steirischer herbst ’18: Programmtipps Woche 3

In der letzten Woche sitzen einander Weisheit und Glück in Michael Portnoys „Touching On Everything“ gegenüber.

© Joseph Portnoy

„Alles hat ein Ende“, so auch der steirische herbst. Das Festival für zeitgenössische Künste biegt diese Woche in die Zielgerade ein und sorgt gleichzeitig mit der Uraufführung von Michael Portnoys Performance Touching on Everything am 12. Oktober nochmals für Programm vom Feinsten. Ähnlich lenken Graz‘ TaxifahrerInnen ihre letzte „Choreografien“ und der Festivalparcours ist weiterhin als Gruppe erfahrbar.

Glück und Weisheit: Wer hat’s besser?

Heutzutage wird von der Kunst viel verlangt. Kunst soll Massen anlocken und auf Instagram funktionieren, gleichzeitig aber auch dem Anti-Spektakel verpflichtet bleiben, universell sein und dennoch ortsspezifisch, aktuell und zugleich zeitlos, politisch, aber auch poetisch. Kurz gesagt, die Kunst soll alles verhandeln und aufgreifen, mit ihren magischen MacGyver-Händen anscheinend unvereinbare Fragmente aufsammeln und aus diesen etwas machen … mit anderen Worten: alles besser machen.

Die eigens für den steirischen herbst entstandene Arbeit des US-amerikanischen Performancekünstlers Michael Portnoy lässt davon nichts aus. Sein Stück basiert auf Fragmenten des allegorischen jiddischen Stücks „All Thing Touch All Other Things Eventually“ (1928) des Autors Yosef Birnheim. Das Originalstück war mit einer Besetzung von über 70 SchauspielerInnen vorgesehen und wurde deshalb nie aufgeführt. Birnheim wollte mit seinem satirischen Werk ein ganzes philosophisches System wechselseitiger Beziehungen aller Ideen untereinander zur Aufführung bringen, wobei jede einzelne dieser Ideen von seinen SchauspielerInnen und den Requisiten verkörpert werden sollte. Heute ist das Stück nur noch zum Drittel vorhanden.

In der Performance treten diese Konzepte als lebende Charaktere in Erscheinung. Beispielsweise sitzen Weisheit und Glück herum und diskutieren darüber, wer von ihnen das bessere Leben hat. (Der Standard, 05.10.18)

Portnoy hat die fehlenden Teile, mit viel Freiheit, rekonstruiert, dabei Elemente des zeitgenössischen Tanzes, jiddische Lieder, Varietétheater sowie Körperkomödie eingefügt. Bei diesem sinnlichen und absurd moralischen Tanz der Konzepte wird die Freiheit in einer Ecke von Krämpfen geschüttelt, während der Nationalismus neckend seinen Fuß in den Mund von Gender steckt.

Es wird lustig, das geht bei Portnoy gar nicht anders. (Der Standard, 05.10.18)

Weitere Programmpunkte:
Theater im Bahnhof – „Hier War Ich Noch Nie – eine Taxichoreografie“ (10.10., 20, 20.45, 21.30, 22.15 Uhr)
Freier Eintritt mit dem Festival-Pass

Gespräche sowie Diskussionen mit Milica Tomić (10.10.), Ana Bezić, Christian Frosch, Bertrand Perz (11.10.), Igor & Ivan Buharov (14.10.), geführte Touren und vieles mehr

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