Manuel Rubey will nicht der ewige Falco-Kasperl sein

Manuel Rubey

Der Schauspieler, Sänger und Kabarettist Manuel Rubey feiert am 9. Jänner im Wiener Stadtsaal die Premiere seines ersten Solo-Programms „Goldfisch“.

Foto: Ingo Pertramer

Der Schauspieler, Sänger und Kabarettist Manuel Rubey, 40, feiert am 9. Jänner im Wiener Stadtsaal die Premiere seines ersten Solo-Programms „Goldfisch“. Vorab gewährt er dem oeticket.blog einen Einblick in seinen kreativen Schaffensprozess, spricht über die Unterschiede zwischen Film und Bühne und verrät, wie lustig ihn seine eigene Familie findet. Und Falco darf, trotz allem, natürlich irgendwie auch nicht fehlen.

Manuel, worum wird es in deinem Solo-Debüt „Goldfisch“ gehen?

Manuel Rubey: Es handelt sich um ein Katastrophenszenario meines Ichs. Die Grundidee ist: Ich bin alleine gelassen worden – von der Frau, den Kindern, dem Hund. Übriggeblieben sind nur mein Goldfisch und ich. Ich fand es hochgradig faszinierend, mit diesen Gedanken zu spielen.

Kabarettprogramme gehen erfahrungsgemäß eine große Entwicklung durch, bevor sie tatsächlich aufgeführt werden. Wie verwandt ist das Stück jetzt noch mit dem ersten Entwurf?

Manuel Rubey: Kaum noch. Natürlich, es geht inhaltlich von mir aus. Es ist wichtig, zu Beginn über etwas zu schreiben, bei dem man sich auskennt. Aber es war lange Zeit unklar, welche Form das Stück haben würde und es hat sich im Lauf der Entwicklung schon sehr verändert.

Wie lange hast du an diesem Programm für dich insgeheim schon gearbeitet, bevor du jemandem davon erzählt hast?

Manuel Rubey: Ich habe tatsächlich ein gutes Jahr lang daran geschrieben, ohne irgendwem davon zu erzählen. Erst dann habe ich engsten Vertrauten eine erste, in sich abgeschlossene Fassung übergeben. Das war ein wichtiger Gradmesser, denn es waren Menschen, die mir ihre Meinung ehrlich sagen. Und die will man ja hören, auch wenn man sie vielleicht lieber nicht hören will. Aber es war schön, denn es kam gleich gutes Feedback.

Wer sind diese engsten Vertrauten?

Manuel Rubey: Natürlich meine Frau Stefanie und ein guter Freund. Aber ich habe es auch gleich Andreas Fuderer, dem Direktor des Stadtsaals, gegeben. Der ist bekannt und gefürchtet dafür, Dinge beim Namen zu nennen.

Deine Frau ist Architektin und hat einen ebenso kreativen wie klaren Zugang zu gewissen Themen. Wie hat sie darauf reagiert, dass du auf der Bühne einige sehr private Dinge erzählen wirst?

Manuel Rubey: Sie ist sehr genau und sehr kritisch, sie ist aber auch sehr tolerant. Sie bekommt meinen Beruf ja seit 14 Jahren aus nächster Nähe mit und ist klug genug zu erkennen, dass sie sich damit irgendwie arrangieren muss. Ich habe ja nichts G’scheit’s gelernt. Diesmal war sie aber noch mehr involviert als sonst; sie ist die einzige, die praktisch jede Fassung gelesen und das Stück damit ein wenig mitbetreut hat. Natürlich gab es da und dort Streitpunkte, aber das war mehr aus geschmacklichen Kriterien heraus.

Wie gehst du mit ihrer Kritik um?

Manuel Rubey: Ich mag ihren Blick, weil sie nicht vom Fach ist, sich aber trotzdem sehr gut auskennt. Sie hat einen anderen, sehr klugen Zugang und das ist sehr bereichernd.

Findet sie dich lustig?

Manuel Rubey: Sie findet mich, glaube ich, so mittellustig (lacht).

