Sommer in Wien heißt: Theater im Park

Theater im Park

Am 1. Juli eröffnen Michael Niavarani und Georg Hoanzl von der gleichnamigen Agentur nach dem GLOBE ihr zweites gemeinsames Projekt: das Theater im Park, malerisch zwischen Belvedere und Schwarzenbergplatz gelegen.

Georg Hoanzl und Michael Niavarani vor ihrer bald „unsichtbaren“ Bühne

In Kooperation mit der Fürstlich Schwarzenberg’schen Familienstiftung eröffnen Michael Niavarani und Georg Hoanzl – die bekanntlich bereits das Erdberger GLOBE betreiben – am 1. Juli im Privatgarten des Palais Schwarzenberg mit dem Theater im Park eine nicht nur gigantische, sondern vor allem auch malerische Wiener Freiluftbühne. Das Publikum darf sich den ganzen Sommer über auf viele Stars aus dem Kabarett, dem Theater und verschiedenen Musiksparten freuen. Der rund zwei Hektar große Privatpark erlaubt ein unbesorgtes Theatererlebnis im Grünen: Zwischen zwei mächtigen Platanen wurde eine temporäre transparente Freiluftbühne aufgebaut. Vis-à-vis von der Bühne befindet sich eine barocke Grotte, wo schon vor Jahrhunderten ein Freilufttheater geplant war, damals in der Vorstadt, nun im Herzen Wiens.

Wir haben Ende Juni die Begehung genutzt, zuerst mit Georg Hoanzl über die aktuelle Situation, im Anschluss mit Michael Niavarani über seinen ureigenen Blickwinkel auf die Krise zu plaudern – ganz lauschig mit Sicherheitsabstand zwischen Platanen.

Georg, als vor mittlerweile über drei Monaten der Shutdown auch dein Geschäft vorübergehend ausgesetzt hat: Was waren da die ersten Gedanken, die dir durch den Kopf schossen?

Was ich mir damals genau gedacht habe, weiß ich tatsächlich nicht mehr. Was ich aber noch weiß: In der Woche saß ich donnerstags hier oben im Stöckl im Park und habe mir den Garten angeschaut und mir gedacht: Wenn wir indoor nicht spielen dürfen, wäre der Garten doch eine Möglichkeit. Bereits als wir 2017 das Globe wegen des Brandes schließen musste, haben wir nach einer alternativen Spielstätte gesucht und uns damals überlegt, ob man hier nicht ein Zelt aufstellen könnte – aber das darf man nicht. So ist die Idee jetzt wieder aufgekeimt und als absehbar war, dass indoor tatsächlich noch länger schwierig sein wird, haben wir uns mit der Stiftung Schwarzenberg in Verbindung gesetzt.

Corona hat also den Startschuss für das Theater im Park gegeben und wäre ohne Pandemie nicht passiert?

(lacht) Genau. Ohne Corona hätten der Nia und ich uns das – unter Anführungszeichen – nicht angetan.

Ist es also tatsächlich ein temporäres Projekt oder, wenn man schon mal dabei ist auch durchaus auf lange Sicht zu sehen?

Wenn es gut geht – und danach sieht es erstmal aus – ist es schon geplant, das Theater im Park auch nächstes Jahr wieder zu ermöglichen.

Wie kam die Zusammenarbeit mit der Stiftung zustande?

Ein Freund von mir, der Wolfgang Bergmann – Geschäftsführer vom Belvedere, ehemals von der Tageszeitung Der Standard – hat mir den Tipp gegeben. Die Stiftung hat vorne beim Schwarzenbergplatz ein riesiges Gelände und damals ist die Parkgarage gebaut worden. Da kam dann die Überlegung auf, das zuvor angesprochene Zelt aufzustellen, was eben nicht möglich war. Aber über den damaligen Kontakt ist uns dann dieser schöne Garten zugespielt worden. Das sind zwei Hektar englischer Naturgarten, ein ehemaliger Barockgarten. Hier unter den Platanen zu sitzen hat schon was: Wir sitzen gerade mitten in der Stadt, fünf Gehminuten vom Ring, aber es wirkt, als wären wir im Wald.

