Manu Delago: „Möchte mit jeder Platte etwas Neues schaffen“

Der Tiroler Percussionist und Hang-Spieler legt mit seinem neuen Album „Circadian“ eine Hommage an den Schlaf vor, im Herbst geht er mit Ensemble auf Tour. Wir haben Manu Delago zum Gespräch gebeten.

© Pascal Triponez

Der Grammy-nominierte Perkussionist und Komponist Manu Delago ist zurück mit einem brandneuen Album und seiner bisher größten Liveshow. Circadian ist eine akustische Reise durch die verschiedenen Schlafzyklen, von REM über Leicht- und Tiefschaf bis zu einem abrupten Erwachen – inspiriert vom Schlafrhythmus des Menschen und Delagos persönlichem Schlafentzug während seiner zahlreichen internationalen Tourneen mit Stars wie Björk, Olafur Arnalds und Cinematic Orchestra. Wir haben den vielseitigen Musiker zum Gespräch gebeten und ihn zu seinem neuen Werk und der anstehenden Tour befragt.

Hallo Manu, heute erscheint den neues Album „Circadian“. Bist du zufrieden mit dem Ergebnis?

Manu Delago: Ich möchte mit jedem Album das Gefühl haben, dass ich damit für die Musikwelt etwas Neues geschaffen habe und nicht nur eine Wiederholung oder eine Kopie von etwas anderem. Ich denke, dass mir das mit „Circadian“ gelungen ist und bin darum sehr zufrieden mit dem Ergebnis.

Über Manu Delago

Manu Delago ist ein Hangspieler, Perkussionist und Komponist aus Innsbruck. Der 35-Jährige lebt und arbeitet in London und geht sowohl mit eigenem Ensemble als auch mit der isländischen Pop-Ikone Björk auf Tour.
Internationale Bekanntheit erlangte er durch seine Hang-Solo-Videos, die ab Ende der 2000er-Jahre in den Sozialen Medien viral gingen. Zuletzt veröffentlichte Delago den Film Parasol Peak (Live in the Alps), am 13. September 2019 erscheint das neue Album „Circadian“, das er im Rahmen einer ausgedehnten Tour live präsentieren wird.

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Was hat dich für deine Arbeit an dem neuen Album besonders beeinflusst?

Manu Delago: Ein großer Einfluss war das Vorgängeralbum Parasol Peak, das ja eigentlich ein Film ist. Ich und meine Mitmusiker haben die Musik damals in den luftigsten Höhen der Alpen aufgenommen. Da wir in den Bergen live aufgenommen haben, wo kein Strom zur Verfügung stand, waren wir erstmals ausschließlich auf echte Instrumente angewiesen und mussten ohne Electronics auskommen. Was mir dabei besonders gefallen hat: eine Art von Musik zu machen, die zwar von elektronischer Musik beeinflusst ist, aber nur von echten Instrumenten umgesetzt wird. Für die neue Platte „Circadian“ hab ich diese Idee schließlich weitergesponnen und diesmal noch mehr Instrumente und noch mehr Musiker eingebunden. Im Vergleich zu den Recordings für Parasol Peak waren die Aufnahmen für „Circadian“ aber um einiges leichter und unbeschwerter.

Bei „Circadian“ geht es um die verschiedenen Schlafzyklen des Menschen. Wie bist du auf diese Idee gekommen?

Manu Delago: Dieses Thema begleitete mich schon während der Jahre, in denen ich z.B. als Schlagzeuger mit Björk auf Tour war. Ich bin durch viele Länder und Zeitzonen gereist und hab bemerkt, dass Schlaf extrem wichtig für mich ist, um die Strapazen einer solchen Tour bewältigen zu können. Nachdem ich das Buch „Why We Sleep“ von Matthew Walker gelesen und mich immer mehr zu einem Schlaf-Fan entwickelt habe, beschloss ich, mit meinem neuen Album eine Art Liebeserklärung an den Schlaf auszusprechen. Ich habe es darum auch nach den verschiedenen Schlafzyklen herum aufgebaut: Es fängt am Abend an, wird dann langsamer mit einem Tiefschlaf-Stück in der Mitte und gegen Ende wird es hell und wacht wieder auf. Diesen Bogen musikalisch umzusetzen, war sehr spannend für mich. Vor allem ist Schlaf ja sehr individuell und da sehe ich eine große Verbindung zur Kunst, zur Musik.

Wie hat sich deine Musik auf dem neuen Album verändert?

Manu Delago: Es gibt auf jeden Fall mehr Raum und mehr Zeit, würde ich sagen. Die einzelnen Stücke sind länger und haben mehr Platz zum Atmen. Als Hörer hat man damit mehr Möglichkeit, einzutauchen und im Stück zu verweilen. Im Vergleich zu früheren Alben sind die Songs nun einfacher von der Struktur, aber um einiges facettenreicher im Klang.

Du tourst im Herbst durch Österreich, UK, Niederlande und Schweiz. In Innsbruck ist am 24. September die Weltpremiere deines neuen Programms. Wie laufen die Vorbereitungen?

Manu Delago: Ich und meine Mitmusiker, wir haben bereits im Juni mit den ersten Proben für die Tour begonnen und verbringen auch jetzt vor Tourstart noch einmal ein paar Tage im Proberaum. Musikalisch sind wir schon gut aufgestellt, für Licht und Visuals machen wir noch den letzten Feinschliff. Für mich als Bandleader ist es die bisher größte Tour, sowohl von der Zahl der Bandmitglieder als auch von der Anzahl und Größe der Locations. Ich und mein Ensemble, wir sind ready to go.

Worauf dürfen sich deine Fans bei den kommenden Konzerten freuen?

Manu Delago: Was ich gerne zeigen will, ist, dass ich stark an der musikalischen Entwicklung gearbeitet habe, am Sound, an der Komposition. Es gibt ein viel größeres Spektrum: von leiser, schöner, ruhiger Musik bis hin zu großen und lauten Beats. Es geht mir heute auch nicht mehr so sehr um mich als Einzelmusiker, sondern um das gesamte Ensemble, das mittlerweile aus neun Musikern besteht. Und schließlich werden auch Licht und Visuals bei der neuen Tour eine viel größere Rolle spielen.

So ein Musikerleben ist ja ziemlich stressig. Wie entspannst du eigentlich, wie schaltest du am besten ab?

Manu Delago: Für mich ist Sport die beste Entspannung. Im Sommer gehe ich am liebsten in die Berge. Wenn ich auf Tour bin oder in London, gehe ich so viel wie möglich Laufen und manchmal Klettern.

Abschlussfrage: Welche Top-3 stehen eigentlich gerade in deiner persönlichen Playlist?

Manu Delago (greift zum Smartphone): OK, das wären Brandt Brauer Frick – Rest, Colin Stetson and Sarah Neufeld – Never Were the Way She Was und von Meute – Versatile.

Danke für das Gesprächs und deine Musiktipps. Wir freuen uns auf das neue Album und auf deine anstehenden Konzerte!

Manu Delago

  • 24.09.2019 – Innsbruck, Treibhaus
  • 09.10.2019 – Dornbirn, Spielboden
  • 10.10.2019 – Graz, Dom im Berg
  • 11.10.2019 – Salzburg, ARGEkultur
  • 12.10.2019 – Wien, Wiener Konzerthaus
  • 13.10.2019 – Linz, Schauspielhaus

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