Son Of The Velvet Rat: Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft

Son Of The Velvet Rat

Son Of The Velvet Rat melden sich am 6. März mit der Werkschau „Monkey Years #2“ und der Neuauflage des erfolgreichen Vorgängers zurück: Grund genug für einen Blick zurück und nach vorn.

Foto: Marija Kanizaj

Unter dem Banner Son Of The Velvet Rat sorgt der Grazer Georg Altziebler in der Singer/Songwriterszene seit Jahren für Furore. Gemeinsam mit Ehefrau Heike Binder-Altziebler veröffentlichte er bis dato sieben Studioalben und reüssierte in den letzten Jahren auch in seiner US-amerikanischen Wahlheimat Joshua Tree in Kalifornien. Mittlerweile pendeln die beiden halbjährlich und erfüllten sich damit einen langgehegten Lebenstraum. Monkey veröffentlicht nun exakt zehn Jahre nach dem ersten Teil mit „Monkey Years #2“ eine zweite Best-Of-Vinyl-Edition. Zeit, um mit dem kreativen Ehegespann im Gespräch über Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft zu parlieren.

Heike, Georg – exakt zehn Jahre nach der über Monkey vertriebenen Best-Of-Vinyl „Monkey Years“ gibt es nun einen zweiten Teil zu erstehen. Ist es ein gutes Gefühl zu wissen, dass sich ein zweites Best-Of aufgrund des guten Materials so locker ausgeht?

Georg Altziebler: Wir haben das nie als richtiges Best-Of gesehen. Es ist eine Zusammenfassung von Liedern, die mir persönlich besonders am Herzen liegen. Ich habe nicht auf den Publikumsgeschmack geachtet, obwohl ich glaube, dass es ihn trotzdem treffen wird. Es sind auf „Monkey Years #2“ doch ein paar von unseren sogenannten Hits vertreten.

Mit Fortdauer der Zeit verändern sich auch die Songs. Jene, die einmal große Favoriten von dir gewesen sind, müssen es heute nicht mehr zwingend sein.

Georg Altziebler: Manche Lieder kann man live immer wieder neu erfinden und bei anderen ist die Aufnahme so gut getroffen, dass sich da nichts mehr tut. Aber diese Songs sind es auch wert, im Original angehört zu werden. Manche Songs will ich auch gar nicht mehr neu auflegen, weil ich sie heute aussagekräftiger spiele.

Wenn man so eine Compilation macht und dann auch auf den ersten Teil zurückblickt, dann reflektiert man automatisch Vergangenes. Seid ihr nostalgisch an dieses Projekt rangegangen?

Georg Altziebler: Wir sind überhaupt nicht nostalgisch. Es ist eine Platte mit Aufnahmen, die damals entstanden sind, aber wir freuen uns nicht aus nostalgischen Gründen dafür. Wir freuen uns einfach, dass es noch immer Leute gibt, die sich dafür interessieren.

Heike Binder-Altziebler: Naja, das sehe ich nicht ganz so. Es herrscht schon eine gewisse Nostalgie. Wir haben ein neues Label, es beginnt ein neuer Abschnitt und in dem Fall ist es schon auch eine schöne Rückschau.

Georg Altziebler: Rückschau stimmt, aber ohne Wehmut. Es ist schön, dass Walter Gröbchen von Monkey das nach wie vor macht und die erste Platte dazu auch neu auflegt.

Zu einer so langjährigen Geschäftsbeziehung gehören auch eine gewisse Nähe und viel Vertrauen dazu. Das ist im Musikgeschäft nicht so häufig der Fall und auch nicht selbstverständlich.

Georg Altziebler: Bei solchen Arbeitsbeziehungen muss man sich oft zusammenstreiten, aber mit gegenseitigem Respekt und dem Wissen, dass der andere auch nur das Beste für die Musik macht, dann findet man immer zusammen.

Habt ihr heute immer noch den gleichen Enthusiasmus bezüglich Musik wie vor 15 oder 20 Jahren?

Georg Altziebler: Auf jeden Fall. Jeder, der in diesem Metier arbeitet – egal ob Labelbetreiber oder Musiker – macht das aus Liebe und Hingabe. Weder Walter noch wir machen damit das große Geld. Ohne Enthusiasmus würde gar nichts gehen. Man ist davon getrieben und macht es, weil man es machen muss.

Wenn ihr an das Jahr 2010 zurückdenkt – inwiefern wurden eure Ziele und Pläne bis heute erfüllt? Und wo hat euch das Leben schlichtweg überrascht?