Die Bühne ist auch transparent harmonisch in die Umgebung eingefügt. Mir fällt auf, dass du bei deinen eigenen Projekten – hier, im Globe und auch im Kabarett Separee – nicht nur den Künstler, sondern auch die Örtlichkeit selbst in den Fokus rückst.

Ich bin baff, dass dir das auffällt, weil ich finde, man beachtet viel zu wenig, wie das Rundherum den Künstler stützt. Damit der Künstler seine Kraft, seine Wirkung, seine Gedankenwelt entfalten kann ist die Poesie des Räumlichen ganz, ganz wichtig. Das fängt bei simplen Vorgängen wie, dass die Besucher beim Einlass keinen Stress haben an, und hört eben beim Drumherum auf.

Wir sind übrigens die ersten, die jetzt vor der Bühne sitzen können – die Sessel sind erst vor wenigen Minuten aufgestellt worden – und wenn du jetzt hinter dich schaust: Die historische Grotte wird ganz zart beleuchtet werden und die Bühne wird am Abend durch das Scheinwerferlicht schimmern. Wir haben auch hinter der Bühne extra keine Aufbauten, damit nichts Störendes im Blickfeld ist. Und nicht zu guter Letzt haben wir für die Bühnenkante und Absperrungen schattierte Planen anfertigen lassen, damit alle Aufbauten beinahe im Park „verschwinden“.

Aus Linz kommt dann noch ein ganzer LKW voll mit lebenden Pflanzen. Die werden dann vom Eingangsbereich über den Toiletten- bis hin zum Barbereich harmonisch in die Parklandschaft integriert. Weil: Du brauchst hier natürlich trotzdem Orientierungspunkte und Abgrenzungen, aber die werden bei uns alle gestaltet. Uns war wichtig, dass das Projekt Theater im Park ein organisches Ganzes wird. Unsere Luster sind übrigens die 200-jährigen Platanen neben der Bühne: nicht beleuchtet durch Scheinwerfer, sondern vom Licht der untergehenden Sonne – wir haben also nicht nur Österreichs größtes Theater, sondern auch die höchsten Luster (lacht).

Es ist nicht nur das größte Theater Österreichs, sondern auch das sicherste: Die Sitzreihen – oder eher Blöcke – stehen weiter auseinander als gesetzlich erforderlich. Wir haben jedoch unterschiedliche Blöcke, bestehend aus wenigen einzelnen Sitzen, 2er-, 3er- und 4er-Gruppen. Woher kommt diese Verteilung und wie flexibel ist diese?

Wir führen dank oeticket seit Jahren eine Statistik, aus der wir ableiten können, wie sich unsere Besucher zusammensetzen. Und wir verkaufen auch nur an geschlossene Gruppen, es wird also niemand irgendwo „dazu gesetzt“. Außerdem haben wir zur Reihe davor immer anderthalb Meter Abstand, also eine um 50 Prozent höhere Sicherheitsdistanz als in einem Lokal. Und zwischen jedem dieser Blöcke kommt dann noch ein Tisch für Getränke.

Wie kommt man zu seinen Getränken?

Die kann man entweder vorbestellen oder spontan je nach Lust und Laune bei der Bar holen.

Was mir positiv aufgefallen ist: Ich hätte nicht gedacht, dass die Kartenpreise nach Monaten des Stillstandes derart moderat bleiben können. Ich habe schon befürchtet, dass hier der eine oder andere Euro „eingeholt“ werden muss.

Eigentlich müsste aufgrund der Beschränkungen der Kartenpreis um etwa 30 Prozent steigen – denn die Produktionskosten sind deswegen ja nicht geringer. Andererseits hat aber jeder Mensch klarerweise ein bestimmtes, verfügbares Freizeitbudget. Zwischen diesen beiden Spektren der Finanzierbarkeit muss ich als Veranstalter wählen. Es kann auch sein, dass die Preise zwar gleichbleiben, hinkünftig sich aber das Angebot reduziert. Aber auch das wäre im Enddefekt für den Besucher schade. Ich sage einmal so: Wir werden das schon irgendwie hinkriegen.

