Rebekka Bakken wird zum Vamp

Rebekka Bakken

Am 28. September erscheint das neue Studioalbum von Rebekka Bakken, „Things You Leave Behind“. Mit diesen neuen Songs, und natürlich ihren Klassikern, kommt sie im April für mehrere Termine nach Österreich!

Rebekka BakkenSo sexy und erotisch hat man die 48jährige Norwegerin noch nie gehört, die elf Songs auf „Things You Leave Behind“ sind beinahe allesamt akustischer Sex. Einen Track könnte man sogar mit dem Label „18+“ versehen. Das neue Album spiegelt die zahlreichen Veränderungen im Leben der grandiosen Sängerin wider: Der Umzug von New York ins heimatliche Norwegen, Todesfälle, neue Liebe und schließlich auch die Geburt ihres Sohnes. Zudem ist „Things You Leave Behind“ der beste Überbrückungssoundtrack bis zu den Bakken-Gigs im April. !ticket traf Rebekka Bakken bei einem Kurzaufenthalt in Wien.

Das neue Album klingt wie Sex nach Noten, es ist erotisch, beinahe verrucht. War das der Plan?

Rebekka Bakken: Mit dem Alter kommt die Sinnlichkeit, die kommt von Innen und nicht vom Zustand der Haut.

Aber ist es ein sehr sexuelles Album?

Rebekka Bakken: Diesen Begriff möchte ich nicht verwenden, denn dafür müsste ich meine Arbeit von außen betrachten. Da müssten wir darüber sprechen, was für dich sexy bedeutet. Für mich ist jedes lebendige Ding sexy. Vor Energie zu strotzen ist für mich sinnlich und sexuell. Aber es ist nicht das Sexy eines nackten Körpers gemeint. Wenn du das aber so siehst ist das völlig ok. Ich bin auf das Album auf jeden Fall sehr stolz.

In den vergangen Jahren hat sich dein Leben dramatisch verändert, du bist von New York zurück nach Norwegen gezogen, hast einen neuen Mann und ein Kind. Was davon hat dein Leben am meisten beeinflusst?

Rebekka Bakken: Dass ich jetzt nicht mehr Single bin. Früher konnte ich nur auf mich selbst hören und machen, was ich will. Das ist zwar heute auch noch so, aber ich muss schon mal in der Früh aufstehen und die Kinder versorgen, wenn mein Mann nicht zu Hause ist. Heute kann ich nicht mehr ganz so frei über meine Zeit entscheiden, ich habe jetzt eine große Familie. Ich habe jetzt drei Kinder, zwei davon sind meine Stiefkinder und meinen vierjährigen Sohn. Und ich hätte mir nie träumen lassen, dass ich wieder nach Norwegen zurückgehe. Das war eine große Veränderung, die Rückkehr zu meinen Wurzeln. Zudem ist mein Booking Agent gestorben, er war so etwas wie mein Rückgrat. Als Künstler kannst du zu so jemandem immer gehen, wenn du am Boden liegst und zweifelst, ob du je wieder ein Album machen wirst. Er war immer für mich da und auf einmal war er weg. Erst da habe ich erkannt, wie wichtig er wirklich für mich war.

Ist es nicht besser für ein Kind in Norwegen aufzuwachsen als in New York City?

Rebekka Bakken: New York ist großartig für Kids, fantastisch. Es gibt eine Menge Spielplätze, viele Inputs für Kinder. Ich bin selbst in Norwegen aufgewachsen und bin durch die Welt gezogen. Ich hatte zwar kein Geld, habe mich aber niemals arm gefühlt, denn das gibt es in meiner DNA nicht. In Norwegen lernen wir, dass wir nicht auf andere herabschauen. Es gibt keinen Geschlechterkampf. Es ist ein sehr gut funktionierendes Land, in dem jeder gleich viel wert ist. In Österreich muss ich da dann zu jemandem Herr Doktor Professor sagen. Auch das gibt es bei uns nicht.

Würdest du sagen, dass du künstlerisch immer mehr wagst je älter du wirst?

Rebekka Bakken: Ja, auf jeden Fall. Meine Fans haben mich immer bei allem unterstützt, sie haben meine Musik immer gemocht, solange sie aus meinem Inneren kommt. Das gab mir Rückhalt und Selbstvertrauen, das half mir auf dem Weg. Aber natürlich ist das ein gewagtes Album nach dem Motto „I don’t give a fuck anymore“. Und ich möchte mein Leben nicht damit verbringen, mich darum zu scheren. Ich war immer auf mich alleine gestellt, musste in mich hineinhören, was da so vorgeht und was meine Version von Wahrheit ist. Das einzige was ich habe, bin ich – und nur das kann ich als Künstler auch zeigen.

