Sprechstunde bei Dr. Eckart von Hirschhausen

Hirschhausen

Er ist wahrscheinlich der einzige Arzt, von dem man sich gern, freiwillig und immer wieder behandeln lässt: In seinem neuen Live-Programm „ENDLICH!“ fragt sich Dr. Eckart von Hirschhausen, was die Zeit mit uns macht. Und wieso Anti-Aging echt dumm ist.

Foto: Tim Milskens

Der Arzt der (deutschsprachigen) Nation ordiniert wieder vor Live-Publikum, wie gewohnt interaktiv sowie witzig und hintersinnig zugleich: Nach Glück, Liebe und Wundern widmet sich Dr. Eckart von Hirschhausen dem größten Thema unserer Zeit: der Zeit! Was macht die Zeit mit uns, was machen wir mit unserer Zeit? Warum tickt die berühmte biologische Uhr und wie zieht man sie wieder auf? Alle wollen alt werden – aber keiner will alt sein. Sein neues Programm „Endlich!“ bietet viele unerwartete Aha-Erlebnisse, erstaunliche Fakten, eine Prise Zauberei sowie seelenstreichelnde Klaviermusik. Bisserl Philosophie in Weißkittel gewandet gibt’s obendrein, wenn von Hirschhausen fragt: Wenn das Leben endlich ist, wann fangen wir endlich an zu leben?

Ein großes Thema Ihres neuen Programms „ENDLICH!“ ist Zeit. Wie definieren Sie denn Zeit – und was hat die Zeit mit Ihnen gemacht?

Dr. Eckart von Hirschhausen: Meine Erfahrung sagt mir, dass sich Zeit weder definieren noch festhalten lässt. Die Beschäftigung mit dem Thema für mein Bühnenprogramm hat mir aber etwas klar verdeutlicht: Wir leben länger als jede Generation vor uns, und haben trotzdem ständig das Gefühl, wir hätten keine Zeit? Das ist doch eigentlich sehr komisch, warum lacht da keiner drüber? Dazu ein kleines Gedankenexperiment: Erinnern Sie sich noch an den ersten Kuss? Und den 17.? Unser Gehirn gibt Dingen, wenn sie das erste Mal passieren, mehr Aufmerksamkeit. Ein guter Trick, die Zeit zu verlangsamen ist also, aus der Routine auszubrechen und sich immer wieder neue Dinge anzueignen. Ich selber habe deshalb wieder angefangen, Gitarre zu spielen, so wie ich das schon mal als Jugendlicher gemacht habe. Plötzlich fühle ich mich wieder wie am Lagerfeuer, freue mich aber gleichzeitig, dass ich danach nicht auf einer Luftmatratze schlafen muss. Das ist bestes emotionales Anti-Aging.

Für die ARD Dokumentation „Hirschhausen im Hospiz“ haben Sie Menschen im Hospiz besucht. Was haben Sie für sich persönlich von dieser Erfahrung mitgenommen?

Dr. Eckart von Hirschhausen: Ich habe an mir ein Umdenken vom Tun zum Lassen wahrgenommen. Im Hospiz ticken die Uhren anders. Es ist ein Ort, der komplett herausgenommen ist aus der ganzen Betriebsamkeit der Hochleistungsmedizin und unserer Welt. Mit meiner Arzt-Denke wollte ich vor dem Betreten jedes Zimmers das Krankheitsbild und die Prognosen kennen. Eine der Schwestern sagte zu mir: „Entspann dich, das ist hier alles nicht mehr so wichtig. Begegne dem Menschen in diesem Zimmer doch einfach so, wie er ist.“ Und das stimmt. Es geht im Hospiz um Begegnung, Würde und um Echtheit. Menschen, die darum wissen, wie kostbar die ihnen verbleibende Zeit ist, haben auf anderes keine Lust mehr. Insofern ist der Moment, in dem es ganz existenziell auf den Tod zugeht, für viele auch befreiend: Sie müssen kein Bild von sich selbst mehr aufrechterhalten. Sie müssen es niemandem mehr Recht machen. Ich habe im Hospiz Menschen getroffen, die sehr gelassen waren und sogar fröhlich – das hat mich sehr bewegt.

