Martin Kušej präsentiert erste Spielzeit

Mit Ulrich Rasche eröffnet das Burgtheater die neue Saison, Tobias Moretti und Birgit Minichmayr werden Teil des neuen Ensembles.

Das Burgtheater wird sich also fortan und endgültig nicht mehr als ‚teutsches Nationaltheater‘ begreifen, das nur in einer Zunge spricht und nur auf einem Ohr hört.

Mit diesem Zitat verweist das Burgtheater auf das Jahr 1776, als Joseph II. das Burgtheater, das damals noch gar nicht so hieß, zum „Teutschen Nationaltheater“ deklarierte – damit war vor alledem die Sprache gemeint, die auf der Bühne zu hören sein sollte.
243 Jahre später und unter der neuen Intendanz von Martin Kušej soll damit endgültig Schluss sein. Neue wie neu erfundene tauschen sich mit alten Sprachen aus, Grenzen sagt man „Tschüss“ und begrüßt stattdessen einen „Raum der Extreme“ – „extrem kontrovers, extrem vielgestaltig, extrem dringend, extrem zeitgenössisch, extrem laut, extrem leise, extrem österreichisch, extrem international.“

Konkret bedeutet das: RegisseurInnen aus 13 Ländern sind eingeladen, sich Stoffe auf ihre Art anzueignen und in ihren (Theater-) Sprachen den Spielplan der kommenden Saison zu gestalten. Viele von ihnen arbeiten erstmals am Burgtheater: Die Presse nennt als prominentesten Neuzugang den baldigen Intendanten des Wiener Volkstheaters, Kay Voges (vgl. Kay Voges übernimmt Volkstheater). Auch Ulrisch Rasche zählt zu den erstmals Inszenierenden. Bekannt dürften Nikolaus Habjan, Katie Mitchell und Simon Stone sein.

Wir finden ganz Europa, mehr sogar, mindestens die halbe Welt, in Wien – wir wollen das Haus noch mehr öffnen, als es bisher der Fall war – das Burgtheater soll ein Ort sein, an dem sich alle Wienerinnen und Wiener und die, die es im Begriff sind gerade zu werden, wiederfinden sollen. Das Burgtheater soll ein Raum sein für den lebendigen künstlerischen Austausch mit Denkweisen und Ausdrucksformen jenseits unserer inneren und äußeren Grenzen und Begrenzungen. Es wird ein Raum der Extreme sein – extrem kontrovers, extrem vielgestaltig, extrem dringend, extrem zeitgenössisch, extrem laut, extrem leise, extrem österreichisch, extrem international. In diesen Raum sind alle in dieser Gesellschaft eingeladen.

Martin Kušej

Ulrich Rasche eröffnet

Am Stückeplan der neuen Spielzeit steht für Vielsprachigkeit per se die Inszenierung von Wajdi Mouawads Vögel, prallen in dem Thriller gleich vier Sprachen aufeinander. Ensemblemitglied Itay Tiran eröffnet damit am 13. September im Akademietheater die Saison. Schon einen Tag davor startet mit Euripides Die Bakchen die Spielzeit im Burgtheater. Ulrich Rasche bringt den alten Stoff von aktueller Relevanz auf die Bühne, in dem die Verheißungen von Gemeinschaft, Identität, bedingungsloser Gefolgschaft einer von Regeln, Verwaltung und Gewaltmonopol geprägten Gesellschaft gegenübersteht.

Tobias Moretti und andere Neuzugänge

Dieses großartige und große Ensemble ist ein wesentlicher, wenn nicht sogar DER Grund, das ich hier arbeiten möchte – das gilt für mich als Regisseur und viel mehr noch als Direktor dieses Hauses!

Martin Kušej

Und im Ensemble so? Rund 30 neue Mitglieder kommen 19/20 ans Burgtheater, darunter Birgit Minichmayr, Tobias Moretti, Florian Teichtmeister (verlässt folglich das Theater in der Josefstadt), Reiner Galke, 14 DarstellerInnen vom Residenztheater und darüber hinaus weitere SchauspielerInnen aus Ungarn, Island, Israel und beispielsweise Luxemburg.

Spielplan im Überblick

Statt langer, subjektiver Schwärmereien zum vielversprechenden Spielplan unsererseits, finden Sie diesen nachstehend knackig dargestellt.

Euripides Die Bakchen (Regie: Ulrich Rasche)
Wajdi Mouawad Vögel (Regie: Itay Tiran)
Edward Albee Wer hat Angst vor Virginia Woolf (Regie: Martin Kušej)
Sally Potter The Party (Regie: Anne Lenk)
Dino Pesut Der (vor)letzte Panda oder Die Statik (Regie: Nicolas Charaux)
Johann Wolfgang von Goethe Faust (Regie: Martin Kušej)
Gesine Danckwart Theblondproject (Regie: Gesine Danckwart, Caroline Peters)
Tove Appelgren Thomas und Tryggve (Regie: Anja Sozilinski)
Michail Bulgakow Der Meister und Margarita (Regie: Ene-Liis Semper, Tiit Ojasoo)
Thorleifur Örn Arnarsson & Mikael Torfason Die Edda (Regie: Thorleifur Örn Arnarsson)
Nazis & Goldmund Kollektivsalon
Joel Horwood nach Ingo Berk & Mervyn Gillian Cross Wie versteckt man einen Elefanten? (Regie: Ingo Berk, Mervyn Millar)
Friedrich Schiller Don Karlos (Regie: Martin Kušej)
Kata Wéber, Kornel Mundruczó, nach Victorien Sardou Tosca (Regie: Kornél Mundruczo)
Heinrich von Kleist Die Hermannsschlacht (Regie: Martin Kušej)
Maria Lazar Der Henker (Regie Mateja Koleznik)
Paul Wallfisch, Kay Voges, Alexander Kerlin Dies Irae – Tag des Zorns (Regie: Kay Voges, Komposition: Paul Wallfisch)
Michael Frayn Der nackte Wahnsinn (Noises off) (Regie: Martin Kušej)
Dead Centre Die Traumdeutung von Sigmund Freud (Regie: Ben Kidd, Bush Moukarzel)
Heiner Müller Die Hamletmaschine (Regie: Oliver Friljic)
Europamaschine (kuratiert von Oliver Friljic, Srecko Horvat)
David Wnendt, Tina Müller Kriegerin (Regie: Anja Sozilinski)
Simon Stone nach Maxim Gorki Die Letzten (Regie: Simon Stone)
Nach William Shakespeare This is Venice (Othello & Der Kaufmann von Venedig) (Regie: Sebastian Nübling)
Franzobel nach Ladislav Fuks Der Leichenverbrenner (Regie: Nikolaus Habjan)
Roland Schimmelpfennig Der Zinnsoldat und die Papiertänzerin (Regie: Mia Constantine)
Mikael Torfason, Thorleifur Örn Arnarsson, nach Henrik Ibsen Peer Gynt (Regie: Thorleifur Örn Arnarsson)
Evan Placey Mädchen wie die (Regie: Mira Stadler)
Lies Pauwels Stadt der Affen (Regie: Lies Pauwels)
Anne-Cécile Vandalem Tristesses (Regie: Anne-Cécile Vandalem)
Premiere des Siegerstücks des Retzhofer Dramapreises 2019
Alice Birch 2020 oder das Ende (Regie: Katie Mitchell)

Rasch zum Ticketalarm anmelden und wir informieren Sie, sobald der Verkauf für die neue Spielzeit am Wiener Burgtheater startet!