»Skandalregisseur« Calixto Bieito nimmt sich »Elias« an

Inszenatorische Grausamkeit und Sexualität zeichnen die Arbeiten von Calixto Bieito aus. Mit »Elias« inszeniert der Spanier erstmalig am Theater an der Wien. Premiere ist am 16. Februar.

EXPRESSIV GEWALTTÄTIG, ZUGESPITZT, BEWUSST SEXUALISIERT

1963 im spanischen Mirando de Ebro (Burgos) zur Welt gekommen, spielte Musik für Calixto Bieito bereits früh eine Rolle – die Mutter war Chorsängerin, der Bruder Musiker und er selbst Mitglied im Kinderchor der Jesuiten. Später profilierte Bieitos seine künstlerische Tätigkeit als Leiter des Teatre Romea in Barcelona (1999 bis 2011). Von 2010 bis 2012 realisierte er das Festival Internacional de las Artes de Castilla y León als auch das Barcelona Internacional Teatre (BIT). Mit »La verbena de la Paloma« (Tomás Bretón) für das Teatro Tivoli in Barcelona (1996) verwirklichte Calixto Bieito seine erste Arbeit im Bereich Musiktheater. Arnold Schönbergs »Pierrot Lunaire« am Teatre Lliure in Barcelona folgte nur zwei Jahre darauf.

Er gilt als radikale, als obsessive Skandalnudel der Oper. concerti

Auf William Shakespeares »Macbeth« bei den Salzburger Festspielen 2001 und Wolfgang Amadeus Mozarts »Don Giovanni« (Koproduktion Oper Hannover, ENO London und Liceu Barcelona, 2002) folgte eine heftig diskutierte wie skandalisierte Inszenierung von Mozarts »Die Entführung aus dem Serail« an der Komischen Oper Berlin im Jahr 2004. Gleichermaßen frenetisch bejubelt wie verdammt begründen diese Produktionen seinen Ruhm als einen der europaweit führenden Musiktheater- und Schauspielregisseure. Bieito schockiert mittels theatralischer »Visionen von Grausamkeit und Sexualität aus einem Geist der Gegenwärtigkeit. Es ist Calixto Bieitos Bildkraft und Direktheit, die das Publikum zum Kern der Stücke hinführt.« (werktreue.com)

AUSSENSEITER, ANDERSARTIGE, GESCHUNDENE KREATUREN. UND JETZT »ELIAS«

Bieito widmet sich gleichermaßen zeitgenössischen Produktionen wie sogenannten Außenseitern des Repertoires. Zu erwähnen sind Alois Zimmermanns einzig vollendete Oper »Die Soldaten«, »Wilde« von Hèctor Parra, Sergei Prokofjews »Der feurige Engel«, Franz Schrekers »Die Gezeichneten« und Aribert Reimanns »Lear«. Gleichermaßen hat er sich mit geistlichen Inhalten als auch Werken der konzertanten Musikliteratur befasst und genauso gehören ›wichtige‹ Werke des Repertoires zu seinen Arbeiten.

Außenseiter, Andersartige, geschundene Kreaturen am Rande der Gesellschaft sind es kaum zufällig immer wieder, denen Bieito tief in die Seele blickt. Bergs „Wozzeck“, Verdis „Otello“ oder Bizets „Carmen“ gewann er so ganz neue Facetten ab. concerti

2009 zeichnete die Baseler Kulturstiftung Pro Europa den Spanier mit dem Europäischen Kulturpreis aus und 2012 erhielt er den italienischen Franco Abbiati Preis. Darauf folgte 2014 die Premios Líricos Campoamor. Seit 2017 ist der 55-Jährige Künstlerischer Leiter des Teatro Arriaga in Bilbao.

Mit Felix Mendelssohn Bartholdys Elias inszeniert die »Skandalnudel« diesen Februar erstmalig am Theater an der Wien. Ebenfalls feiert der renommierte finnische Dirigent Jukka-Pekka Saraste mit dem Oratorium sein Debüt an der Wien, Rebecca Ringst (Bühne) komplettiert das Leading-Team dieser mit Spannung erwarteten Produktion. Das Starensemble auf der Bühne führt Christian Gerhaher (Elias) und Maria Bengtsson (Die Witwe) an. Darüber hinaus sind Maximilian Schmitt als Obadjah, Michael J. Scott als Ahab, Ann-Beth Solvang als Königin sowie Kai Rüütel als Engel zu hören. Das ORF Radio-Symphonieorchester Wien spielt, die zentrale Funktion des Chors übernimmt auf bewährte Weise der Arnold Schoenberg Chor (Leitung Erwin Ortner).

Quelle: werktreue.com