Status Quo: neues Album und exklusives Ö-Konzert

Status Quo

Am 6. September erscheint mit „Backbone“ das 33. Album von Status Quo. Bereits am 24. August gastieren die Herren exklusiv in Moosburg!

Foto: Tina Korhonen

„In the Army Now“, „Whatever You Want“ oder „Rockin‘ All Over the World“: Eigentlich unglaublich, dass Francis Rossi seit 57 Jahren in ein und derselben Band spielt – und mit „Backbone“ Anfang September das sagenhafte 33. (!) Studioalbum von Status Quo erscheint! Nach dem Tod von Langzeitkollegen Rick Parfitt zu Weihnachten 2016 macht Rossi, der im Mai seinen nicht minder sagenhaften 70. Geburtstag feierte, als Quo-Urgestein alleine weiter. Und das stört den Rock-Dinosaurier eigentlich gar nicht.

Nachträglich alles Gute zum Geburtstag! Wie fühlt es sich an, dieses magische Alter erreicht zu haben?

Schrecklich (lacht)! Unsere Generation erachtet das nur als alt. Ich erinnere mich, als ich mit Rick im Marquee Club ein Album fertiggestellt habe und da war dieser junge Typ am Hintereingang. Er war in einer Punk-Band und mit 17 noch ein Baby. Er beschimpfte uns als alte Knacker, dabei war ich damals gerade mal 27 Jahre alt! Für uns, die wir jetzt 50, 60 oder 70 sind, war in unserer Jugend Dreißig schon ein Horror-Alter. Und mit 40 bist zu erledigt und tot. Dann wurde ich 50 … Ok, dann 60 und es geht mir immer noch gut. Jetzt fühle ich mich ab und zu schläfrig und müde. Der Körper schmerzt, wenn ich viel arbeite. Aber okay, ich kann nicht ignorieren, dass ich jetzt 70 bin. Davor kann ich mich nicht verstecken.

Ist Altern ein Privileg oder einfach nur ein unvermeidbares Übel?

Es ist auf jeden Fall ein Privileg! Ich habe mich damit abgefunden. Heute tendiere ich dazu, sehr viel mehr zu reden als früher. Ich habe Meinungen und über die spreche ich. Wenn ich wie jetzt Promo mache, muss ich nicht immer über mich und meine Gitarre reden. Ich spreche gerne und über alles. Wenn ich mir meine Vergangenheit ansehe und wo ich heute bin … ja, ich bin diese alte Person. Wenn du jung bist, willst du bloß nicht alt werden. Heute habe ich mich damit abgefunden. Das ist der natürliche Prozess, dorthin kommt jeder. Klar ist es traurig, dass Rick tot ist. Es ist traurig, dass Marc Bolan gestorben ist. Es ist traurig, dass Jimi Hendrix tot ist. Aber in meinem Alter sage ich, dass es gut so ist. Und nein, ich möchte jetzt noch nicht tot sein! Mich amüsiert es immer wieder, wenn Typen in meinem Alter noch immer die jungen, trotzigen Rebellen spielen. Die tun doch nur so. Mein Sohn hat erst vor kurzem alte Zeitungsausschnitte ausgegraben mit Fotos von meiner Hochzeit. Da war ich ungefähr 40. Mein Kopf war riesengroß, ich aß zu viel und war fett. Mein Kommentar heute zu den Bildern: Schau‘ dir mal den jungen Idioten darauf an. Aber das gehört dazu.

Das neue Album „Backbone“ ist das 33. Studioalbum. Eine gewaltige Anzahl.

Vielleicht. Über die Jahre haben die Menschen immer wieder gemeint, wir sind so eine furchtbar hart arbeitende Band. Ich sehe auch die andere Seite. Da könntest du sagen, wir sind eine geizige Band. Hart arbeitend und viele Gigs spielend. Wir sind geizig, wir wollen mehr Geld verdienen. Das gilt auch für die Alben. Manche meinen, sie sind großartig. Für andere ist das nur ein Haufen Scheiße. Man kann immer eine andere Sichtweise finden. In den frühen Siebzigern haben wir ein Album pro Jahr aufgenommen. Platte, Tournee, Platte. Heute gibt es tonnenweise Acts und tonnenweise kommen neue Alben auf den Markt, denn sie sind einfach zu machen. Als wir jung waren, hatte nicht jeder ein Aufnahmestudio zu Hause. Mit Computern kannst du Songs in deinem Schlafzimmer aufnehmen und sogar Platten mastern. Es ist alles sofort und überall verfügbar, deshalb hat vieles seinen Wert verloren. Das sind die Folgen des Kapitalismus und seiner Verlockungen. Der Mann meiner Tochter hatte sich wochenlang auf seinen neuen Mercedes gefreut. Dann war er da, und wieder einige Wochen später war es nur noch einfach ein Auto. So ist das Leben. Wir müssen Zufriedenheit suchen und jene beneiden, die zufrieden sind. Und nicht jene, die das Supercar haben oder den Jet und sich alles kaufen können.

War es eigentlich schwierig, nach Ricks Tod wieder ins Studio zu gehen und neue Songs zu schreiben?

