Mono & Nikitaman: Liebe gegen Hass

Mono Nikitaman

Die Hip-Hop-Dancehall-Band Mono & Nikitaman legt mit dem sechsten Studio-Album „Guten Morgen es brennt“ 13 brandneue Songs vor, die trotz dem inhaltlichen Gewicht kurzweilig sind, ohne dabei die Message zu verlieren.

Mono NikitamanDie politische Message ist bei Mono und Nikitaman unüberhörbar – und das soll so sein. Wer belanglose Texte zu belangloser Musik hören will, ist bei dem österreichisch-deutschen Duo falsch aufgehoben und eigentlich auch nicht gerne gesehen.

Gab es eine besondere Sternstunde, in der ihr Hip-Hop und Dancehall für euch entdeckt habt?

Nikitaman: Das ist losgelöst vom Kopf, es geht darum, welche Musik berührt mich denn? Ich hab‘ schon Punk-Konzerte gehabt, bei denen ich herrlich abgegangen bin. Als ich das erste Mal auf ein Soundsystem getroffen bin, wusste ich nicht mal wie man diese Musik nennt. Das war nur: „Wow, das holt mich richtig ab!“ Dubbige Bässe waren das damals, die ganze Dub-Musik, die ersten Raggamuffin-Sachen fand ich mega, mega geil. Natürlich auch „License to Ill“ von den Beastie Boys, die Platte hab‘ ich damals vom Freund meiner Schwester bekommen. Erstmal das Cover, so das Flugzeug das gegen die Wand fährt, und die Songs wie „Fight for Your Right to Party“ waren mega. Das gilt für Hip-Hop. Reggae-Dancehall hat mich tatsächlich mit Macka B abgeholt, mein Onkel war dort Soundengineer.

Mono: Ich hab’ in England studiert und in einem Reggae-Dancehall-Hip-Hop-Plattenladen gearbeitet. Immer wenn die kein Geld hatten, haben die mich mit Platten bezahlt. Da hab‘ ich viel gesammelt, viel aufgelegt. Ich hab‘ in St. Pauls gelebt, das ist ein jamaikanisches Viertel. Da gibt’s das St. Pauls Festival, drei Tage lang Party, jeder stellt die dickste Box vor die Tür und feiert. Das hat mich einfach umgehauen. Ich mag diese Off-Beat-Musik. Ich mag wenn es eiert, da kann ich tanzen!

Nikitaman: Mein Vater hatte alle Bob Marley- und Peter Tosh-Alben, und ich hab‘ angefangen die auf Kassetten aufzunehmen. Das war ziemlich früh… darüber hab‘ ich noch nie nachgedacht.

Der Titel eures neuen Albums, „Guten Morgen es brennt“ ist inhaltlich Programm?

Mono: Wir waren im Urlaub und haben überlegt wie wir es nennen sollen. Da haben wir einen Titel genommen, der uns malerisch sehr gefallen hat. Er malt ein Bild. Das hat eine Leichtigkeit und Energie gehabt. Und wir haben die aktuelle Situation wahrgenommen um etwas zu sagen. Wir können das Maul aufmachen weil wir Musiker sind. Der Titel steht dafür und passt perfekt.

Nikitaman: „Guten Morgen“ steht für den Neustart, das „es brennt“ ist die Umschreibung der politischen Situation. Aber auch wenn wir auf die Bühne gehen: „Guten Morgen es brennt“ jetzt geht’s los. Das hat eine mehrschichtige Bedeutung.

Ihr seid beide älter als vierzig Jahre. Hättet ihr euch mit zwanzig vorstellen können, dass die Welt heute politisch in diesem Zustand ist, dass es jemals wieder so weit kommen kann?

Mono: Das ist tatsächlich abgefahren. Ich hab‘ das schon ein paar Mal gesagt, dass ich mir als Jugendlicher nie vorstellen konnte, wie es zur Entstehung des Dritten Reichs hatte kommen können, wie Hitler an die Macht kommen konnte. Das war ein Rätsel für mich. Ich find‘ es abgefahren, dass man sich durch einen schleichenden Prozess dorthin bewegt. In der Art: „Das wird man doch sagen dürfen, oder? Und das noch und das auch noch.“ Mittlerweile werden aber Sachen gesagt, die man nicht sagen darf! Ne, das ist ausgrenzend, menschenverachtend und man sollte einfach die Fresse halten, wenn man sowas sagen möchte. Es ist total krass, dass wir in einer Zeit leben, in der man es sich wieder vorstellen kann, dass jemand die Macht ergreifen könnte, der ein Böser ist.

