Stücke, war hier tatsächlich Programm. Ihr größtes Geschick war es, stets zum richtigen Moment etwas an Tempo rauszunehmen, bei der donnernden Dampfwalze mit beiden Haxen auf die Bremse zu latschen, oder gar eine perfide, ins vermeintliche Wohl lockende Melodie einzubauen, bevor der mit reinem Testosteron intracordial hochgespritze Watschenaugust in blinder Gier erneut danach trachtete, die Botanik umzupflügen, dass hierauf kein Gänseblümchen mehr steht. Während der ungestüm bellende „echte Wiener“ Mundl Sackbauer Watschn mit zweiwöchentlicher Nachwirkung nur androht, war dieser juvenile Hundling einer, der sich mit lechzender Fleischeslust ins Muskelgewebe verbiss und seinen zuckend blökenden Riss in triefende Fetzen verhackstückelte. Ganz gleich ob das sägend-schleppende Gitarrenspiel vom Opener „Davidian“, das bedrohliche Donnergrollen von „Old“, der adipöse Bastard „None But My Own“, der in den letzten Atemzügen in spastische Zuckungen verfällt, oder – um nur noch ein weiteres Beispiel von vielen (allen) möglichen zu nennen – das hektische Grande Finale von „Block“: Ähnlich wie Pantera mit „Vulgar Display Of Power“ (1992) knapp vor ihnen und Slipknot mit „Iowa“ (2001) nach ihnen saß hier jeder Ton in absoluter Perfektion wie ein kleines, fieses Teufelchen auf der rechten Schulter und flößte mit gelblich blitzenden Zähnen gleich dem Rattenfänger von Hameln ein „Nur noch ein Eizerl mehr Hass!“ ein. Hass ist immerhin, um Udo Jürgens selig zu paraphrasieren, zumindest in der Musik das Blut der Erde: „Komm, schenk dir ein!“

Es ist, bei all der ungestümen Violenz, mit der „Burn My Eyes“ damals das Genre wachrüttelte und bis heute kein Eizerl an Dominanz verloren hat, nur naheliegend, dass Machine Head das 25-jährige Jubiläum ihres Machtwerkes zünftig begehen wollen – noch dazu beinahe komplett im damals verantwortlichen Line-Up mit Rob Flynn, der naturgemäß Gesang und Gitarre verantwortet, der Thrash-Marjorie Logan Mader an der zweiten Gitarre, Chris Kontos als schnaufende Dampflok hinter den Kesseln und – da der dereinstige Tieftöner Adam Duce minder gut auf Flynn zu sprechen ist – Machine Heads aktuellem Bassisten Jared MacEachern. Die Tour, die Anfang Oktober im deutschen Freiburg startet und ein Monat später in Dublin ihren Abschluss findet, macht freilich auch in Wien Stopp – am 16. Oktober in der Planet.tt Bank Austria Halle im Gasometer. Im dreistündigen Set werden hier die neueren Klassiker von „Imperium“ über „The Blood, The Sweat, The Tears“ bis „Halo“ in einer Besetzung, die gerade in Audition ist, dem „Burn My Eyes“-Block gar noch als Anheizer vorangestellt. Es ist zu vermuten, dass hierauf das ehemalige, revitalisierte Gaswerk einem Facelifting unterzogen werden muss, oder – nicht minder naheliegend – gleich den verdienten Gnadenschuss bekommt: Wenngleich man sowohl von Mader wie auch Kontos in den letzten Jahren nicht sonders laute oder deutliche Töne hörte, verspricht Flynn nach den ersten Proben nicht nur ein verklärtes Fluidum, sondern eine reanimierte Begierde. Niemals war der Schlachtruf „Kill ‚em all!“ so programmatisch – mögen die Hungerspiele beginnen!

Tickets sind ab Freitag, den 29. März um 11 Uhr bei oeticket.com erhältlich. Pro Show wird es zusätzlich 40 streng limitierte VIP-Packages geben:

Bronze: Exklusives Meet & Greet mit speziellem „Burn My Eyes“-T-Shirt (sonst nirgends erhältlich), exklusiver „Burn My Eyes“-Flagge, VIP-Laminat und Lanyard, Mini-Poster, u.v.m. (20 Stück)

Gold: Exklusiver Soundcheck, exklusives Meet & Greet mit speziellem „Burn My Eyes“-T-Shirt (sonst nirgends erhältlich), exklusiver „Burn My Eyes“-Flagge, VIP-Laminat und Lanyard, Mini-Poster, u.v.m. (19 Stück)

Platin: Auf der Bühne gespielte „Burn My Eyes“-Gitarre von Dean Guitars, unterschrieben von der Band, exklusiver Soundcheck, exklusives Meet & Greet mit speziellem „Burn My Eyes“-T-Shirt (sonst nirgends erhältlich), exklusiver „Burn My Eyes“-Flagge, VIP-Laminat und Lanyard, Mini-Poster, u.v.m. (1 Stück)