Und eure Töchter? Ronja ist mittlerweile 13 und Luise 9 Jahre alt – wie finden die deinen Humor?

Manuel Rubey: Die Kinder finden einiges sehr lustig. Ich habe ihnen Teile des Stückes vorgelesen und die große Tochter hat sehr gelacht, das hat mich wirklich gefreut. Die Kleine hat es nicht ganz verstanden und mich gefragt, warum ich das überhaupt sage. Sie hat das eins zu eins für wahr und deshalb für gemein gehalten. Aber die Große hat mehrmals herzhaft gelacht. So eine Reaktion habe ich von meiner Frau nicht bekommen …

Zuletzt konntest du dich in zwei Programmen („Triest“, „Gott und Söhne“) an deinem Partner Thomas Stipsits anhalten, festhalten, abarbeiten …

Manuel Rubey: … ja, das alles stimmt.

… aber was glaubst du wie es sein wird, wenn du in deinem ersten Soloprogramm erstmals ganz alleine die Verantwortung trägst?

Manuel Rubey: Das weiß ich noch nicht. Aber genau das ist es auch, was es für mich so spannend macht – und was mir auch ein wenig Angst macht.

Diese Angst – ist die ein gutes Gefühl für einen Künstler?

Manuel Rubey: Bis zu einem gewissen Grad ist Angst super. Aber man muss sich auch vor Augen halten: Es hängt jetzt nicht so wahnsinnig viel dran am Erfolg so eines Stückes, auf keinen Fall geht es um Leben und Tod. Wobei …

Mehr, als dass deine Karriere den Bach runter geht und du auf einen anderen Beruf umschulen musst, kann ja nicht passieren.

Manuel Rubey: Stimmt, es kann alles vorbei sein (lacht).

In anderen Betätigungsfeldern, zum Beispiel im Extremsport, ist Angst ein guter Wegbegleiter und weiser Ratgeber. Diese Sportler sind immer bestmöglich vorbereitet, gleichzeitig lässt sich ein gewisses Restrisiko niemals ausschließen.

Manuel Rubey: Bestmöglich vorbereitet bin ich auch immer! Ich glaube, es war mein Kollege Klaus Eckel, der mir einmal gesagt hat: Du musst dich mit deinen eigenen Möglichkeiten vergleichen, nicht mit den Konkurrenten. Das ist für mich ein radikaler Satz, der mir andererseits aber die Angst auch wieder nimmt. Man kann ja nur das machen, was im eigenen Potenzial drinnen steckt. Und die Frage, was in einem drinnen steckt, kann man sich in letzter Konsequenz auch nur selbst beantworten.

Sprechen wir noch einmal über den Entstehungsprozess von „Goldfisch“: War das Schreiben für dich eher harte Arbeit oder ein lustvoller Prozess?

Manuel Rubey: Schreiben ist das Härteste, das ich innerhalb meiner Berufswelt kenne und eigentlich habe ich das notwendige Handwerk erst erlernen müssen. Vor allem ging es darum, die Disziplin zu entwickeln zu schreiben, auch wenn dir niemand sagt: Los, schreib jetzt bitte! Das hat ewig gedauert.

Wie hast du selbst diszipliniert?

Manuel Rubey: Ich habe mich Autoren und ihrem Zugang zu Arbeit beschäftigt. Nick Cave hat zum Beispiel einmal gesagt, dass er um 9 Uhr morgens ins Büro geht, um zu schreiben – und wenn er es nicht schafft, muss er sich selbst eine Entschuldigung ausstellen. Und Stephen King hat gesagt: Amateure warten darauf, dass sie die Muse küsst, Profis hingegen setzen sich hin und machen das Ding einfach fertig. Für mich hat das letztendlich dazu geführt, dass ich mit mir vereinbart habe, jeden Tag eine Stunde zu schreiben. Wirklich, eine ganz Stunde, egal, ob irgendetwas ansteht oder nicht.

Und das hat funktioniert?

