steirischer herbst ’19: (un-) komfortabel am Rande des Abgrunds

In der zweiten Saison unter Ekaterina Degot reist das Festival unter dem Motto Grand Hotel Abyss heuer vom Kalten Krieg bis in die Gegenwart und wagt den Blick in eine dystopische Zukunft.

Mit Grand Hotel Abyss (dt.: Grand Hotel Abgrund) schließt der steirische herbst von 19. September bis 13. Oktober unmittelbar an die Volksfronten vom Vorjahr an und blickt bis in die Tage des Kaltes Kriegs zurück: in eine Zeit, als britische Offiziere das Grand Hôtel Wiesler übernahmen und ihr Hauptquartier im Palais Attems aufschlugen – dort, wo sich heute das Büro des steirischen herbst befindet. So werden Geschichten über die Wohlfühlpolitik des Nationalsozialismus, sexuelle Praktiken der Zukunft, die unmögliche Entscheidung zwischen Faschismus und Nationalsozialismus im Tirol der 1930er Jahre bis hin zu Handelssanktionen für landwirtschaftliche Güter im gegenwärtigen Russland erzählt. Nicht zuletzt wagt das Festival den Blick in eine dystopische Zukunft, in der bestehende Kulturinstitutionen der Stadt in Cafés umgewandelt werden.

Die Metapher Grand Hotel Abyss des ungarischen Philosophen Georg Lukács münzt das Festival auf die eigene Präsentation der Steiermark als Genussregion in Zeiten zunehmender Ungleichheit um und setzt es ins programmatische Zentrum der künstlerischen Auseinandersetzungen.

[E]in schönes, mit allem Komfort ausgestattetes modernes Hotel am Rande des Abgrundes, des Nichts, der Sinnlosigkeit. Und der tägliche Anblick des Abgrundes, zwischen behaglich genossenen Mahlzeiten und Kunstproduktionen, kann die Freude an diesem raffinierten Komfort nur erhöhen.

Georg Lukács

KünstlerInnen und Programmvorschau

Pünktlich zum Verkaufsstart der Festival-Pässe hat Ekaterina Degot vergangenen Mittwoch die KünstlerInnen der 52. Ausgabe des Festivals und eine erste Vorschau aufs Programm präsentiert.

Das Kernprogramm zeigt Arbeiten folgender KünstlerInnen:

Ariel Efraim Ashbel and friends, Alexander Brener und Barbara Schurz, Cibelle Cavalli Bastos, Jasmina Cibic, Keti Chukhrov / Guram Matskhonashvili, Gegenpositionen (Eduard Freudmann, Thomas Geiger, Marlene Haring, Elizabeth Ward), Jeremy Deller, Bojan Djordjev / Goran Ferčec, Elmgreen & Dragset, Ian Hamilton Finlay, Jule Flierl, Giorgi Gago Gagoshidze, Riccardo Giacconi, Grupa Ee, Jakob Lena Knebl und Markus Pires Mata, The Life and Adventures of GL, Daniel Mann und Eitan Efrat, Oscar Murillo, Erna Ómarsdóttir & Valdimar Jóhannsson, Boris Ondreička, Manuel Pelmuș, Michael Portnoy, Blanka Rádóczy / Vladimir Sorokin, Hanna Rohn, Andreas Siekmann, Nedko Solakov, Andrei Stadnikov mit Vanya Bowden, Shifra Kazhdan und Dmitry Vlasik, Theater im Bahnhof, Michiel Vandevelde, Gernot Wieland, Jaśmina Wójcik, Zorka Wollny, Artur Żmijewski.

Fast ausnahmslos sind von 19. September bis 13. Oktober neue Auftragsarbeiten und eigene Produktionen zu erleben.

 

Das Festival startet am 19. September 2019 um 17:00 mit einer abendfüllenden Extravaganza voller Überraschungen. Die Veranstaltung beginnt im Landhaushof mit einer Polit-Oper von Zorka Wollny und zieht dann in ein prunkvolles Ballsaal-Interieur des Congress Graz. Cibele Cavalli Bastos, brasilianischer Sängerin und Künstler*in und der verführerische Avatar Sonja Khalekallon laden dort in eine immersive Installation. Begleitet wird dies von tableaux vivants der in Wien lebenden Künstlerin Jakob Lena Knebl (in Zusammenarbeit mit dem Musiker Markus Pires Mata) und der Grazer Performance-Künstler und Sexualpädagogin Hanna Rohn. Die Extravaganza entfaltet sich weiter mit Interventionen der Berliner Experimentalvokalistin und Tänzerin Jule Flierl, des Choreografen Manuel Pelmuş und der verstörenden globalen Nomaden Alexander Brener und Barbara Schurz, während das Künstlerduo Elmgreen & Dragset einen ironischen Beitrag zu Österreichs Konfiserie-Landschaft leistet. Den Höhepunkt des Abends bilden schließlich eine Lecture Performance von Gernot Wieland über Österreich und seine Genusskultur und eine spielerisch-apokalyptische Performance, die von dem außergewöhnlichen isländischen Duo Erna Ómarsdóttir & Valdimar Jóhannsson choreografiert wird.

An den Auftakt schließen vier Wochen Performances, Installationen und Filme inklusive begleitendem Parallelprogramm in Graz und weiteren Austragungsorten in der Steiermark an.

Der steirische herbst findet von 19. September bis 13. Oktober 2019 in Graz und weiteren Orten in der Steiermark statt.
Festival-Pässe sind bereits erhältlich.