🇦🇹 The Base: graues Blut

The Base

Es ist nicht alles im Oasch, wie es auf der aktuellen Single heißt: Wirklich gut ist nämlich „Lick A Stone Kill A Fly“, das neue Album von The Base.

Wir leben in Zeiten der Verschwörungstheorien. Verschwörungstheorie #1: Brian Ferry wollte den ultimativen Crooner erschaffen. Er nannte ihn Norbert Wally. Der Smoking passte perfekt. Statt Champagner, Seidenkrawatte und Bar-Jazz bevorzugte Wally aber Puntigamer, T-Shirt und krachenden Rock. Ferry hat seitdem nie mehr in Graz gespielt. Verschwörungstheorie #2: In den Songs von „Lick A Stone Kill A Fly“, das am 28. Jänner erscheint, sind geheime Botschaften versteckt, die die Zuhörer:innen ständig auf Repeat hämmern lassen und manische Tanzschritte auslösen.

Wahrscheinlich ist „Lick A Stone Kill A Fly“ aber ganz einfach ein straightes Meisterwerk und Norbert Wally die richtige Stimme, um den grau getönten Stories Blut und Seele einzuhauchen. Die knochentrockene Rhythmuspartie – Albrecht Klinger und Karlheinz Miklin – unterlegt diese Stories mit einem Drive aus Kargheit, Konzentration und Geradlinigkeit, der an die Entschlossenheit eines Kampftrinkers in seiner Lieblingsbar erinnert. Ein Trio – eine Einheit.

Und The Base wären nicht die hellwachen Seismographen, wenn sie nicht die gesellschaftlichen und seelischen Erschütterungen der letzten zwei Jahre in ihr aktuelles Album einfließen lassen würden. „When this is over I promise I’ll be a different person. Work out every morning and I’ll be as clean as my shoes.“ Na klar! Alles wird anders, alles wird besser. Danach. Versprochen! „I’ll be Sultan“ – diese phantastische Cinemascope-Ballade in grellen Farbtönen, die den Karren mit Tempo 160 an die Wand der Endstation Sehnsucht fährt. Mithilfe eines Bläsersatzes windet sich das Trio hier in eine bittersüße Verzweiflung à la Douglas Sirk. Melancholie: ja. Larmoyanz? Never ever!

„We’re watching Peaky Blinders all the time. Hope that they never find us.“ Die Serie als Beziehungskit. The Base liefern mit dem frischen Tonträger eine Rock ’n’ Roll Platte wie aus einem Guss. Wie beim Vorgänger „Tribal Instincts“ steht die Beschränkung auf das Wesentliche im Fokus: das Trio.

Beim Titelsong des Albums mit seiner brodelnden Atmosphäre zeigen The Base, dass man mit Schleichen schneller ans Ziel kommt als mit Laufen. Und Lee Hazlewood grinst verschlagen aus der hinteren Bildecke.

„Cure Your Fomo“ swingt sich mit knackigem Beat durch Isolation und die Angst, den Anschluss zu verlieren: „And you feel you’re disconnecting from your top 5 friends. And they don’t call it disco.“

„King of Drama“ – eine Ballade über die Macht der Lüge und die Lüge der Macht. Die Songs von „Lick A Stone Kill A Fly“ sind ein Liederbuch der Endzeit, allerdings kommt diese auch mit einer ordentlichen Portion Stagediven daher und lässt headbangend die Sau raus!

„So lean out of the window, try to pull up a smile. It’s not that everything’s fucked up.“ Wenn uns das die drei Herren von The Base versprechen, dann Glück gehabt, denn das Schlimmste kommt noch.

The Base sind ab Februar auf Tour durch ganz Österreich, für ausgewählte Termine gibt es Tickets bei oeticket.com.