Manuel Rubey: Ja. Ich habe mein Leben in den vergangenen zwei, drei Jahren dahingehend umgestellt, dass ich eine Stunde schreibe, eine Stunde lese und eine Stunde lerne. Unter Lernen verstehe ich alles, womit ich meinen Geist beschäftige, also zum Beispiel auch Gitarre spielen. Das ist machbar, das kriege ich auch an einem Drehtag unter.

Hörst du dann tatsächlich nach 60 Minuten zu schreiben auf?

Manuel Rubey: Beim Programm gab es eine Deadline, die ich einhalten musste. Aber ansonsten: Ja. Viele Menschen sagen ja, man soll zum Schreiben aufhören, wenn es gerade am Schönsten ist, weil man dann am nächsten Tag leichter wieder hineinfindet. Deshalb arbeite ich tatsächlich mit einer Zeituhr.

Aber schränkt das den Kreativprozess nicht auch unnötig ein?

Manuel Rubey: Erst durch diese Methode ist das Schreiben zum Genuss geworden, weil ich weiß: Ich habe mich ja selbst zu dieser Stunde verpflichtet – also mache ich es auch. Ich setzte mich oft hin und weiß gar nicht, was ich schreiben will. Aber durchs Tun wird es dann schon etwas.

Du bist ja nicht nur Kabarettist, sondern auch ein erfolgreicher Schauspieler. Macht es für dich vom Herzblut her einen Unterschied, ob du Fremdtexte in eine Kamera hinein spielst oder eigene Texte mit Leben erfüllst?

Manuel Rubey: Eigentlich nicht. Meine Vorbereitung und mein Zugang ist – auch wenn das ein abgedroschener Begriff ist -, dass ich Anwalt einer Figur bin. Ich muss diese Figur inhaliert haben, ich muss ihrer Meinung sein, um sie spielen zu können. Selbst wenn das irgendwelche grauslichen oder schwierige Typen sind: Ich schließe die schon irgendwie ins Herz und für die Zeit, in der ich sie spiele, würde ich sie auch verteidigen. Sonst könnte ich sie nicht glaubhaft spielen. Natürlich ist es eine andere Form von Hosenrunterlassen, wenn man den Text auch noch selbst geschrieben hat. Aber in letzter Konsequenz ist es eigentlich kein großer Unterschied.

Ist der Titel deines Kabaretts, „Goldfisch“, eigentlich eine Reminiszenz an Falco (Anm.: In dessen Klassiker „Ganz Wien“ diese Goldfisch‘ bekanntlich im U4 geigen) und damit an deine Hauptrolle in „Falco – Verdammt wir leben noch“?

Manuel Rubey: Kann sein, dass es das ist. Das Schöne am Schreiben ist, dass man bis zu einem gewissen Grad glaubt, alles kontrollieren zu können. Aber tatsächlich verselbständigt sich so eine Geschichte mit der Zeit, die Figuren diktieren dir, wie es weitergeht. Und das, finde ich, kann das Schreiben noch viel süchtiger machen als alles andere. Es birgt aber auch eine viel größere Gefahr, weil es deine Einsamkeit so sehr fördert. Insofern ist der Goldfisch vielleicht auch einfach passiert, vielleicht hat da ein Falco-Geist aus der Vergangenheit ein bisschen mitgeschrieben. Bewusst war dieser Zusammenhang sicher nicht, aber die Vorstellung einer Reminiszenz finde ich total okay.

Es gibt in „Goldfisch“ aber keinen direkten Falco-Bezug?

Manuel Rubey: Im Stück wirft mir meine Frau vor, dass ich Dinge zu sehr auf mich beziehe und diesen Gedanken denke ich auf der Bühne weiter: Ich behaupte, dass ich, weil ich 1992 in Mödling als erster Jugendlicher Nirvanas „Nevermind“-Album gekauft habe, den Grunge nach Europa gebracht habe. Und deshalb glaube ich auch, dass Falco ohne mich niemals diesen Erfolg gehabt hätte. Aber ganz im Ernst: In erster Linie bin ich wahnsinnig dankbar und demütig, dass ich diesen Film damals drehen durfte. Es war ein wahnsinniges Vergnügen.