Neben der räumlichen Sicherheit bietest du auch eine finanzielle: Sollte es zu Absagen kommen, bekommt der Kunde in jedem Fall sein Geld und keinen Gutschein retour. Was bedeutet das für dich als Verantwortungsträger?

Es ist ein deutlich höheres Risiko. Wir haben zu Vorverkaufsstart vorletzte Woche das große Fragezeichen gehabt, ob zurzeit überhaupt jemand Karten kaufen wird. In wenigen Stunden haben wir dann über 15.000 Karten verkauft – ein derartiger Erfolg war jedoch nicht absehbar. Jetzt haben wir „nur“ noch das Risiko, dass wir tatsächlich auch jede Vorstellung spielen können, denn: es wird keine Ersatztermine geben, weil wir an jedem Tag Programm haben. Es ist also ein großes unternehmerisches Risiko, wenn wir versprechen, dass im Fall des Falles der Kunde den Ticketpreis samt aller Spesen zurückerstattet bekäme. Aber: Ein Unternehmer ist erst ein Unternehmer, wenn er etwas unternimmt, und das macht mir grad sehr viel Spaß. Und ich muss dir ganz ehrlich sagen: Ich habe mich selten in meinem Leben so sehr gefreut, wie auf dieses Projekt. Das Risiko ist es mir also wert.

Deine Agentur hat aber freilich nicht nur das Theater im Park am Schirm, sondern auch das Globe und zahlreiche Künstler-Tourneen, die durch ganz Österreich führen sollen. Was wird da passieren?

Wir warten immer noch auf konkrete Verordnungen und müssen auch weiterhin die medizinischen Entwicklungen im Blickwinkel haben. Eigentlich planen wir mindestens ein Jahr im Voraus, manchmal sogar zwei Jahre. Aktuell müssen wir Planungsannahmen machen. Wenn wir Pech haben, erfahren wir dann wenige Wochen oder gar nur wenige Tage zuvor, dass diese Planungen so nicht standhalten können. Da hoffe ich, dass es eine Ausfallsversicherung geben wird, wenn da oder dort lokal und zeitlich begrenzt Rückschritte zu machen sind. Ansonsten ist das Risiko, mit dem wir aktuell arbeiten, unzumutbar. Ich sehe da ein großes Verständnis und auch einen Rückhalt in der Wirtschaftskammer, ich sehe auch, dass es im Finanzministerium verstanden wird: Immerhin hat unsere Branche zum Schutz aller Österreicher Gewaltiges beigetragen. Wir sind eine Branche, die nicht nur sechs Wochen, sondern bald sechs Monate zu ist. Das mitzutragen braucht ein unternehmerisches Grundvertrauen, eine gewisse Substanz der Firmen, aber so einer Branche, die so spezifisch für die Allgemeinheit das Risiko minimiert, steht es auch zu, dass der Staat im Notfall einspringt. Ich und alle meine Kollegen in der Branche sind Privatunternehmer, die natürlich gerne ein Risiko tragen, aber keine Versicherung springt bei einer Pandemie ein – da muss der Staat uns Sicherheiten geben.

Die Gutscheinlösung war also ein Schritt in die richtige Richtung?

Es hätte bessere Lösungen gegeben, aber es war eine Maßnahme, die in vielen europäischen Staaten genutzt wurde, um eine gewisse Liquidität in der Branche zu halten. Dass es nichts anderes als eine Stundung ist, müssen wir uns aber auch bewusst sein: Denn irgendwann müssen wir die Leistungen nachholen. Es ist aber auch dringend notwendig, dass uns wirtschaftliche Programme über die Krise hinwegbringen, um nach der Krise eine gleich bunte, lebendige und nicht wegzudenkende Kulturlandschaft aufrecht zu erhalten.

Die Bundesregierung spricht gerne vom Unwort der „neuen Normalität“. Es ist mehr als offensichtlich geworden, dass wir aus dieser nicht in eine alte Normalität zurückkehren können, weil diese gerade in der Kulturbranche prekär war. Spielen wir Wunschkonzert: Was wünscht du dir?

