Milky Chance sind nicht mondsüchtig

Milky Chance

Am 15. November veröffentlichen Milky Chance ihr neues Album „Mind the Moon“, im Februar gastiert der gefragte Pop-Export aus dem großen Nachbarland im Gasometer.

Foto: Anthony Molina

Aus dem Kinderzimmer in Kassel zur internationalen Karriere: Clemens Rehbein und Philipp Dausch haben geschafft, woran andere ein halbes Leben lang arbeiten; Gold- und Platinauszeichnungen rund um den Globus, ein Hype von Germany über die USA bis Down Under und internationale Tourneen. Mit „Mind the Moon“ erscheint jetzt das dritte Album des Duos Milky Chance, im Februar gibt’s einen Wien-Gig im Gasometer.

Bevor wir zum neuen, dritten Album – gemeinhin ein Gradmesser – kommen, aber noch ein Rückblick: „Stolen Dance“ – nur ein Song öffnete den beiden Musikern damals die Tür die zur Welt. Top-Platzierungen in den Charts, von einer #1 in Österreich bis zu Doppelplatin-Auszeichnungen in den USA und Australien. Das war 2013. Im darauffolgenden Jahr bekamen sie einen Echo, traten in allen legendären US-Late Night-Shows von Jimmy Fallon bis Jimmy Kimmel auf. Ausverkaufte Konzerte und Gigs bei renommierten Festivals wie dem Lollapalooza folgten nach dem Album-Debüt „Sadnecessary“. In der Tonart ging es mit dem zweiten Longplayer „Blossom“ weiter. Unter dem Strich schafften Milky Chance in nur fünf Jahren das, wofür andere ein halbes Musikerleben benötigen. Für das dritte Album „Mind the Moon“ wurden die Karten neu gemischt: Statt dem eigenen Label hat man bei einem internationalen Konzern einen Plattenvertrag unterschrieben, Songs entstehen nun im eigenen Studio statt im Kinderzimmer, und auch musikalische Gäste wie die australische Überfliegerin Tash Sultana und der Ladysmith Black Mambazo-Chor (seit Paul Simons „Granceland“ eine Legende) stellten sich ein. Grund genug für einen morgendlichen Plausch mit Milky Chance-Hälfte Clemens.

„Mind the Moon“ erscheint am 15. November.

Halb zehn Uhr vormittags in Deutschland. Ist das nicht eine untypische Arbeitszeit für Musiker? Ist das normal bei euch?

(lacht) Doch, doch. Jetzt gehen die Proben los, das ist genau unsere Zeit.

„Mind the Moon“ ist euer drittes Album. Nummer drei gilt als berühmt-berüchtigt, denn da entscheidet sich oft die Zukunft von Bands, die bereits mit ihrem Debüt erfolgreich waren. Gab es so etwas wie Angst, Erfolgsdruck?

Ne. Aber das erste Mal in der Bandgeschichte haben wir uns richtig Zeit genommen, eine Pause vom Touring gemacht und uns nur auf das Kreative fokussiert. Es war ziemlich schön das Album aufzunehmen, von Anfang bis zum Ende. Wir haben uns in dieser Zeit nicht sehr viele Gedanken darüber gemacht, wie das jetzt wird.

Die Angst vor dem dritten Album ist also bloß ein Mythos?

Ich weiß nicht. Wir hatten schon Gespräche darüber, dass für andere Künstler das dritte Album wie eine Kompassnadel ist – wo man sich genauer ausrichtet. Da ist man vom anfänglichen Hype schon weit weg, diese Welle ist schön langsam gestrandet und abgeflacht. Das Album kommt jetzt raus und man sieht, was damit passiert, wie es wirkt quasi. Während des Aufnehmens haben wir uns wirklich Zeit genommen. Generell war das alles sehr positiv.

Gibt es für den Titel „Mind the Moon“ eine tiefere Bedeutung? Bist du mondsüchtig?

Mondsüchtig … das ist ein sehr schönes Wort. Der Mond macht die Nacht schon vollkommen, irgendwie. Das sind immer die schönsten Nächte, wenn es einen intensiven Mond gibt. Es hat sehr lange gedauert,  bis wir einen Titel gefunden hatten. Das war eher unbewusst. Der Mond ist eine immer wiederkehrende Metapher in mehreren Song-Passagen, das ist uns aufgefallen. Dann war die letzte Aufnahme-Phase in Norwegen, in einem sehr schönen Studio ziemlich weit nördlich, direkt an der Küste. Das waren vielleicht drei Meter bis zum Meer. Egal, wo du auch hingeschaut hast, überall war das Meer, die Weite bis zum Horizont. Es war immer eine sehr magische, mystische Stimmung. Das hat das kreative Schreiben sehr erleichtert.