Georg Altziebler: Hatten wir überhaupt einen Plan? Eigentlich nicht. Irgendwann wollten wir mit der Musik ins Ausland gehen und das ist uns gelungen. Das hat aber mit den „Monkey Years“ wenig zu tun. Die meisten Aufnahmen von diesen beiden Platten hatten wir zum Großteil bereits in den USA gemacht. Das Aufnehmen und Spielen in Übersee war immer Teil des Ganzen. Mittlerweile sind wir halb ausgewandert und auch bereits US-Staatsbürger.

Ihr lebt immer noch ein halbes Jahr in den USA, ein halbes Jahr in Österreich?

Heike Binder-Altziebler: Das ist korrekt und das wollen wir vorerst auch so beibehalten.

Georg Altziebler: Geschäftsmäßig wäre es wahrscheinlich einfach, würden wir uns an einem bestimmten Ort festsetzen, aber für die Inspiration, das Musikmachen und die Lebensführung ist das so schon gut.

Heike Binder-Altziebler: In Österreich haben wir natürlich auch ein Publikum, das wir gerne wiedersehen wollen.

Wie schwierig ist die Umstellung durch das viele Reisen? Braucht ihr immer eine gewisse Zeit, bis ihr auch die jeweils veränderten Umstände gewöhnt habt?

Georg Altziebler: Mittlerweile haben wir dahingehend schon eine gewisse Routine. Ungefähr zwei Wochen, dann sind wir drin. Oder eigentlich dauert es immer so lange, so lange man nicht vernünftig schlafen kann (lacht).

Seid ihr beim Songschreiben in Österreich anders inspiriert als in den USA? Immerhin unterscheiden sich die Menschen, Flora und Fauna und überhaupt alles relativ fundamental voneinander.

Georg Altziebler: Vor allem aufgrund der Sprache und den persönlichen Kontakten unterscheidet sich das. Es sind andere Songwriter, Musiker und auch das Publikum unterscheidet sich. Es ist nichts besser oder schlechter, aber die Unterschiede sind überall gegeben.

Heike Binder-Altziebler: Die Erlebnisse fließen dann doch in das eine oder andere Lied ein. Das können ganz einfach Straßennamen sein, oder verschiedene Landschaften.

Georg Altziebler: Die USA sind aber nicht mehr und nicht weniger inspirierend als Österreich, nur anders.

Heike Binder-Altziebler: Die persönlichen Bedingungen sind in den USA anders. Wir haben dort ein Studio in einer umgebauten Garage eingerichtet und hier in Graz haben wir eine Wohnung im 4. Stock und fahren 15 Minuten zum Proberaum. Es ist also leichter, in den USA sofort und unmittelbar zu arbeiten.

Georg Altziebler: In Wirklichkeit sind das aber nur persönliche Kleinigkeiten.

Wird man in den USA eventuell als Musiker besser behandelt? Vielleicht auch besser gefördert und mit weniger Bürokratie im Alltag belastet?

Georg Altziebler: Es gibt dort überhaupt keine Förderungen. Für niemanden, noch nicht einmal für die Clubs und Veranstaltungshallen. Wenn du nicht im Stande bist, Tickets zu verkaufen, hast du kein Geld verdient. Das sagt uns der Club-Besitzer auch mit einem gewissen Recht. Was die Leute bereit sind für dich zu bezahlen, das kriegst du dann. In Österreich wird eher etwas gefördert oder man wird unterstützt, aber das ist eben ganz anders.

Heike Binder-Altziebler: Dafür sind in den USA die Gagen manchmal schon besser. Andererseits ist es auch in Europa immer öfter so, dass die Ausgewogenheit bei der Bezahlung besser gegeben ist.

Würdet ihr sagen, dass das US-System den Ehrgeiz und die Beharrlichkeit eines Musikers anspornen?

Georg Altziebler: Ich habe nur die Erfahrung gemacht, dass die amerikanischen Musiker weniger jammern als die Österreicher, obwohl sie mehr Grund dazu hätten.

Heike Binder-Altziebler: Sie sehen einfach die Möglichkeit, den großen Sprung zu schaffen. Jeder glaubt daran, dass er mit etwas Ausdauer nach zwei oder drei Jahren wirklich den Durchbruch schaffen kann und so arbeiten sie auch.

Georg Altziebler: Die Bedingungen sind in den USA für Musiker viel härter. Wenn dort jemand darüber jammern würde, dass die Fahrten von einem Auftrittsort zum anderen so weit wären, würde er sich von vornherein disqualifizieren. Da hast du dann eigentlich schon verloren.

Die USA sind auch ein Land, wo die Kultur des Scheiterns akzeptierter ist als bei uns. Wenn man mit einem Projekt durchfällt, dann ist man nicht gleich als Verlierer gebrandmarkt, sondern probiert sich einfach beim nächsten aus. Gilt das so auch für die Musikszene?

