Musikalische Gratwanderung mit 5K HD

Diesen Freitag ist es soweit: Die heimische Avantgarde-Pop-Supergroup 5K HD veröffentlicht ihr zweites Album mit dem Titel „High Performer“. Wir haben uns mit der Band über die neue Platte und die anstehenden Konzerte unterhalten.  

Bild: Clemens Fantur

Mit dem neuen Album „High Performer“ wandert die Band 5K HD erneut auf dem schmalen Grat zwischen eingängigem Pop und experimenteller Musik. Sowohl musikalisch als auch textlich spielt die 5-Kopf-Kombo gekonnt mit vermeintlichen Gegensätzen und scheinbaren Widersprüchen, nimmt ihre Hörer mit auf eine Reise in ein neuartiges Klanguniversum und will dabei stets herausfordern, überraschen, aufwecken. Mit dem Albumtitel verweisen Mira Lu Kovacs und Band auf eine schnelllebige Industrie, wo dem „High Performer“, einem „Workaholic ohne die Symptome eines Workaholics“, die Welt zu Füßen liegt. Gesellschafts- und Kapitalismuskritik spielt für die Musiker dabei genauso eine große Rolle wie auch Ausflüge in die emotionalen Tiefen eines jeden Einzelnen von uns. Live erleben kann man 5K HD diesen Herbst in Salzburg, Innsbruck, Dornbirn, Wien, St. Pölten, Graz und Linz.   

Wir haben Mira Lu Kovacs (Vocals), Benny Omerzell (Keyboards), Manu Mayer (Bass) und Martin Eberle (Trompete) getroffen und mit ihnen über das neue Album und ihre anstehenden Konzerte gesprochen.

Ihr seid Vollblutmusiker, Soundtüftler, Visionäre. Wie ist es für euch, wenn ihr plötzlich über eure eigene Musik sprechen müsst?

Manu Mayr: Natürlich geht es beim Musikmachen zuerst einmal ums Musikmachen. Klar, man hat oft das Gefühl, dass man mit der Musik selbst eigentlich schon die Aussage getätigt hat. Gleichzeitig kann es manchmal schön sein, sich in Worten Gedanken darüber zu machen, was man da eigentlich musikalisch umsetzt.

Na dann machen wir mal: Wie gestaltete sich für euch die Arbeit an eurem Zweitwerk „High Performer“?

Manu Mayr: Es war ein viel längerer Prozess als beim ersten Album. Manche Ideen für Songs sind zum Beispiel bei Soundchecks vor unseren Konzerten entstanden. Der ganze Schaffensprozess für die Platte begann im Juli 2018 mit dem Komponieren und Schreiben der ersten Songs und endete im April 2019 mit dem Abschluss der Aufnahmen. Während wir das erste Album damals beinahe wie ein Live-Album eingespielt haben, wollten wir uns für das neue Album möglichst viel Zeit in der Produktion nehmen. Wir haben den Schaffensprozess also praktisch umgekehrt und konnten damit für jeden einzelnen Song ein eigenes Klanguniversum schaffen. Und das bringen wir jetzt live auf die Bühne.

 

Apropos Klanguniversum: Ihr setzt eure Instrumente oft so ein, dass dabei ein völlig neuartiger Klang entsteht. Was wie ein verrückter Synthesizer klingt, wird tatsächlich von einer Trompete gespielt. Wie geht das?

Martin Eberle: Wir haben bereits als Kompost3 schon immer intensiv nach neuen Sounds gesucht und Instrumente anders eingesetzt – das ist ein Ansatz aus dem Jazz, speziell aus dem Free Jazz. Uns geht es dabei vor allem darum, unsere eigene Stimme als Musiker, als Individuen zu finden und unseren eigenen Vorstellungen und soundästhetischen Ideen gerecht zu werden.

Die Lyrics in „High Performer“ lassen sich sowohl gesellschaftskritisch als auch individuell-emotional lesen. Zum Beispiel im Song „In, Out“: „There is enough room for both us, but I want all of it“.