Es amüsiert mich, wenn mich Menschen fragen, ob Ricks Tod ein Problem war. Er hatte die Band sechs Monate verlassen, bevor er gestorben ist. Er konnte nicht mehr auftreten. Ich habe jahrelang Songs ohne Rick geschrieben, gemeinsam sind nur wenige entstanden. Ich möchte jetzt nicht grausam klingen, aber ich hatte mit Rick ein Agreement: Wer immer auch zuerst stirbt, der andere macht mit Status Quo weiter. Das ist nur logisch. Es wundert mich deshalb, dass manche meinen, ich sollte ohne Rick nicht weitermachen. Es war nicht anders als früher. Ich habe alleine Songs geschrieben, Demos aufgenommen und erst dann haben wir als Band daran gearbeitet. Allerdings bin ich jetzt sehr diktatorisch.

Mach es dein Leben einfacher, wenn du alleine über alle Belange der Band entscheiden kannst?

Anders hätte ich kein neues Album mehr gemacht. Ich wollte nicht wieder Kompromisse eingehen, Songs veröffentlichen, mit denen ich nicht ganz zufrieden bin. Ich meinte zu Andy Brown und John Edwards, dass ich es komplett verstehe, wenn sie damit nicht einverstanden sind und es bleiben lassen wollen. Dann hätten wir die Platte eben nicht gemacht. Das war kein Einschüchterungs- oder Erpressungsversuch. Ich verstehe, wenn sie es nicht gemocht hätten, dass ich diktatorisch bestimme.

Ist „Backbone“ ein typisches Status Quo-Album?

Ich weiß es nicht. Aber ich habe alles anders als früher gemacht. Was ich weggelassen habe, sind die extrem verdichteten und verzerrten Gitarren. Ich musste nicht Ricks und meine Gitarre zusammenbringen. Ich habe den Jungs in der Band die Songs vorgespielt, im Endeffekt aber nur das umgesetzt, was ich auch wirklich wollte. Das dürfte ganz gut geklappt haben. Bis jetzt zumindest gibt es nur gute Rückmeldungen zum Album. Aber es ist noch viel zu früh, das endgültig zu beurteilen.

Die Tracks auf „Backbone“ klingen sehr leicht und natürlich. War das Einspielen so einfach, wie sich das Ergebnis anhört?

Es war harte Arbeit. Vor allem die Songs, die ich mit John geschrieben habe. Er ist immer so voller frenetischer Energie, dass wir nicht gemeinsam in einem Raum arbeiten können. Wir haben jeder einzelne Teile komponiert und sie dann zusammengesetzt. Das war äußerst schwierig, vor allem bei „Cut Me Some Slack“ und „Backbone“. Trotzdem hat es eine Menge Spaß gemacht. Der Unterschied liegt vor allem in der Art, wie wir das Album aufgenommen haben und wie es gemastered wurde. Ich wollte keine Kompressionen einsetzten wie das heute üblich ist. Alles klingt dann glatt und wie ein Brei. Unser Album hat Höhen und Tiefen. Es gibt Lücken und Atempausen. Es ist organisch und natürlich.

Es gibt einige Love-Songs auf „Backbone“. Wird man auch im Alter dieses Themas nicht überdrüssig?

Nein, gar nicht. Status Quo wurden immer wieder dafür kritisiert, dass unsere Songs ähnlich klingen und wir immer das Gleiche machen. Fakt ist, dass nach dem ersten Love-Song der Geschichte alle andere bloß Kopien waren. Als Chuck Berry den ersten Rock-Song geschrieben hatte, folgten nur noch Kopien. Es ist gefährlich, ständig nur nach Neuem zu suchen. Für mich ist das wie mit gutem Essen. Ich will es immer und immer wieder, ohne Veränderungen.

Frei nach dem Songtitel gefragt: Bist du „Running out of Time“?

Eigentlich geht es dabei um den Zustand der Gesellschaft und des Planeten, um die globale Erwärmung. „Never Too Late“ (erschienen 1981, Anm.) hatte ein ähnliches Thema.

Und wie sieht es mit dir persönlich aus?

Ja, klar. Das führt und wieder zurück zur Diskussion über das Alter. Bald wird es mich nicht mehr geben. Auch wenn ich noch 25 Jahre leben sollte, ist das für einen Mann im Alter von 70 nicht mehr besonders lange.

Heuer sind zudem noch dein Solo-Album und deine Autobiografie „I Talk Too Much“ erschienen. Das sieht nach einem kreativen Ausbruch aus?

Das war alles schon lange vorbereitet und ich wollte schon immer mit Mädels singen. Das Album mit Hannah Rickard („We Talk Too Much“, Anm.) war also eine echte Freude! Zugleich habe ich eben das Buch geschrieben.

Vor Jahren meintest du, Status Quo sind die uncoolste Band der Geschichte. Denkst du nach all den Jahrzehnten und Hits und Konzerten noch immer so?

Ja. Das ist einfach und eindeutig. Solange die Menschen wissen, wer Status Quo sind, ist das okay. Auch wenn viele niemals zugeben würden, dass sie unsere Sachen mögen. Vor Jahren hatte sich Paul Weller unheimlich gefürchtet einzugestehen, dass er Status Quo mag. Als er ungefähr 50 Jahre alt war hat er endlich auch zugegeben, dass Rick Parfitt ihm das Gitarrespielen beigebracht hat. Status Quo zu hören ist nicht gut fürs Image. Also denke ich noch immer, dass wir die uncoolste Band der Welt sind.

Die eigentlich gar nicht so uncoolen Status Quo gastieren am 24. August in Moosburg. Tickets gibt es bei oeticket.com!