„Silberberg“: poetischer Kraftakt als Open Air-Erlebnis

Silberregen und doch kein Segen? Felix Mitterer hat sich mit der brisanten Stadtgeschichte von Schwaz beschäftigt. Das Stück „Silberberg“ erfährt im Sommer 2019 seine Weltpremiere.

Anlässlich des Kaiser Maximilian-Jubiläumsjahrs 2019 (500. Todestag) hat Schwaz ein Theaterwerk in Auftrag gegeben. Niemand geringerer als Felix Mitterer hat ein Stück über die Silberära der Tiroler Bezirksstadt verfasst. Das Ergebnis ist ein Eintauchen in die Welt der Schwazer Knappen vor rund 500 Jahren, ein Erleben damaliger Arbeitsverhältnisse und gesellschaftlicher Verfalle; ein Erfahren von vergangenen und doch erschreckend gegenwärtigen Welten.

Es war höchste Zeit, dass ein Stück über den Silberberg gemacht wurde. Es wundert mich, dass mir niemand zuvorgekommen ist. (Felix Mitterer gegenüber der Tiroler Tageszeitung)

Das Volk kam zu kurz

Zu seiner Blütezeit um 1500 war Schwaz die größte Bergbaumetropole der damals bekannten Welt. Ganze 85 Prozent des weltweit produzierten Silbers kamen aus der Tiroler Stadt. Die Silberminen, und auch Kupfer, sorgten für Reichtum, Macht und Ansehen. Doch die Bevölkerung selbst profitierte davon wenig: Der ehrgeizige Geschäftsmann Jakob Fugger ergriff die Gelegenheit beim Schopf, schloss Kreditgeschäfte ab und besaß bald sämtliche Silberminen – zeitweilig hatte die Familie Fugger eine monopolartige Stellung auf dem europäischen Kupfermarkt. Fürst Ferdinand I. geriet bald unter Druck, doch er konnte seine Bevölkerung in einer Zeit des Aufruhrs (Reformations- und Bauernkriege, rare Lebensmittel) nicht unter Kontrolle halten – die Schwazer Knappen forderten ihre Freiheit ein.

Kluge Annäherung

Dem politische Weltgeschehen stellt Felix Mitterer in seinem Auftragswerk die tief emotionalen Konflikte des Knappenvolks gegenüber. Es geht weniger um Schwaz‘ Aufstieg und Niedergang als Silbermetropole, sondern um die Schicksale der Menschen rund um den Berg und die Verbindungen zur Gegenwart – entstammten viele der Knappen aus anderen Ländern und waren somit Migranten.

Die Anbindung an gegenwärtige Realitäten spiegelt sich in Markus Plattners kluger Annäherung aus historischer und moderner Inszenierung wieder. Harte Kontraste, berührende Figuren und poetische Bilder führt Plattner in temporeichem Szenenwechsel über eine technisch raffinierte Bühne von Karl-Heinz Steck. Mit eigenes für das Stück komponierten Klängen, (Christof Kammerlander), multimedialen Lichteinsätzen (Ralf Wapler) und Kostümen zwischen Historie und Fantasy (Silvia Fritz) garantiert Silberberg ein unvergessliches Theatererlebnis einer Zeit, in der die Silberstadt Schwaz zum Mittelpunkt Europas zählte.

GOOD TO KNOW: Regisseur Markus Plattner leitet seit bereits zwei Jahren Workshops für das Volksschauspiel. Menschen aus dem ganzen Bezirk, die teilweise noch nie auf der Bühne standen, machen mit. „So haben wir ein Fundament geschaffen. Durch die Leidenschaft und Begeisterung ist ein tolles Niveau entstanden. Das Stück wird von den Schauspielern gelebt“, erzählt der gebürtige Schwazer gegenüber der Tiroler Tageszeitung.

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