Schauspielhaus Salzburg setzt 19/20 auf Gegenwartsliteratur

Auf die Eröffnung mit Daniel Kehlmann folgen in der kommenden Saison eine Weltpremiere von Michael Köhlmeier und eine gemeinsame Produktion mit dem „Festival der Regionen“.

Foto: Chris Rogl

Sprechtheater mit einer Balance aus klassischer wie moderner Dramatik und aus Komödie wie Tragödie: dafür steht das Schauspielhaus Salzburg. In der Spielzeit 19/20 legt das größte freie Ensembletheater Österreichs unter der Intendanz von Robert Pienz den Schwerpunkt auf zeitgenössische Literatur und die Förderung von österreichischen Autor*innen.

Narr Tyll eröffnet

Mit der Dramatisierung des Bestseller-Romans Tyll von Daniel Kehlmann wird die Spielzeit am 18. September im Saal eröffnet. Als erstes österreichisches Theater überhaupt zeigt das Schauspielhaus den Text über den berühmtesten Narren der deutschen Literatur. Mark St. Germains Beziehungskomödie Die Tanzstunde über zwei unterschiedliche Menschen, die auf witzige und unkonventionelle Weise zusammenfinden, begrüßt die neue Saison im Studio.

Köhlmeier folgt

Gleich nach der Eröffnung mit der österreichischen Erstaufführung von Kehlmann legt das Schauspielhaus mit der Uraufführung von Michael Köhlmeiers neuestem Theaterstück nach. Der Titel des Auftragswerks Lamm Gottes ist Programm, kreist die Koproduktion mit dem Theater Kosmos Bregenz um die Begriffe Leben + Sterben sowie das damit verbundene christliche Lamm-Gottes-Motiv. Eine zweite Koproduktion – dieses Mal mit dem oberösterreichischen „Festival der Regionen“ – bringt an einem Doppelabend zwei französische Texte auf die Bühne, die zurzeit für Furore sorgen. Gehard Wilert, langjähriger Schauspielchef am Landestheater Linz, ergänzt Édouard Louis‘ Erfolgstext Wer hat meinen Vater umgebracht mit Stéphanie Chaillous Der Vater und thematisiert damit die gesellschaftlichen Probleme Frankreichs, die sich gleichermaßen in ganz Europa breit machen. Eigens für junge Menschen produzieren das Schauspielhaus Salzburg und das Vorarlberger Landestheater das Jugendstück In 80 Tagen um die Welt.

Mehr Premieren und Autor*innenpflege

Max Claessen inszeniert Lars von Triers Dogville, das neueste Theaterstück von Wajdi Mouawad Vögel ist ab Februar 2020 zu sehen, diesjährige Weihnachtskomödie ist Moliéres Komödienklassiker Der Menschenfeind (Regie: Peter Raffalt) und zum Saisonabschluss gibt Regisseur Michael Schachermaier mit Fitzgeralds Der große Gatsby sein Debüt am Schauspielhaus Salzburg.

Mit Daniel Kehlmann, Michael Köhlmeier und überdies Stefan Vögel sowie dessen Komödie Die Niere fördert das Schauspielhaus auch in der kommenden Spielzeit österreichische Autor*innen. Dieser Unterstützung konkret als Mitglied der Theaterallianz kommt das Schauspielhaus ferner mit dem Autor*innenwettbewerb und der damit einhergehenden Bundesländertour des Siegerstücks nach. 2018 gewann übrigens Miroslava Svolikova mit ihrem Stück Der Sprecher und die Souffleuse den Preis.

In der Sparte Kinder- und Jugendtheater zeigt die Salzburger Stätte zu Schulbeginn Torbergs Der Schüler Gerber und Charles Dickens‘ Eine Weihnachtsgeschichte sowie Peter Blaikners Erfolgsmusical Ritter Kamenbert schließen an.

Als Ort für neue und unmittelbare Theaterformen in entspannter Atmosphäre wird die Sonderbar mit Der Briefwechsel zwischen Siegfried Unseld und Thomas Bernhard, einem Monolog über das Datingverhalten im Internetzeitalter als auch Loriots Dramatische Werke fortgeführt.

Unser Urteil: Das Schauspielhaus Salzburg hat erneut ein facettenreiches und mehr als ansprechendes Spielzeitprogramm auf die Bühne gestellt. Wir freuen uns und raten: rasch zum Ticketalarm anmelden, damit Sie den Saisonstart in Salzburg nicht verpassen!