Stadttheater Klagenfurt feiert Handke mit „Die Stunde da wir nichts voneinander wussten“

Peter Handke erhält den Literaturnobelpreis – und am Tag der Bekanntgabe feierte sein Stück „Die Stunde da wir nichts voneinander wussten“ im Stadttheater Klagenfurt Premiere.

© Karlheinz Fessl

Am Vormittag des 10. Oktobers gab die Schwedische Akademie in Stockholm bekannt, dass der in Kärnten geborene Peter Handke den Literaturnobelpreis erhalten soll – „für ein einflussreiches Werk, das mit sprachlicher Genialität die Peripherie und die Spezifität der menschlichen Erfahrung untersucht“. Diese Beschreibung passt auch perfekt auf Handkes Stück „Die Stunde da wir nichts voneinander wussten“, das am Abend des gleichen Tages im Stadttheater Klagenfurt unter der Regie von Robert Schuster Premiere feierte.

Bei der Premiere traf die APA „euphorisierte Gäste“. Einer davon war der Kärntner Landeshauptmann Peter Kaiser, der Handke gratulierte: Die Premiere „rundet einen Kärntner Handke-Tag ab. Ich freue mich, das die Auszeichnung an ihn geht.“ Auch der Intendant des Stadttheaters, Florian Scholz, zeigt sich begeistert: „Wir sind im Glück und gratulieren von ganzem Herzen!“

Als „eines der sehenswertesten Theaterstücke der zu Ende gehenden Intendanten-Ära von Florian Scholz“ bezeichnet der ORF die Inszenierung, die eine Koproduktion mit der KULA Compagnie und den Vereinigten Bühnen Bozen ist. Dabei setzen Regisseur Robert Schuster und Choreograf Martin Gruber auf Schauspielerinnen und Schauspieler aus Frankreich, Italien, Deutschland, Österreich, Israel und Afghanistan. Dies soll ein Zeichen für ein modernes Europa, das Vielfalt lebt, darstellen – entsprechend dem Inhalt des Stücks.

Die zwölf Akteurinnen und Akteure schlüpfen in 350 Rollen – wie dies auch Handke empfiehlt. Als Protagonist des Werkes gilt dabei ein Platz in irgendeiner Stadt in irgendeinem Land. Dieser dient den wechselnden Personen als Schauplatz für den Alltag und allgemein das Menschsein. Ein breites Spektrum von Menschen allen Alters, Herkunft, sozialer Schicht und so weiter wird gezeigt. In dem Stück verzichtet Handke komplett auf die gesprochene Sprache, aber mit ausdrucksstarken Elementen wie Bewegung, Körper, Licht, Farben und Bildern wird viel über die Gesellschaft ausgesagt.

Das Stück wird noch bis 5. Dezember 2019 im Stadttheater Klagenfurt aufgeführt – auch dieses Datum deckt sich fast auf den Tag genau mit der Verleihung des Literaturnobelpreises: Am 10. Dezember übergibt die Schwedische Akademie den Preis in Stockholm an Peter Handke.