Der Titelsong „Things You Leave Behind“ klingt etwas nach einer sehr verzweifelten Frau …

Rebekka Bakken: Es ist eine verzweifelte Frau! Der Song entstand, als ich vor einigen Jahren wieder für einige Monate nach New York gezogen bin und auf einmal vieles anders war. Was, zum Teufel, passiert mit dieser Welt? Wird sie impotent? Da gab es keine Leidenschaft mehr, keine Tiefe. Männer trinken auf der Straße kein Bier mehr, sondern fuckin‘ grünen Tee. Keiner traut sich mehr etwas.

Naja, die #MeToo-Bewegung hat vor lauter Political Correctness Männer ja entmannt. Bald landest du bei jedem Flirt-Versuch vor dem Richter.

Rebekka Bakken: Naja, dann solltest du mal nach deinen Eiern schauen. Echte Männlichkeit kann doch durch #MeToo nicht gefährdet werden. Es kommt eigentlich ja immer nur auf die Intention an. Dieser Song ist aus der Verzweiflung heraus entstanden. Wo ist die Leidenschaft geblieben? Ich habe eine Lupe genommen und über all diese Dinge geschrieben, die ich normalerweise nicht angreifen würde.

Das heißt, du magst keine femininen Männer?

Rebekka Bakken: Es ist für mich nichts anziehender als ein Mann, der in sich ruht, der seine feminine Seite annimmt genauso wie die maskuline. Das geht Hand in Hand. Ein Mann, der weiß was er will, ist für mich attraktiv.

Rebekka BakkenMit „Time After Time“ hast du dich an einen übergroßen Song gewagt. War das nicht gefährlich, in die Fußstapfen von Miles Davies und Cyndi Lauper zu treten?

Rebekka Bakken: Klar, man hätte mich schlachten können, wenn ich diesen Titel singe. Aber das ist mir mittlerweile scheißegal. Ich habe „Time After Time“ immer wieder live gesungen und ein Fan hat mich gefragt, wann es das endlich auf Platte gibt. Am Ende der Sessions für das „Things You Leave Behind“ wollte ich es einfach einmal ausprobieren. Ich habe den Song nur einmal eingesungen und dachte eigentlich nicht, dass er auf das Album kommt.

„True North“ ist ein magischer Titel, der mehr an die norwegische Fee Rebekka erinnert als an den Vamp von heute. Eine kurze Rückkehr zu deinen musikalischen Wurzeln?

Rebekka Bakken: Genau das ist es. Auf jedem Album gibt es ein, zwei Liebeslieder. Dieses ist für meinen Vater, den ich immer sehr geliebt habe. Als er mir sagte, dass er bald sterben würde, entstand dieser Song. Mein Vater spielte eine große Rolle in meinem Gefühlsleben, es steckt so viel von ihm in meiner Musik. Das zu erfahren war tragisch für mich. „True North“ ist meine Art der Bewältigung und ein Versuch, ihn gehen zu lassen. Auch bei diesem Titel war ich nicht sicher, ob er überhaupt auf das Album gehört, aber die Jungs in meiner Band haben mich davon überzeugt. Ich musste dieses Kapitel einfach abschießen.

Singst du Guter Nacht-Lieder für deine Kinder?

Rebekka Bakken: Ja, obwohl ich nur sehr, sehr wenige Kinderlieder kenne. Am Anfang dachte ich, dass mich das zu einer Rabenmutter macht, aber anstatt welche zu lernen erfinde ich jetzt meine eigenen. Auch wenn mein vierjähriger Sohn singt, denkt er sich seine eigenen Melodien aus.

Vor allem wegen des letzten Tracks „Dance for You“ würde ich dem Album ein Rating von 18+ verpassen, also absolutes Jugendverbot.

Rebekka Bakken: (lacht) Das musst du entscheiden, es ist ein Song über ein Puff. Aber du hast natürlich völlig Recht. Ich bin vor kurzem in Norwegen durch einen Skulpturen-Park gegangen und überall waren diese nackten Frauen. Ich fragte mich selbst, weshalb Kunst immer so von Sexualität besessen ist. das habe ich nie verstanden. Jetzt ist da mein neues Album und da gibt es einige sexuellen Aspekte, die ich als Metapher verwende.

Als Metapher wofür genau?

Rebekka Bakken: (denkt lange nach) Für alle diese Jerks …

Als junge Sängerin wärst du mit einem derart deftigen Album aber nicht durchgekommen …

Rebekka Bakken: Ich verwende Sexualität als Stilmittel… ah, wow… darüber muss ich aber erst nachdenken. Daran hab‘ ich noch gar nicht gedacht. Ich scherzte aber schon immer gerne über Sex, das macht doch Spaß!

 

Rebekka Bakken spielt am 3. April im Grazer Orpheum, am 4. in Salzburg (Republic), am 5. im Wiener Museumsquartier (Halle E) und am 7. April im Linzer Posthof. Tickets gibt es bei oeticket.com!