Es gibt einen Herzenswunsch: ein solidarisches Miteinander. Man hat in der Krise gesehen, dass Menschen für andere Menschen einkaufen gegangen sind. Man hat gesehen, dass sich Menschen zum Schutz von älteren oder anfälligeren Menschen wirtschaftlich beschränken. Das ist ein Akt der Solidarität, den es so in der Menschheitsgeschichte nicht gegeben hat. Ich wünsche mir, dass wir diesen Wert der Solidarität beibehalten. Einhergehend damit, dass Menschen wie etwa im Supermarkt oder im Krankenhaus auch eine würdige Bezahlung erhalten. Ich denke, es ist wichtig, dass wir diesen Wert in eine Diskussion der Neubewertung von einem gesellschaftlichen Miteinander mitführen – auch über nationale Grenzen hinaus.

Die Kultur muss ihren Anteil beitragen, diese existenziellen Ideen in ihrer Abstraktheit zu formulieren und zu forcieren, bevor die Wissenschaft nachgreift und die Politik samt ihrer Wähler umsetzt. An diese transformative Hoffnung glaube ich.

Aber fühlst du von Seiten der Bundesregierung tatsächlich ein Wertverständnis für das, was die Kultur für die Gesellschaft leistet: Nämlich Ideen und Werte zu transportieren, und nicht nur Kasperltheater zu veranstalten?

Für all die, die sich nicht im Angestelltenverhältnis befinden, waren etwaige Schutzschirme jedenfalls zu dürftig. Da waren es letztlich wieder die Künstler, die es am besten versprachlicht haben, wo es krankt. Natürlich, ein Verständnis zu erarbeiten ist komplex, hier ist definitiv ein Versäumnis passiert. Aber: Wir sind vom Gesundheits- bis hin zum Sozialsystem eines der führenden Länder. Dieser jahrelange Aufbau hat uns jetzt auch zum Vorteil gereicht.

Kabarettist und Hausherr Michael Niavarani im abgelegenen Backstage im Gespräch mit !ticket-Chefredakteur Stefan Baumgartner

Herr Niavarani, wie haben Sie Corona durchlebt: persönlich wie künstlerisch?

Eigentlich sehr ruhig. Es war ein Versuch des Ausbalancierens der Situation, dass man Angst hat und sich sorgt – um einen selbst, um die eigene Gesundheit, aber auch die Gesundheit von anderen, etwa meiner Mutter, um meine Angestellten und natürlich die Kolleginnen und Kollegen, die anrufen und sagen: „Du, die Monate, wo ich Engagements hätte, sind weg – ich kann die Miete nicht zahlen.“ Aber auch eben ein Ausbalancieren mit dieser herrlichen Ruhe, dieses wunderbare Ereignis, dass man nicht herumfliegt in der Weltgeschichte und die Schönheit der Stadt, wenn keine Menschen sich draußen aufhalten. Es gibt ein Lied von Georg Kreisler, „Wie schön wäre Wien ohne Wiener“. Das ist kurz Wirklichkeit geworden. Ich habe es als sehr positiv empfunden, nicht hektisch einem Termin nach dem anderen hinterher zu jagen. Wir sehen und wissen ja, dass so ein Leben unsere psychische Gesundheit gefährdet und unseren Lebensraum kaputtmacht. Ich glaube, vieles, das wir sonst so tun, müssten wir gar nicht tun, weil wir es nicht brauchen. Der Satz von mir: „Erstaunlich, dass die Wirtschaft zusammenbricht, wenn wir uns nur kaufen, was wir wirklich brauchen.“ ist tatsächlich ernst gemeint. Ich wurde dann von Leuten kritisiert, die sagten: „Aber trotzdem, mein Geschäft wird eingehen und ich in Konkurs.“ Das ist natürlich traurig, das ist richtig. Aber summa summarum muss man sagen, es ist ein trauriges Zeichen für unsere Lebensweise, dass das Leben nur funktioniert, wenn wir uns ständig Sachen kaufen, die wir nicht brauchen. Es ist jetzt ein guter Punkt, mit dem Nachdenken anzufangen.

Sie sehen in der Krise also durchaus Positives.