Ist „Falco“ die Rolle, die dich in deiner Karriere am intensivsten begleitet?

Manuel Rubey: Auf jeden Fall. Ich habe damals aber eine intuitive Entscheidung getroffen, die ich konsequent eingehalten habe. Mit der letzten Klappe habe ich gesagt: „Das war’s, ich mache nie wieder etwas in diese Richtung“. Ich habe seither über 200 Anfragen bekommen und das hört bis heute nicht auf, egal, ob Werbespots, Gesprächsrunden zum Thema oder Mitternachtseinlagen bei Feuerwehrfesten. Ich habe nie wieder auch nur ein Falco-Lied gesungen und das war, glaube ich, eine sehr wichtige Entscheidung. Ich wollte einfach nicht der ewige Falco-Kasperl sein.

Wo liegen für dich die größten Unterschiede zwischen der Arbeit vor der Kamera, wo du Szenen notfalls so lange wiederholen kannst, bis sie wirklich sitzen und dem Kabarett, wo du ganz direkt mit deinem Publikum konfrontiert bist? Und wobei fühlst du dich wohler?

Manuel Rubey: Ich bin ganz froh darüber, dass ich mich nicht entscheiden muss. Denn es sind gerade diese zwei Aspekte, die meinen Beruf erst zu einem Ganzen machen. Denn obwohl es vermeintlich der selbe Beruf ist, haben diese beiden Dinge überhaupt nichts miteinander zu tun. Ich mag so Drehtage, wo man sich auf Kleinigkeiten einlässt, wo man zum Beispiel einen Blick immer wieder variiert – und abends habe ich dann eine Vorstellung auf der Kabarettbühne und weiß, dass ich mich total reinhauen und gehen lassen kann. Diese beiden Dinge ergänzen einander sehr gut. Das ist vielleicht vergleichbar mit Musikern, wo ja der Studio-Prozess und das Live-Spielen komplett unterschiedliche Aufgaben sind.

Große heimische Kabarettisten wie Josef Hader und Alfred Dorfer waren früher deine Vorbilder, mittlerweile hast du längst mit ihnen zusammengearbeitet – fühlst du dich ihnen bereits ebenbürtig?

Manuel Rubey: Ich finde es immer noch schräg, wenn ich  – wie vor kurzem – Alfred Dorfer auf einen Kaffee treffe oder wenn mein Telefon läutet und am Display steht „Josef Hader“. Das wird wohl immer irgendwie surreal bleiben, denn das sind Leute, die meine Pubertät geprägt haben. Gleichzeitig muss man diesen Gedanken aber auch irgendwann hinter sich lassen, sonst bleibt man nichts als ein anhimmelndes, stotterndes Wesen und kann auf der Bühne oder vor der Kamera nie zum Partner werden. Im gemeinsamen Arbeiten muss man das auf jeden Fall vergessen. Sobald ich mit dem Hader, dem Dorfer oder sonst wem spiele, denke ich darüber nicht mehr nach. Die Ehrfurcht kommt erst dann wieder, wenn man ein bisschen Abstand gewinnt.

Sprich man über Manuel Rubey, sagt man je nachdem, worum er gerade geht „der Schauspieler und Kabarettist“ oder „der Kabarettist und Sänger“ oder der „Kabarettist, Schauspieler und Sänger“ – als was nimmst du dich denn selbst in erster Linie wahr?

Manuel Rubey: Das ist eine Frage, über die ich nicht nachdenken möchte, weil sie sie mir selbst nicht stellt. Aber ich verstehe das Bedürfnis, Menschen, besonders Künstler, einzuordnen und finde das auch total legitim. Wenn ich mich entscheiden müsste, würde ich sagen, ich bin Schauspieler. Das ist, wo ich mich am sichersten fühle – aber das auch nicht immer. Aber ich würde all diese Schubladen am liebsten ignorieren.

Manuel Rubeys Solodebüt „Goldfisch“ premiert am 9. Jänner im Wiener Stadtsaal, es folgen Auftritte in ganz Österreich. Tickets gibt es auf oeticket.com!

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