Theater an der Wien: Nikolaus Habjan Director in Residence 19/20

Auf „A priori“ folgt in der kommenden Spielzeit das programmatische „In medias res“. Nikolaus Habjan, Andrea Breth und Amélie Niermeyer werden am Wiener Opernhaus inszenieren.

Der österreichische Maler Leopold Kogler stattet den Programmkatalog heuer mit seinen Bildern aus.

Ganze 13 Premieren, darunter zwei Uraufführungen im Rahmen des Beethovenschwerpunkts, umfasst die 14. Spielzeit des Opernhauses der Stadt Wien. Künstler*innen wie Christoph Waltz, Amélie Niermeyer, Andrea Breth, Nikolaus Habjan, Stefan Gottfried, Asmik Grigorian, Angelika Kirchschlager und etwa Marlis Petersen garantieren den gewohnt hohen Standard am Theater an der Wien.

Ein Baum weist den Weg

Schon bei der Präsentation im April letzten Jahres hat Intendant Roland Geyer das Vier-Jahres-Konzept vorgestellt, das 18/19 mit A priori „Im Morgengrau“ begann und in der kommenden Saison 19/20 In medias res geht. Ein sogenannter Programmbaum visualisiert die „Tagesmitte“ mit all ihren – summa summarum 25 – Produktionen aus dem 19. und 20. Jahrhundert. 

Drei große Wurzeln mit Stücken der beiden „Hausgötter“ Ludwig van Beethoven und Wolfgang Amadeus Mozart sowie Georg Friedrich Händel tragen die musikalischen Verästelungen samt künstlerischer (Baum-) Krone. So gelangt Mozarts letzte Oper La clemenza di Tito unter der musikalischen Leitung des diesjährigen Conductor in Residence Stefan Gottfried, dem Concentus Musicus Wien und erstmals in der Regie von Sam Brown Mitte Oktober zur Premiere. Eine Aufführung des Don Giovanni mit Erwin Schrott in der Titelpartie und La finta giardiniera mit William Christie vervollständigen die Mozart-Pflege. 

Beethovenjahr: Christoph Waltz

Beethoven war ein Künstler, der die Zukunft eingeleitet hat. Auch das Theater an der Wien will mit einem großen Beethovenfest in die Zukunft weisen. (Roland Geyer)

Anlässlich des Jubiläumsjahrs bringt das Wiener Haus im Frühjahr eine Neuproduktion von Beethovens Fidelio-Fassung aus dem Jahr 1806. Hollywood-Export Christoph Waltz inszeniert, seine Frau zeichnet sich für die Kostüme verantwortlich. Umrahmt wird das „Beethovenfest“ unter anderem von den beiden Uraufführungen Egmont (womöglich die erste Vertonung als Oper überhaupt!) und Genia mit dem Jungen Ensemble des Theater an der Wien (JET). 

Nikolaus Habjan: „Gretchen als Kollateralschaden ist ärgerlich“

Nikolaus Habjan gab mit dem Kopf des Mephisto erste Einblicke in seine Inszenierungen.

Nikolaus Habjan als Director in Residence beweist mit Charles Gounods Faust, dass Gretchen mehr als nur ein Kollateralschaden ist und setzt auch in Richard Strauss‘ Salome, zumindest ein wenig, auf selbstgebaute Puppen – plus auf die Wandelbarkeit von Sing-Schauspielerin Marlis Petersen.

Faust ist der Puppenstoff schlechthin. Und ich fand es ungerecht, dass Gretchen ein Kollateralschaden ist… das hat mich geärgert. (Nikolaus Habjan)

Mit der Inszenierung von Rusalka rückt zur Spielzeit-Eröffnung ähnlich Amélie Niermeyer ein Frauenschicksal ins Zentrum. Eine äußerst markante Frau wiederum grüßt nach ihrem (vorläufigen) Abschied von der Burg das Theater an der Wien: Andrea Breth, die mit ihrer Version von Sergei Prokofjews Der feurige Engel „für Furore sorgen wird“ (Roland Geyer).

Und sonst so?

Mit der lange nicht in Wien gespielten Händel-Oper Giustino kehrt Barock-Spezialist Markellos Chryssicos ans Haus zurück, markanten Frauenfiguren widmet sich die Stätte weiters mit La Vestale (Gaspare Spontini; R: Johannes Erath), Halka (Stanislaw Moniuszko, R: Mariusz Trelinski) sowie Norma (Vincenzo Bellini, R: Vasily Barkhatov + Asmik Grigorian als Norma!). Zehn konzertante Opern mit Spezialist*innen des Barocks runden die Spielzeit ab. 

Unser Urteil: Sehr sympathischer und ja, eindeutig ein bombastisch guter, neuer Spielplan des Theater an der Wien. 

Karten für die ersten Highlights der anstehenden Saison am Theater an der Wien sind bereits verfügbar.