Georg Altziebler: Das kann ich dir nicht wirklich beantworten, weil ich es nicht weiß. Wir sind von vornherein von Musikern und auch echten Promis echt gut aufgenommen worden.

Heike Binder-Altziebler: Wir hatten wirklich viel Glück, wie wir dort einfach reingefallen und aufgefangen worden sind. Es hat von Anfang an super geklappt. Los Angeles ist natürlich ein anderes Pflaster als hier, aber man muss sowieso überall kurbeln, wenn man was erreichen will.

Der Konkurrenzdruck auch innerhalb der Szene ist mit hier sicher nicht vergleichbar. Ist dieser Wettbewerb in den USA eher negativ konnotiert, oder gibt es da auch in der Rivalität viel Unterstützung und gegenseitige Hilfe?

Georg Altziebler: Ich habe schon das Gefühl, dass es weit weniger neidgetrieben ist als in Österreich. Es gibt hier natürlich auch tolle Leute, aber mir kommen einige Indikatoren in den USA einfach entspannter vor: Wenn die Leute Shows der anderen unterstützen, indem sie einfach hingehen und präsent sind.

Wird eure Musik in den USA anders angenommen als in Österreich, Europa oder dem Rest der Welt?

Georg Altziebler: Wir werden verbal leichter verstanden, aber ansonsten ist alles so international, dass es eigentlich nicht mehr auffällt.

Heike Binder-Altziebler: Naja, du bist in Amerika schon in eine ganz bestimmte Tradition eingebettet und das Interesse daran ist viel größer.

Georg Altziebler: Unseren europäischen Faktor finden sie dann aber auch wieder interessant. Es gibt Dinge, die nicht so arrangiert sind, wie die Amis das gewohnt sind.

Heike Binder-Altziebler: Wenn es um Konzerte geht, bist du ganz klar in einer Nische. Noch viel klarer als in Österreich, weil sie in den USA auch viel breiter ist. Das Grundinteresse ist ein ganz anderes und man wird einfach anders wahrgenommen.

In der österreichischen Musikszene tut sich schon seit Jahren wahnsinnig viel und es scheint auch nicht aufzuhören. Seid ihr der Meinung, ihr würdet allgemein besser wahrgenommen werden, wenn ihr gerade jetzt in die Szene stechen würdet und nicht schon so lange ein Teil davon wärt?

Georg Altziebler: Ich glaube nicht, denn heutzutage musst du, wenn du als neue Band auftrittst, eigentlich Deutsch singen. Ich kenne überhaupt keine englischsprachigen neuen Bands aus Österreich. Ich würde sogar sagen, dass wir es mit unserer Musik heute schwerer hätten. Wir sind in gewisser Weise eine Wellen-Band. Mal geht sie runter, mal wieder rauf. Mal sind wir mehr en vogue, mal weniger. Das hat sich immer schon so verändert. Wenn die Leute genug von Electropop haben, hören sie wieder Songs. Das war immer schon so.

Ist die Zeitlosigkeit in der Musik ein Kriterium für dich als Künstler?

Georg Altziebler: Es ist kein Kriterium per se, aber es ist natürlich gut, wenn es passiert. Es ist vielleicht auch das Wichtigste, dass die Musik nicht an kurzfristige Moden gebunden ist. Wenn ein Song wirklich gut ist, ist er zeitlos. Es ist sehr einfach, aber das zu erreichen ist wiederum schwierig.

Kann man das beim Komponieren schon spüren?

Georg Altziebler: Manchmal hat man schon das Gefühl, dass man zumindest auf dem richtigen Weg dorthin ist. Das sind die Glücksmomente beim Plattenmachen.

Inwiefern ist es bei euch beiden ein Vorteil, dass sich die private und die berufliche Ebene quasi 1:1 überschneiden?

Georg Altziebler: Das ist sogar sehr wichtig (lacht).

Heike Binder-Altziebler: Aber nicht immer einfach. Wir arbeiten einfach immer. Es gibt eigentlich keine Momente, wo die Musik nicht vorhanden ist. Wir gehen am Abend essen und besprechen dabei die nächste Business-Strategie (lacht).

Georg Altziebler: Oder eher, was wir im Proberaum als nächstes besser machen müssen. Im Grunde geht es uns damit ganz gut.

Spielt sich das Ganze mit Fortdauer der Zeit immer besser ein? Funktioniert ihr einfach immer besser miteinander?

Heike Binder-Altziebler: Die Rollen, wer für was zuständig ist, verteilen sich einfach klarer.