Mira Lu Kovacs: Das stimmt. Ich begann bei fast jedem der neuen Song unbewusst einmal damit, eine Art Liebeslied zu schreiben – wenn auch nicht unbedingt an eine andere Person gerichtet. Und dann, in diesem stream of consciousness, wird mir klar, dass ich den Text genauso gut gesellschaftskritisch interpretieren kann – etwa dahingehend, wie wir Menschen unseren Planeten behandeln. Das ist ein Spagat, bei dem es um die Gleichzeitigkeit dieser Dinge geht: also sowohl darum, was eine kleinere Gemeinschaft ausmacht wie zum Beispiel die Beziehung zwischen zwei Menschen. Und gleichzeitig geht es dabei auch um einen kritischen Blick auf das große Ganze.

Auf eurem ersten Albumcover war ein Eisvogel zu sehen, nun ist darauf ein Windhund abgebildet. Wie kam es zu dieser Idee?

Benny Omerzell: Unser Künstler des Vertrauens, Schorsch Feierfeil, hat sich mit Mira auf die Suche nach einem Symbol für den Begriff „High Performer“ gemacht. Da standen zunächst einige Ideen im Raum, Zucker als Bild für Schnelligkeit und Energie zum Beispiel, oder auch Streichhölzer. Und dann sind die beiden auf den Afghanischen Windhund gestoßen, der als Schönheits- und Statussymbol diesen Begriff des „High Performers“ einfach perfekt widerspiegelt.

Seht ihr euch als junge Musiker eigentlich selbst als „High Performer“?

Mira Lu Kovacs: Das muss wohl ein wenig so sein. Ohne eine High Performance kann man in der Kreativbranche nur schwer bestehen. Aber ich finde, dass man das sehr wohl ständig hinterfragen sollte, und das wollen wir mit unserem Album auch tun. Aber weniger mit dem Fingerzeig, sondern mehr als Versuch der Auseinandersetzung. Und vielleicht klappt es ja doch irgendwann einmal, dieses System zu verändern.

Ihr seid auch international auf Tour und wart zuletzt etwa in Barcelona am Primavera Festival zu Gast. Wie prägt euch das, zumal als österreichische Band?

Mira Lu Kovacs: Also, viele unserer Lieblingsacts haben auch am Primavera Festival gespielt – Dirty Projectors, Princess Nokia, Janelle Monae. Da ist viel Raum für avantgardistischen Pop und das Unangepasste kommt hier gut an. Und tatsächlich haben wir für unseren Auftritt bei diesem Festival ein tolles Feedback bekommen. Ja, es hat einen großen Reiz, an Orten zu spielen, wo uns noch niemand im Publikum kennt und wir die Leute überraschen können. Aber wir freuen uns auch auf die Auftritte diesen Herbst in Österreich, wo wir schon ein Publikum haben, das uns kennt und Erwartungen hat. Und in der Arena Wien aufzutreten, fühlt sich für mich immer wie eine Art „Homecoming“ an.

Zum Abschluss: Welche Songs stehen in euren persönlichen Playlists gerade ganz oben?

Benny Omerzell: Also ich höre seit Wochen fast jeden Tag das neue Album von Thom Yorke, Anima.

Martin Eberle: Bon Iver und seit dem Primavera auch Kate Tempest. Eine gute Inspirationsquelle für die Band ist bei mir auch Radiohead.

Mira Lu Kovacs: Stimmt, Radiohead ist eine Religion – and I’m a believer. Was ich momentan gerne höre, ist die schwedische Musikerin Stina Nordenstam und ihr Cover von Purple Rain – wunderschön!

Manu Mayr (öffnet den Laptop, scrollt längere Zeit): Ja, da ist es: Fragment von Empty Set.

Danke für das Gespräch und eure Musiktipps. Wir freuen uns auf eure Österreich-Gigs im Herbst!

5K HD live in Österreich

  • 18.10.19 – Salzburg, Jazz & The City
  • 24.10.19 – Innsbruck, Treibhaus
  • 25.10.19 – Dornbirn, Spielboden
  • 29.10.19 – Wien, Arena
  • 30.10.19 – St. Pölten, Cinema Paradiso
  • 31.10.19 – Graz, Orpheum
  • 01.11.19 – Linz, Ahoi Pop Festival, Posthof

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