Nikitaman: Das ist nicht nur ein Thema für uns. Es gibt viele aktuelle Bands in Deutschland wie Antilopen Gang oder Feine Sahne Fischfilet, wo ein Bedürfnis da ist, sich politisch zu äußern. Wir haben das schon immer gemacht. Jetzt ist es noch viel mehr von Nöten das Maul aufzumachen, deshalb ist das Album auch wieder viel politischer geworden. Ich merk‘ schon das Bedürfnis bei allen Generationen zu sagen: „Hey, was geht denn da draußen, was passiert denn da gerade?“ Aktuell sind wieder 700 Rudolf Hess-Fanatiker durch Berlin marschiert. Das kann so nicht funktionieren!

Mono: Es werden Menschen gerettet und Leute verhaftet, die Menschenleben retten. Wo hätte man sich denn das je vorstellen können?

Nikitaman: Es ist absurd. Wenn beim Donauinselfest jemand in die Donau stürzt und du hilfst nicht, dann ist das unterlassene Hilfeleistung. Und wenn im Mittelmeer, wo wir alle Urlaub machen, jemand ertrinkt, dann soll das so sein und wir schauen halt weg. Das kann nicht funktionieren.

Im ersten Titel, „Leuchtfeuer“, geht es um Energie. Wie gut seid ihr beim Umgehen mit eurer Energie?

Mono: Wir sind in diesem Sommer energetisch sehr an unser Limit gegangen und ich find‘ es total geil. Ich hab‘ nicht das Gefühl, dass ich etwas zurückgehalten hab‘. Und ich will auch nix zurückhalten.

„Der aufrechte Gang“ ist ein sehr politischer Song. Ist „rechts“ bereits wieder salonfähig?

Nikitaman: Ich glaube, dass es das in sehr weiten Kreisen ist. Ich glaube aber auch, dass die rechten Stimmen, diese hasserfüllten Stimmen einfach viel lauter klingen als sie in der Menge sind. Das sind teilweise einfach Verirrungen. Für uns als Künstler ist es ganz klar zu sagen was man meint, für welche Rechte man einsteht. Wir sagen ganz klar, dass wir gegen jede Ausgrenzung sind, gegen Rassismus, gegen Faschismus, gegen Sexismus. Wir möchten nicht, dass Menschen aufgrund ihrer Herkunft, ihrer Religion, Hautfarbe, sexuellen Vorlieben verfolgt werden. Ich werde auch nicht aufhören das zu wiederholen. Das ist uns wichtig. Das ist uns auch bei Konzerten wichtig. Wer nur Musik hören will aber keine politischen Statements, der sollte einfach nicht zu unseren Konzerten kommen.

Mono: Wir sind für soziale Gerechtigkeit. Ich wünsche mir, dass wir daran arbeiten das Problem der Armut zu bekämpfen.

Nikitaman: Nehmen wir das Klientel, das gerne rechts wählt. Das sind ja oft Leute, die Angst vor sozialem Abstieg haben. Die Angst haben, Geld oder das Haus zu verlieren. Leute, die nicht superreich sind. Es werden aber national die großen Berühmtheiten verehrt, in Deutschland waren das Sportler wie Michael Schumacher oder Boris Becker. Das sind Menschen, die sich, kaum hatten sie ein paar Millionen verdient, in Monaco angemeldet und keine Steuern mehr bezahlt haben. Warum verehren wir diese Leute, an denen das Finanzamt Millionen verloren hat, und regen uns über Menschen auf, die vor Kriegen flüchten? Es gibt bestimmt viele Sachen über die man sich aufregen kann, aber sicher nicht über Menschen, die vor Bomben flüchten. Aber da sind schlaue Populisten am Werk. Ich würde mir wünschen, dass die Linke auch mal ein bisschen populistischer wird.

Mono: Es ist halt unsexy in die Politik zu gehen, deshalb machen wir es ja auch nicht. Ich würde mir aber wünschen, dass Menschen in die Politik gehen, die eine Ahnung davon haben.

Mono Nikitaman

„Guten Morgen es brennt“ erscheint am 24. August auf M&N Records im Vertrieb von Rough Trade.

Auf der Homepage wird das Thema Hass angesprochen. Was ist euer Gegenmittel?