In einem Interview meinten Sie kürzlich, Sie möchten einen humorvollen Grabstein. Welche Inschrift soll darauf zu lesen sein?

Dr. Eckart von Hirschhausen: An meinem Satz arbeite ich noch – das ist wirklich nicht einfach angesichts so großartiger Vorlagen wie zum Beispiel: „Typisch, jetzt wo ich Zeit habe, kommt keiner vorbei.“ Oder wie Johnny Carson, der berühmte Talkmaster, ließ wie vor einer Werbepause schreiben: „Ich bin gleich wieder für Sie da“. Loriot soll verfügt haben: „Gestatten Sie, dass ich liegen bleibe“… Hoffentlich habe ich noch viel Zeit zum Nachdenken!

Um beim Thema Zeit zu bleiben: Wie hat sich die Arzt-Patienten-Beziehung im Laufe der Zeit gewandelt? Gibt es den „Gott in Weiß“ noch?

Dr. Eckart von Hirschhausen: Ja, aber zum Glück bröckelt dieses Selbstbild. Die Zukunft der Medizin ist kommunikativ, weiblich und teamorientiert. Es ist ein dickes Brett, einen jahrhundertealten Mythos von einem Arzt der alles alleine kann, alles weiß und allen hilft aufzuknacken, aber es passiert etwas. Je länger ich aus der konkreten Versorgung raus bin und als Vermittler zwischen den Welten arbeite, desto klarer wird mir: Die Ärzte sollten sich dringend für die Rehabilitation und Aufwertung anderer Gesundheitsberufe einsetzen, zu ihrem eigenen und dem Wohl der Patienten. Wir haben ein massives Problem in der „Gesundheitskompetenz“, d.h. die Mehrheit der Deutschen weiß erschreckend wenig über ihren Körper, über ihre seelische Gesundheit, über das Gesundheitswesen von Internet bis Beipackzettel. Jede Berufsgruppe könnte da präventiv viel bewegen. Ich setzte mich sehr öffentlich und hinter den Kulissen dafür ein, in den Kindergärten und Schulen viel Freude an Bewegung, Lernen und Miteinander zu fördern, das zahlt sich ein Leben lang aus.

Sie setzen sich in „ENDLICH!“ erneut mit medizinischen Fakten, aber auch Mythen auseinander. Welcher medizinische Mythos ärgert Sie eigentlich am meisten und wieso?

Dr. Eckart von Hirschhausen: Ich reagiere richtig „anti“ auf Anti-Aging. Mal ehrlich, das Dümmste was passieren kann ist doch, dass Anti-Aging funktioniert. Dein Körper wird jünger, aber dein Geist wird älter. Irgendwann hast du Alzheimer, kommst aber körperlich gerade zurück in die Pubertät. Du kannst wieder – weißt aber nicht warum. Ist das ein Lebenstraum?

Um einen Punkt aus Ihrem Pressetext aufzugreifen: Laut Studien wirkt sich das Eheleben positiv auf die Lebenserwartung aus, wieso ist das so?

Dr. Eckart von Hirschhausen: Tatsächlich tun Liebe und positive Beziehungen dem Menschen gut. Glück kommt selten allein. Dazu muss man aber nicht verheiratet sein. Gute Freundschaften halten meistens länger als Ehen. Also Vorsicht bei dem, was man sich wünscht! Dazu ein schöner Witz: Einem Paar erscheint eine Fee. Die beiden hatten mit 25 geheiratet, mit 50 zur Silberhochzeit dürfen sie sich jetzt etwas wünschen. Die Frau wünscht sich eine Weltreise mit dem Schiff – ZACK – hat sie die Tickets in der Hand. Der Mann schaut die Frau an, schaut die Fee an und fragt: „Darf ich mir wirklich alles wünschen?“ „Ja“ „Dann wünsche ich mir eine Frau, die dreißig Jahr jünger ist als ich!“ ZACK – ist er 80!

Wie steht es eigentlich um Ihre eigene Gesundheit? Und was sind Ihre persönlichen Kraftquellen?