Du sitzt aber nicht bei Vollmond im Garten und heulst ihn an?

Ne (lacht). Ich schlafe! Ich schlafe auch bei Vollmond.

Mit „We Didn’t Make It to the Moon“ gibt es einen Songs mit direktem Bezug zum Mond. Frei nach dem Text: Ist es egal, ob die Amerikaner dort jemals gelandet sind?

Ein bisschen geht es auch darum. Die Inspiration zu dieser Lyric-Line hatten wir in London bei einer Taxifahrt. Von Anfang bis zum Ende hat uns der Taxifahrer von seinen Verschwörungstheorien erzählt. Das ging von den Freimaurern bis zu irgendwelchen jüdischen Gruppierungen. Irgendwie kam er dazu, dass es die Amerikaner ja nie bis zum Mond geschafft haben, dass die Mondlandung gefaked wurde. Er hat uns sechzig Minuten mit seinem Wissen von Google vollgelabert. Am Ende waren wir … hey, Alter, auch wenn irgendwas davon stimmt, was bringt es? Es war in dem Moment der völlige Overkill. Aber wir haben uns selbst gefragt, ob das denn wirklich so wichtig ist, ob wir es zum Mond geschafft haben oder nicht? Ist es nicht wichtiger, dass wir auf unserem Planeten vorankommen und aufhören, ihn kaputt zu machen? Das sind die Gedanken, die daraus entstanden sind.

Also eine versteckte politische Message, die man bei euren Song niemals vermuten würde?

Ja, da ist schon sowas mit drin.

Mit dem vorigen Album seid ihr in allen legendären Late Night-Shows in den USA aufgetreten. Wie fühlt man sich als Newcomer aus Deutschland genau dort live zu spielen, wo alle Megastars schon standen?

Damals war das sehr aufregend und eine Ehre. Es ist schon krass, wenn man in den Shows auftritt, die man von YouTube kennt. Manchmal war es auch sehr ernüchternd, weil es eben Fernsehen ist. Es ist inszeniert und alles läuft sehr professionell ab. Trotz allem war das megageil.

Gibt es jetzt die Erwartungshaltung das toppen zu müssen?

Das wäre geil und man wünscht sich das irgendwie, dass das wieder passiert und man das alles nochmal machen kann. Dass es vielleicht sogar größer wird. Den Hunger hat man mal mehr, mal weniger. In unseren Köpfen haben wir aber eine gesunde Distanz dazu. Wahrscheinlich wird man nie wieder einen Song wie „Stolen Dance“ schreiben. Das soll nicht pessimistisch klingen, sondern realistisch. Eine gesunde Distanz ist schon wichtig, sonst ist man schnell enttäuscht.

In eurer offiziellen Bio wird herausgestrichen, dass ihr nun zu richtigen Songwritern gereift seid. Ist das nur nett geschrieben, oder gab es merkliche Veränderungen?

Lass‘ mich kurz darüber nachdenken … Gereift ja, aber Songwriter waren wir davor auch schon. Vielleicht ist das ein bisschen unglücklich formuliert. Klar, ich würde aber schon sagen, dass sich bei den Songs vor allem lyrisch viel getan hat. Sie sind differenzierter. Es ist noch immer die gleiche Bildsprache, aber sie ist ausbalancierter. Man kommt näher an das heran, was man sich vorstellt. Da sind wir schon besser geworden.

Eure Titel werden als „fluffige Pop-Songs mit Tiefgang“ bezeichnet. D’accord?

Ja, das ist schon so, klingt witzig. Das ist diese Dualität die wir immer verfolgen, intuitiv. Die Themen sind schon selbstkritisch, moody, von den Lyrics her. Musikalisch ist es viel vorantreibend, uplifting und tanzbar. Das Zusammenwirken dieser zwei Welten ist immer sehr interessant und stimmig.

Wie kam es zu der Zusammenarbeit mit dem australischen Superstar Tash Sultana? Down Under ist ja nicht gerade um die Ecke.

Ne, leider nicht. Wir haben uns auf Tour kennengelernt, als wir in Australien waren, und im vergangenen Jahr haben wir in Südamerika zusammen bei den Lollapalooza-Festivals gespielt. Wir hatten da Zeit, zusammen abzuhängen und dann stand im Raum: Lass‘ uns doch gemeinsam was machen. Dann hatten wir das Demo zu dem einen Song („Daydreaming“, Anm.). Das schickten wir ihr rüber und sie fand es cool. Weil es halt nicht um die Ecke ist, sind wir vier Tage nach Melbourne gereist, um in ihrem Studio den Song aufzunehmen und fertig zu machen. War cool.