Mono: Liebe. Hass bekommt derzeit sehr viel Platz in Social Media. Dafür wird auch viel Platz gemacht. Wenn jemand eine Hass-Mail schickt, ist die viel mehr wert als hundert nette Posts. Auch im Hip-Hop ist es immer laut und grell, wenn jemand Hass verbreitet. Es ist eine andere Stärke, wenn man den Gegenpol bilden möchte.

„Wir sind mehr“ ist die Lead-Single des Albums, gemeint ist, dass positive Kräfte überwiegen. Aber schweigen die meisten „wirs“ nicht?

Mono: Das denkt man manchmal. Dann redet man mit Menschen und kommt drauf: Du bist ja genauso wie ich. Man denkt immer, man wäre alleine mit seinem Bedürfnis dagegen zu sein. Weltweit gibt es mehr Revolution als man denkt.

Das Thema „Weed“ darf am Album nicht fehlen. Was denkt man mit der deutschen, liberaleren Sicht über das Vorhaben der österreichischen Regierung, härter gegen Kiffer vorzugehen?

Nikitaman: Ich hab‘ immer diesen Weinbauer und den Hanfbauer im Kopf. Rein hypothetisch könne es ja so sein, dass sich der Weinliebhaber sein Achterl Wein heimlich irgendwie beim Drogendealer im Park holen muss, währen die Kiffer im Beisl sitzen. Es hätte alles anders kommen können. Diese ganze Diskussion ist eine Farce, Hanf ist keine gefährliche Pflanze. Wir wollen das Thema gar nicht so groß machen. Ich rauch‘ ganz gerne meinen Feierabendjoint und werde mir das auch nicht verbieten lassen.

Mono: Ich glaube, dass es in Österreich nicht mehr sehr lange dauern wird. Es gibt eine Lobby, die Gras verkaufen will, es gibt eine Menge Kohle zu verdienen, es sind viele Steuern zu holen. Hallo?

Nikitaman: Wenn ein paar Politiker mal mitbekommen würden, wie viele Millionen und Millionen da rauszuholen sind… da bin ich ja fast schon wieder gegen die Legalisierung (lacht).

Es geht einmal auch um das Thema Pinkeln im Stehen. Jahrzehnte lang hat man Männer dazu erzogen im Sitzen zu pinkeln, und jetzt wollen Frauen im Stehen urinieren. Ist das nicht verkehrt?

Mono: Das Bild, das ich damit malen wollte ist: Es ist ja nicht so schwer, im Stehen zu pinkeln. Das kann ja jeder. Es ist ja auch nicht so schwer, so viel wert zu sein wie ein Mann. Man könnte das auch weiterziehen und sagen, dass Männer auch im Sitzen pinkeln können.

In „Dosenbier und Zaertlichkeit“ geht es um den Social Media-Wahnsinn. Seid aber nicht gerade ihr als Künstler dazu gezwungen, mit zu machen?

Mono: Definitiv, wir sind dabei.

Nikitaman: Das aktuelle Album ist das zweite, das auf unserem eigenen Label erscheint. Für Promotion ist Social Media irrsinnig wichtig geworden, ich persönlich kann ohne auskommen. Ich hab‘ keinen privaten Account. Ich würde auch nicht drauf kommen, Urlaubsfotos zu posten. Für uns als Band ist es interessant, diese Wege zu nutzen. Es verschwinden immer mehr Print-Magazine vom Markt, die großen Radiosender werden unter Major-Labels aufgeteilt. Wir als Independent müssen kleine Kanäle suchen, das sind die Social Media-Kanäle.

Mono: Das ist ja auch von uns losgelöst, es ist die Band Mono und Nikitaman, die wir da sind.

Mono, du bist ursprünglich aus Linz. Weshalb habt ihr Berlin und nicht Wien als Hauptquartier gewählt?

Mono: Ich mag‘ Berlin, es ist einfach so schön unfertig, ich hab‘ mir dort echt ein Zuhause gefunden. Total schön.

Nikitaman: Naja, ich als Piefke, was soll ich dazu sagen?

Trotzdem kommen Mono und Nikitaman gerne und immer wieder in die Alpenrepublik, ihr bisher letztes Wien-Konzert in der Arena war restlos ausverkauft. Dorthin kehren die beiden am 19. Jänner wieder zurück, tags davor gibt’s ein Konzert im Grazer ppc. Außerdem spielen Mono & Nikitaman am Ahoi! Pop Festival im Linzer Posthof (1. November) und am 2. November im Münchner Backstage. Tickets gibt es bei oeticket.com.

Der Beitrag gefällt dir? Jetzt teilen!