Georg Altziebler: Heike ist mittlerweile Multiinstrumentalistin. Das muss man auch einmal sagen und ich zähle jetzt einmal auf, was sie so alles beherrscht: Fuß-Tamburin, Triangel, Omnichord, Orgel, Melodica, Ziehharmonika und Theremin. Stell dir vor, dass sie das alles live beherrschen und auch üben muss.

Heike Binder-Altziebler: Na wenn man nichts kann, dann muss man eben viel machen (lacht). Ich mache das, was dem Song dient und wenn wir noch was brauchen, dann werde ich versuchen was zu finden, was dem Lied am Ende dienlich ist.

Georg Altziebler: Ich würde sage, bei uns läuft es halbdemokratisch ab (lacht).

Heike Binder-Altziebler: Ich kann schon versuchen, etwas zu einem Thema zu sagen, aber wenn der Georg genau weiß, dass er etwas nicht mag oder braucht, dann hat meine Meinung keine Chance. Aber er hört schon auf mich, so ist es auch nicht.

Könntet ihr euch eigentlich auch vorstellen, an einem anderen Eck in den USA oder überhaupt in einem anderen Land zu leben? Eben eure angestammte Heimat nicht nur mit Joshua Tree, sondern einem anderen Flecken auf der Erde zu teilen?

Georg Altziebler: Auf der Fahrt von Graz nach Wien haben wir alle Plätze von Barcelona, Paris, Valencia, Madrid oder Rom besprochen. Wir haben uns vorläufig aber noch auf nichts einigen können.

Heike Binder-Altziebler: Georg würde am liebsten überall leben. Der hat da überhaupt kein Problem damit.

Georg Altziebler: Wir sind auf kein Land so fixiert, dass eine ewige Entscheidung in Stein gemeißelt wäre. Weder auf die USA und noch viel weniger auf Österreich. Wir können die Musik, die wir machen, überallhin mitnehmen und sie wird auch überall verstanden.

Heike Binder-Altziebler: Wir haben auch einen Sohn und derzeit ist es organisatorisch nicht so einfach, dass wir komplett tun können, was wir wollen. Ich finde aber, dass so, wie es sich jetzt eingespielt hat, alles sehr gut passt. Joshua Tree ist ein unglaublicher Platz und ich finde ihn wahnsinnig inspirierend. Er gibt viel Raum. Wir haben die Weite, die Bäume und die Sterne und das hat eine irrsinnige Lebensqualität. Die Stadt habe ich hier. Die Möglichkeiten, mit dem Fahrrad überall hinzufahren, alte Häuser und wunderbare Kultur habe ich hier. Dafür habe ich drüben viel Platz, Wärme und auch diese gewisse Art von Ruhe.

Eure Songs sind im Endeffekt aber schon regional geprägt? Man kann schon immer klar erkennen, welcher Song eigentlich wo verfasst wurde?

Georg Altziebler: Manche Lieder nehmen Bezug auf Örtlichkeiten, aber eigentlich ist das nur der Aufhänger. Der Einstiegspunkt für den Song, der dann in eine andere Richtung geht.

Heike Binder-Altziebler: Ein Fan hat Georg einmal zum Song „Franklin Avenue“ angesprochen, weil er in dieser Straße gelebt hat. Er hat ihm gesagt, dass Georg die Straße so exakt beschrieben hätte, wie er es noch nie hörte. Für Georg war es aber ein seltsames Feedback, denn der Song heißt zwar „Franklin Avenue“, aber wenn man sich den Song genauer anhört, erzählt er gar nichts über die Gegend. Er vermittelt aber eine Stimmung und die hat offenbar die Erfahrung des Fans getroffen.

Bleibt abschließend natürlich noch die allerwichtigste Frage – gibt es auch bald neue Songs?

Georg Altziebler: Absolut. Im Herbst wird es ein neues Album geben. Ich kann ohnehin nicht anders (lacht). Es heißt immer, man soll Singles oder EPs veröffentlichen, aber für mich ist das Album immer noch das Erstrebenswerteste.

2010 zogen Son of the Velvet Rat bereits eine erste Zwischenbilanz mit dem Album „Monkey Years“, das längst vergriffen ist. Zum Jubiläum der Erstveröffentlichung gibt es eine limitierte Neuauflage in rotem Vinyl sowie eine Fortsetzung: „Monkey Years #2“, ebenfalls limitiert. Am 6. März erscheinen beide Alben, am 7. März präsentiert Son of the Velvet Rat das Album beim Vinyl & Music Festival in der Ottakringer Brauerei Wien.

Son of the Velvet Rat

13. März – bluegarage, Frauental

16. April – Rockhouse, Salzburg

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