Es gibt diesen blöden Spruch: „Jede Krise ist eine Chance.“ Aber wie jedes Klischee hat auch dieser Spruch einen Grund und eine Ursache – ich glaube, dass es im Lauf der Geschichte der Mensch immer wieder geschafft hat, aus den schlimmsten Katastrophen zu lernen. Durch Katastrophen wurde das Verhalten geändert. Wir stehen aber jetzt zum ersten Mal durch die Klimaveränderung vor dem Problem, dass wir nach der Katastrophe nichts mehr umdrehen können, weil es uns dann nicht mehr gibt – oder zumindest nicht in dem Ausmaß. Wenn es diesmal schaffbar wäre, knapp vor der Katastrophe zu reagieren, dann hat die Menschheit viel gewonnen.

Das klingt jetzt vielleicht pathetisch und überpatriotisch, aber da kann man sich an Österreich ein Vorbild nehmen. Weil wir, die österreichische Regierung und die Bevölkerung, haben gewissermaßen bereits vor der nahenden Katastrophe reagiert. Wir haben sehr früh sehr drastische Maßnahmen eingeführt und auch tatsächlich mitgetragen. Wenn wir uns jetzt anschauen, wie Österreich im Vergleich zu anderen Staaten in dieser Krise dasteht, dann haben wir sehr viel richtig gemacht. Da kann man also zu denken anfangen, dass es vielleicht doch einen Sinn hat, wenn man generell bereits vor einer Katastrophe bremst – auch wenn man glaubt, man hätte noch Spielraum.

Sie sind also prinzipiell zufrieden mit der Arbeit der Bundesregierung, speziell was ihre Beschäftigung mit der Kulturbranche betrifft?

Die Hilfestellungen für die gesamte Branche sind ja noch nicht abgeschlossen, da muss noch viel kommen. Der große Kritikpunkt ist aber der – und das ist natürlich eine Unterstellung –, dass die Bürokratie, die man vergessen hat, aus dem Weg zu räumen – oder vielleicht bewusst beibehalten hat – verhindert, dass Menschen geholfen wird. Ich höre von vielen Leuten, dass es eh super ist, dass es all die Unterstützungen gibt, nur haben sie entweder nichts oder zu wenig bekommen.

Es ist aber natürlich auch einfacher, alles erst einmal zu stoppen als wieder zu starten. Gleichzeitig muss ich aber auch sagen: Ich werde immer als Regierungssprecher tituliert, man muss sie aber doch auch verteidigen. Sie haben viel gearbeitet, sie sind sehr erschöpft, sie tragen viel Verantwortung – und da passieren natürlich Fehler, das hat Rudolf Anschober auch hie und da eingesehen, allein Sebastian Kurz hat freilich gar keine Fehler gemacht. Bis zu Woche 10 hat die Regierung denke ich tatsächlich auch so gut wie alles richtig gemacht, aber jetzt wird es kompliziert und haarig. Jetzt ist definitiv mehr an Flexibilität und Einsicht gefragt.

Sie haben vorher die Ruhe angesprochen, die Sie geschätzt haben und auch halten möchten. Untätig waren sie aber trotzdem nicht: Neben dem neuen Theater im Park hatten Sie auch Ihren Corona-Podcast. Ist der Plan, die verstärkte Online-Präsenz auch aus der Krise mitzunehmen?

Ja. Klaus Eckel möchte jetzt erst einmal Urlaub machen, und Omar Sarsam würde gerne jeden Tag einen machen – mir ist es, wie so oft, ein bisserl wurscht (lacht). Wir werden es aber auf jeden Fall – vermutlich nach einer Sommerpause – weiterführen, weil wir an der Sache und an uns untereinander eine große Freude haben. Die ersten fünf, sechs Wochen war es wirklich wie ein Rettungsanker für uns: Immerhin haben wir so jede Woche jemanden gehabt, mit dem wir reden und scherzen konnten. Es hat seelisch einfach gutgetan, das zu machen. Wie und in welcher Form wir das jetzt weiterführen, wird sich weisen.