Dr. Eckart von Hirschhausen: Meine Knie zwacken und ich trage mittlerweile eine Gleitsichtbrille, aber ich will mich trotzdem nicht beschweren. Ich kann immer noch alles wie früher, nur halt nicht mehr am selben Tag (lacht). Für mich war im letzten Jahr besonders wichtig, dass ich das Intervallfasten für mich entdeckt habe. Ich habe nicht nur 10 Kilo verloren, sondern schlafe besser und fühle mich einfach auch grundsätzlich fitter. Ich habe wieder ein besseres Gefühl für meinen Körper entwickelt, zum Beispiel habe ich kaum noch Lust auf Süßkram, den ich früher tonnenweise in mich reingestopft habe. Ich bin besser drauf und fühle mich jünger als früher. 

Die Verbindung zwischen Humor und Medizin ist nach wie vor Ihr Markenzeichen. Kann Humor tatsächlich heilen – und wenn ja, wie bzw. wieso?

Dr. Eckart von Hirschhausen: Ja, das kann er, davon bin ich überzeugt und das ist auch das Motto meiner Stiftung HUMOR HILFT HEILEN. Unsere Mission ist es, die heilsame Stimmung im Krankenhaus zu fördern und modernes psychologisches Wissen in die Praxis und Schulen zu bringen. Vor 10 Jahren haben wir angefangen, den Einsatz von Clowns in Krankenhäusern zu unterstützen. Inzwischen machen wir auch viele Workshops, Vorlesungen und Programme um die Pflegekräfte und zukünftigen Ärzte zu sensibilisieren für Kommunikation und Seelenhygiene. Das dritte Segment sind Forschungs- und Bildungsprojekte zu „Glück, Gesundheit, soziales Lernen als Schulfach“, dazu haben wir Unterrichtsmaterial erarbeitet, das kostenlos im Netz zur Verfügung steht. Humorinterventionen funktionieren auch bei Erwachsenen, nicht mit Clowns aber mit Trainings, die wir bei Schlaganfallpatienten und Herzpatienten gerade untersuchen. Lachen hilft gegen Schmerzen. Das kann jeder ausprobieren: Hauen Sie sich mit einem Hammer zweimal auf den eigenen Daumen, einmal alleine und dann noch einmal in Gesellschaft. Sie spüren den Unterschied. Alleine tut es lange weh. Wenn ich mit Anderen lachen kann, lässt der Schmerz nach. Deshalb sollte niemand mit Schmerzen lange alleine sein und etwas zu lachen bekommen. Inzwischen sind Clowns auch sehr erfolgreich in der Altenpflege, gerade wenn sie Musik einbeziehen, erreichen sie auch bei Dementen eine Stimmungsverbesserung. Wer es genauer wissen will, findet auf www.humor-hilft-heilen.de weitere Informationen.

Abgesehen vom Humor: Was können wir tun, um möglichst lange und gesund zu leben?

Dr. Eckart von Hirschhausen: Ganz einfach – lassen Sie alles weg, was das Leben verkürzt. In „Endlich!“ bringe ich es ganz einfach auf den Punkt: 15 Jahre unseres Lebens hängen am Lebensstil. Es gibt keine Tablette, keine Operation und erst recht keine Creme, die uns besser schützen als fünf ganz einfache Dinge des Alltags: nicht rauchen, bewegen, Gemüse – erwachsen werden und Kind bleiben. Und wen die Langfassung interessiert, Sie sind herzlich eingeladen in mein Programm zu kommen! Wer mich nur aus dem Fernsehen kennt, kenn mich nicht wirklich – live bin ich in meinem Element, und alle Zuschauer gehen gesünder nach Hause als sie gekommen sind – versprochen!

Dr. Eckart von Hirschhausen sinniert am 12. Februar öffentlich zu Ehren von Viktor Frankl im Globe Wien, bereits ab 11. Februar bis in den Februar des Folgejahres ordiniert er mit „Endlich!“ in Wien, Salzburg, Bregenz, Graz und Linz. Tickets gibt es bei oeticket.com!