Melissa Naschenweng: die Kärntner Schlager-Terminatrix

Melissa Naschenweng

Hinter Andreas Gabalier ist Melissa Naschenweng die heißeste Aktie im heimischen Schlager. Im Interview offenbart sie uns ihre Schattenseiten und erklärt ihre Definition von Feminismus. Zudem gibt sie einen Ausblick auf kommende Großtaten.

Was für Deutschland Andrea Berg oder Helene Fischer, das ist Melissa Naschenweng für Österreich: Mit ihrem kecken Schlager-Poprock verzeichnet die junge Kärntnerin mit der Lieblingsfarbe Rosa einen Erfolg nach dem anderen, egal ob auf der Bühne oder im Fernsehen. Nun hat sie sich auch noch dem Traktorführerschein gewidmet und mit uns über das heimische Frauenbild unterhalten.

Melissa, im Gegensatz zu vielen anderen scheint dir die Pandemie gutgetan zu haben. Dein Album „LederHosenRock“ eroberte im Herbst 2020 die Charts und du bist rundum gut gebucht …

Ich bin eine der Wenigen, die von Corona profitiert haben. Im ersten Monat habe ich daheim Energie aufgetankt, meinem Bruder die Haare geschnitten, bin mit dem Hund spazieren gegangen und habe gebacken und gekocht. Ein paar Konzerte gab es zwischendurch immer. Das Musikerleben ist kein leichtes und die Pause war dringend notwendig. Man singt nicht nur dreimal die Woche, sondern bedient Social-Media-Kanäle, gibt Interviews und soll dann im Fernsehen noch gut aussehen, wenn man völlig ausgelaugt ist.

Wie hält man es physisch und psychisch durch, wenn es mit Vollkaracho von Termin zu Termin geht?

Ein Jahr wie 2019 möchte ich nie wieder erleben. Da habe ich nur noch funktioniert. Nachträglich erkenne ich auf Fotos, wie schlimm ich aussah. Wenn 7.000 Leute wegen dir da sind, dann musst du liefern. Ich nehme vieles dafür in Kauf, was mir die Leute zurückgeben. 2019 habe ich nur in Discos und Festzelten gespielt. Da kann ich schlecht einen Salat und Suppe verlangen, wenn sie dir Würstel und Leberkäsesemmerl hinlegen. Das ist jetzt aber anders, ich lebe gesünder und bewege mich mehr.

Gibt es Dinge, die du mit den gewonnenen Erfahrungen so nicht mehr machen würdest?

Ich spiele nur mehr so viele Konzerte, wie es mein Körper zulässt. Im September 2019 hatte ich 19 Konzerte und war dazu noch zehn Tage im Tonstudio. Das war für mich als weibliches Wesen zu viel. Ein Mann schafft das vielleicht, ich mache das aber nie wieder.

Gab es Momente, wo du gemerkt hast, dass einfach gar nichts mehr geht?

Bei einer Autogrammstunde im Lavanttal hatte ich einen Kreislaufkollaps und brach zusammen. Ich bin mit meiner Songwriterin Anita Kollmann ins Auto gestiegen und verzweifelte völlig. Ich bräuchte nur einen Tag für mich, habe ich gesagt. Anita fuhr dann heim und schrieb um 5 Uhr morgens „Manchmal brauch ich’s still“. Ich bin auch nur ein Mensch und keine Maschine. Man muss selbst herausfinden, wie weit man gehen kann, sodass alle Beteiligten noch glücklich sind.

Erlaubt es dir die Entertainmentbranche überhaupt, dass du deine stillen Seiten nach außen kehrst?

Ich komme von ganz unten, mir wurde nichts geschenkt. Ich habe mich durch alle Discos gespielt, dort kannst du keine Balladen spielen. Da drehen sich sofort alle um und gehen zur Theke trinken. Meine Fans wissen alles von mir und das ist auch etwas Schönes. Man glaubt immer, man müsse perfekt sein, aber das stimmt nicht.