Wenn man sich die aktuellen Videos anschaut… Nehmt ihr gute Drogen?

(lacht) Ich trinke lieber einen guten Whiskey als einen schlechten. Ja, klar, ich weiß was du meinst, aber das ist alles ohne Drogen entstanden. Aber wir hatten Bock auf das Trippige. So kam das. Es ist auch ein bisschen Old School.

„Eden’s House“ scheint der emotionelle Höhepunkt des Albums zu sein.

Huh! Ja, auch, schon, klar, auf eine gewisse Art und Weise. Es ist auch die einzige Ballade…

Die Quoten-Ballade, die auf jedes Album muss?

Keine Ahnung (lacht). Es kam einfach so und hat am besten zu dem Song gepasst. Es ist schon etwas Spezielles, vor allem für uns. Ladysmith Black Mambazo, der südafrikanischer Chor der drauf ist, ist weltweit berühmt und spektakulär. Bei Paul Simons „Graceland“ waren die auch schon mit dabei. Philipp und ich kennen einander seit der Oberstufe und waren damals im Schulchor dabei. Wir haben damals ein, zwei Stücke von denen gesungen. Wir fanden das geil was die machen. Also war es wirklich so etwas wie ein kleiner Jugendtraum, mit denen etwas zusammen aufzunehmen. Das hat dann geklappt und es ist für uns auch ein kleiner emotioneller Höhepunkt.

Gemixt wurde „Mind the Moon“ von Rob Kinelski, der u. a. für Billie Eilish arbeitet. Macht das wirklich den Unterschied, wer an den Reglern sitzt, oder ist es bloß Namedropping?

Das macht wirklich einen Unterschied. Wir haben auch andere getestet, da werde ich aber keine Namen nennen. Wir haben uns von ein, zwei Songs Mixings eingeholt von unterschiedlichsten Menschen. Da hört man tatsächlich Unterschiede. Auch beim Mastering. Das ist sehr subtil, man nimmt es aber schon wahr. Mixing ist sehr zeitaufwändig. Teilweise geht da ein Song acht, zehn Mal hin und her bis er da ist, wo er sein soll. Das ist nochmals viel Arbeit, aber sehr wichtig.

Vom Songschreiben im Kinderzimmer über einen Echo nach nur zwei Jahren Bandgeschichte anno 2014: Für andere Künstler ist das ein halbes Lebenswerk. Hattet ihr so etwas wie einen Erfolgsblues?

Nicht wirklich. Das ist jetzt so wie … mal gucken. Beim zweiten Album war noch viel von dieser Hype-Welle mit drin. Von außen gesehen geht es ziemlich straight bergauf, aber natürlich gibt es hinter den Kulissen noch persönliche Geschichten, die wir eher als Blues bezeichnen würden. Wir haben uns ja von unserem alten Team getrennt, da gab es auch schon viel Blues und es gibt ihn immer wieder.

Im Februar kommt ihr live nach Wien. Ein besonderer Gig oder bloß ein weiteres Venue?

Wien ist auf jeden Fall ein sehr hübsches Städtchen. Man war jetzt auch schon ein paar Mal da, man hat ein, zwei Freunde die dort leben

Milky Chance gastieren am 28. Februar im Wiener Gasometer. Tickets gibt es bei oeticket.com.

Gewinnspiel

Wir verlosen das neue Album „Mind the Moon“ von Milky Chance 3 x auf CD und 1 x auf LP!

Vor- & Nachname*

E-Mail*

Straße, Haus-, Türnr.*

Postleitzahl*

Ort*

Land*

Wunschgewinn*

Nachricht an uns:

Sie möchten an unseren Verlosungen teilnehmen? Dann füllen Sie einfach das oben stehende Formular aus, Einsendeschluss ist am 11. November. Die Verlosung erfolgt unter Ausschluss des Rechtsweges. Die Teilnahme am Gewinnspiel ist nicht an den Erwerb des Magazins gebunden. Eine Weitergabe Ihrer persönlichen Daten an Dritte erfolgt nicht, sie werden zur Abwicklung des Gewinnspieles gespeichert – mehr Informationen dazu hier. Eine Barablöse des Gewinnes ist nicht möglich. Mitarbeiter der CTS Eventim Austria GmbH sind von der Teilnahme ausgeschlossen. Bitte notieren Sie im Feld „Wunschgewinn“ das Kennwort „Milky Chance“.