Es heißt, während der ersten Wochen des Lockdowns haben die Menschen angefangen, wie irre Brot zu backen oder sich eine Säuferleber heranzuzüchten. Haben auch Sie abstruse Hobbys entwickelt?

Nein. Die Krise verstärkt nur Charaktere, habe ich bemerkt. Die Leute, die mir zuvor auf die Nerven gingen, sind mir nun noch mehr auf die Nerven gegangen, die Leute, die ich lustig finde, waren noch lustiger – und ich bin noch müder, noch fauler geworden. Meine Frau ist vor lauter Couchliegen meinerseits schon wahnsinnig geworden, dabei habe ich ja nur das befolgt, was uns angeordnet wurde. Sie hat immer gemeint: „Schatz, geh doch wenigstens im Prater spazieren“ – und ich dann: „Nein, da steck‘ ich mich nur an!“

Wir sind noch lange nicht über den Berg, aber trotzdem müssen die Häuser und ihre Intendanten natürlich langsam an die Herbstsaison denken. Sie haben für Ihr Kabarett Simpl angekündigt, in der neuen Revue den Witz – inspiriert von der Alkofahrt von Frau Bierlein und dem Kokskonkurrenzvideo von Philippa Strache – „Wirklichkeit werden zu lassen“. Hand aufs Herz: Wird es für Sie, als Kabarettist, Jahr für Jahr schwieriger oder leichter, für eine amüsante Verklärung der Realität zu sorgen?

Ich glaube, nicht einmal die Staatskünstler hätten sich getraut, einen Sketch zu machen, in dem Philippa Stache bei Falcos „Mutter, der Mann mit dem Koks ist da“ vorkommt. Diesen Mut, aber auch diese Fantasie hätte niemand von uns gehabt! Es ist auch ein bisserl billig – aber die Wirklichkeit überholt uns mit Witzen, die sehr flach und banal sind. Bis jetzt zumindest, ich bin neugierig, was noch alles passiert. Die alten Römer haben noch versucht, aus den Eingeweiden der Tiere die Zukunft zu lesen, ich habe mir jetzt ein Witzbuch gekauft und versuche es mit Hilfe dessen, weil Witze eben augenscheinlich Wahrheit werden. Aber um auf die Frage zurückzukommen: Ich glaube, es wird weder leichter noch schwerer, es hält sich die Waage. Schwieriger war es vielleicht im 30-jährigen-Krieg, während sich die Katholiken und Evangelen umbrachten, Witze zu erzählen.

Haben Sie, so aufgelegt die Frage für einen Ihres Berufsstammes auch sein mag, einen aktuellen Lieblingswitz?

Mein Lieblingswitz seit der zweiten Woche in der Corona-Krise ist: „Wenn das alles vorbei ist, gönne ich mir einmal ein paar ruhige Tage zuhause.“

Bei der Eröffnung am 1. Juli werden die Hausherren Michael Niavarani und Georg Hoanzl durch einige Programmpunkte führen, die einen ersten Einblick in die inhaltliche Breite und Vielfalt von Theater im Park ermöglichen. Im Anschluss freuen wir uns über den Sommer hinweg auf Abende von und mit Klaus Eckel, Michael Niavarani & Omar Sarsam * Florian Teichtmeister, Franz Bartolomey & Christoph Traxler * Die Simpl Revue * Michael Niavarani * Sandra Cervik & Herbert Föttinger * Maria Happel & Sona MacDonald mit Dirk Nocker, Philipp Jagschitz und Milos Todorovski * Viktor Gernot * Omar Sarsam * Erwin Steinhauer & klezmer reloaded extended * Christian Altenburger, Franz Bartolomey, Thomas Selditz & Jasminka Stancul * Ernst Molden & Der Nino aus Wien * Christoph Fritz * Michael Mittermeier * Maria Happel, Matthias Bartolomey & Helmut Deutsch * Gernot Kulis * Alex Kristan * Gery Seidl * Thomas Stipsits * Camilla Nylund & Helmut Deutsch * Torsten Sträter * Dieter Nuhr * Martina Schwarzmann (to be continued).

Theater im Park – Die neue Wiener Freiluftbühne

Ab Juli 2020
Im Schwarzenberggarten am Belvedere

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