Du inszenierst dich auf Social Media sehr explizit und hast dort beachtliche Followerzahlen. Ist es nicht anstrengend, wenn man sich immer wieder neu präsentieren muss?

Mein kleiner Bruder Tobias macht die Fotos. Er kann das viel besser als meine Eltern und hat ein gutes Auge. Der kriegt schon die Krise, wenn er mich wieder fotografieren muss und meinte schon, ich sollte mir wen Professionellen suchen. Seitdem kriegt er etwas Taschengeld dafür (lacht).

Es ist kein Geheimnis, dass du sehr stark mit deiner Optik spielst. Ist das notwendig?

Ich bin das Madl vom Bauernhof, aber auch dort kann man mit einer kurzen Jeans und einem Top auf das Dorffest gehen. Ich war nie die Brave. Wenn ich mit 16 unterwegs war, hatte ich schon auch mal ein sehr kurzes Kleid an. Man muss ein Gespür dafür haben, es darf nur nicht zu billig sein.

Du bist offiziell Single und kokettierst damit. Würde es dem Erfolg schaden, wenn du vergeben wärst?

Andreas Gabalier und Helene Fischer hatten immer Beziehungen und es hat funktioniert. In diesem Bereich halte ich den Ball flach. Ich will den Fans das Gefühl geben, ich wäre noch erreichbar.

Du hast mit dem Song „Difigiano“ für Aufruhr gesorgt, deine Kollegin Hannah mit „Aussa mit die Depf“. Ist es für dich nachvollziehbar, dass Frauen sich über solche Songs schockiert zeigen?

Dem einen gefällt es, dem anderen nicht. Ich will es nicht jedem recht machen. Ich habe das nächste Album im Kopf und da ist vorerst nichts oben, was schockieren könnte. Ich entwickle mich weiter und werde erwachsener. Als Frau mit 40 würde ich „Difigiano“ nicht machen, das hätte keinen Stil.

Der Schlager transportiert kaum feministische Botschaften. Machst du dir darüber Gedanken oder ist dir das egal?

Würde ich mir über alles Gedanken machen, könnte ich mich nie wieder auf etwas konzentrieren. Wenn andere glauben, sie müssten über Feminismus diskutieren ist das okay. Das Schlagerpublikum reicht mir völlig und wie andere denken ist mir egal.

Was bedeutet Feminismus für dich persönlich?

Manche Frauen wollen häuslich sein, daran ist nichts falsch. In „Der Sensenmann“ frage ich, was wir Frauen ohne die Männer wären. Ein Mann ist das stärkere Geschlecht. Ich fühle mich sicherer, wenn mich ein Mann umarmt und nicht eine Frau. Einen Spruch wie „nur Frauen an die Macht“ halte ich für falsch. Ich würde die Hymne gleich singen wie Gabalier (lacht).

Wie gehst du mit der FLINTA*-Bewegung um?

Dieser Begriff ist bei mir im Lesachtal noch nicht einmal angekommen (lacht). Von mir aus kann alles so bleiben, wie es ist. Ich fange auch mit dem Gendern beim Schreiben nichts an.

Im Herbst kommt dann schon dein nächstes Album?

Es gibt das Sommer-Open-Air auf der Teichalm und das Winter-Open-Air am Nassfeld. Nächstes Jahr gehe ich auf „Bergbauern“-Tour, dort kommt eine neue Bühne regelmäßig zum Einsatz. Im Oktober spiele ich nach zwei Jahren endlich mit Helene Fischer und dann, irgendwann im Herbst, kommt das Album.

Melissa Naschenweng spielt ab Sommer wieder zahlreiche Open-Airs, darunter am 9. Juli das große Bergbauern Open-Air, am 10. Dezember das Nassfeld Open-Air. Alle Termine finden Sie auf oeticket.com.

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