„Rammstein“: die ersten Reviews zum Album

Die ersten fachkundigen Meinungen sind da, das neue Album folgt diesen Freitag.

Ganze 9 Jahre, 5 Monate und 17 Tage mussten treue Anhänger der Berliner Rocker warten, diesen Freitag erscheint es endlich: das neue Album von Rammstein. Wir haben die ersten Reviews zur heiß erwarteten Scheibe mit traditionell elf Titeln für euch gesammelt.

Musikalisch ist auf dem Album sehr viel Rammstein-DNA zu hören. Die Riffs der Gitarristen Richard Kruspe und Paul Landers sind hart und eingängig, oft auch überraschend und häufig originell.

Kleine Zeitung, 14. Mai 2019

Makabre Triebtäterromantik findet sich auf dem neuen Album von Rammstein. Dazu aber auch eine gewisse Weltoffenheit abseits der Koketterie mit Deutschtümelei.

Die Presse, 14. Mai 2019

Auf dem neuen Album namens Rammstein haben sie ihre Palette (…) in kurzweiliger Art um Tanzmusikstile aus unterschiedlichen Epochen und Regionen erweitert, zum Beispiel um Kasatschok und Tropical House. Die Gitarren klingen verlässlich so klobig und abgehackt, als ob sie per Tastendruck aus einem Sampler abgerufen würden. Tatsächlich aber werden die Instrumente von lebenden Menschen bedient; schon darin zeigt sich der dialektische Ansatz, den diese Band seit einem Vierteljahrhundert verfolgt.

Die Zeit, 14. Mai 2019

Man kann im Gedröhne und Gemucke manchmal nuancierte Popreferenzen ausmachen, mal Kraftwerk, mal Anne Clark, mal Ostrock-Blues und Kraut (Weit weg), mal Metallica, mal Morricone. Am Ende aber bleibt die seit Bestehen in Urbesetzung spielende Band auch diesmal ihrer Formel treu: ein geiles bisschen Horrorshow.

SPIEGEL ONLINE, 14. Mai 2019

Hinzu kommen die mitunter banalen, aber eben sehr häufig überaus poetischen Texte von Sänger Till Lindemann: „So höre ich, was ich nicht seh‘, stille heimlich fernes Weh'“. Eine solche Aufspaltung eines einfachen Wortes wie Fernweh birgt rasch eine neue Bedeutungs- und Betonungsebene. Sonst selten zu hörende Wörter wie diese „Weh'“ oder auch „Liedgut“ oder „frönen“ bringen eine weitere Besonderheit Rammsteins in die Zeilen.

Kleine Zeitung, 14. Mai 2019

Puppe: verzweifelt und herausragend

Zeig Dich ist eine Abrechnung mit dem Teil des Klerus, dessen Vertreter sich „aus Versehen an Kindern vergehen“, alles stets „im Namen des Herren“. Ein weiterer starker Song ist Puppe. Text und Musik machen die sich steigernde Verzweiflung eines Jungen spürbar, der durch das Schlüsselloch beobachten muss, wie sich seine Schwester im Nachbarzimmer prostituiert und schließlich von einem ihrer zahlreichen Freier beim Akt ermordet wird.

Kleine Zeitung, 14. Mai 2019

Und hier, endlich, wird das neue Album hörenswert, und zwar außerordentlich. „Es geht mir nicht gut“, brüllt, nein: wehklagt Lindemann im brutalen, herausragenden Puppe, einer der besten Rammstein-Songs überhaupt.

Kurier, 14. Mai 2019

Ausländer überrascht

Die Überraschung ist der Song Ausländer. Der ist mitnichten AfD-Wahlkampf-tauglich, was nicht heißt, dass die das kapieren. Nein, Ausländer ist ein nachgerade pädagogisch wertvoller Beuschelreißer zum Thema Sprachferien und Austauschschüler – wer hätte das gedacht?

Der Standard (DE), 14. Mai 2019

Umso erfreulicher ist der Abwechslungsreichtum in musikalischer Hinsicht, den Rammstein hier darbieten. Das Stück Ausländer könnte mit seinem heiter sonnendurchfluteten Hüpf-Disco-Groove auch von Robin Schulz oder Felix Jaehn komponiert worden sein; und unter dem Refrain wimmeln ein paar lustige quietschende Schlumpfstimmen.

Die Zeit, 14. Mai 2019

Nostalgisch wird’s mit Radio

Da und dort bauen Rammstein sogar Liebliches ein. Etwa in Zeig dich, wo holde weibliche Chorgesänge erschallen. Oder auch in Radio, wo sich aus garstigen Riffs eine hübsche, schlagerhafte Melodie herauswurstelt und Lindemann jubiliert: „Radio, mein Radio, ich lass mich in den Äther saugen, meine Ohren werden Augen.“

Die Presse, 14. Mai 2019

Genau hingehört haben die in der DDR aufgewachsenen sechs Rammstein-Mitglieder für den Song Radio. Das Lied ist ein Schrei gegen Zensur und Unterdrückung: „Wir durften nicht dazugehören; nichts sehen, reden oder hören.“ Doch Musik kennt ebenso wie Gedanken „keine Grenzen, keine Zäune“.

Kleine Zeitung, 14. Mai 2019

Rammstein Singt für euch

Und in der Art und Weise, in der sich die Band mit dieser hypermaskulinen Reformulierung des Kosmopolitismus auf eine Position jenseits aller etablierten Debattenlinien begibt, könnte man tatsächlich einen Zugewinn an politischer Reflexionskraft erahnen. „Sing für mich / komm sing“, singt Till Lindemann im letzten Stück des Albums, Hallomann: „Sing für mich / komm sing / frag nicht nach dem Sinn“.

Die Zeit, 14. Mai 2019

Das neue Rammstein-Album erscheint diesen Freitag. Ab Ende Mai 2019 geht die Formation auf große Stadion-Tour und wird am 22. sowie am 23. August live im Wiener Ernst Happel Stadion für euch singen – beide Konzerttermine sind bereits ausverkauft.