Tina Naderer und die Geschichte zweier Herzen

Tina Naderer

Mit „Bleibst du bei mir“ und „Gecrasht“ hat die Niederösterreicherin Tina Naderer bereits von sich hören gemacht. In ihrer dritten Single „Richtig Falsch“ taucht sie weiter in Liebeswirren ein.

Das im Wiener Becken gelegene Ebergassing ist nun nicht unbedingt ein Touristenmekka, und auch die Liste der „großen Töchtersöhne“ der Gemeinde ist enden wollend: Fußballfans ist Walter Skocik ein Begriff, wurde er etwa mit Rapid vier Mal österreichischer Meister und drei Mal Cupsieger. Naturburschen haben möglicherweise von Hubert Peterka bereits gelesen: Er brachte es in seinem Leben auf mehr als 500 Erstbegehungen in den Ostalpen (etwa Gesäuse, Dachsteingebirge und Hohe Tauern) und verfasste zahlreiche wichtige Gebietsführer, etwa für die Glockner- und Venedigergruppe und die Lienzer Dolomiten. Klassik-Connaisseure hingegen werden wohl schon einmal – im wahrsten Wortsinn – von Luise Helletsgruber gehört haben: Die Sopranistin war Ensemblemitglied der Staatsoper zwischen 1922 und 1943, ab 1934 prägte sie mit ihrem Schwerpunkt auf Mozart-Partien die ersten fünf Spielzeiten des britischen Glyndebourne Festivals, bis 1938 sang sie regelmäßig Hauptrollen bei den Salzburger Festspielen.

Von ihrem knurrenden Magen getriebene Schleckermäulchen, Liebhaber der traditionsreichen österreichischen Küche, sind hingegen gänzlich unbewusst möglicherweise auf eine weitere, ebenfalls singende große Tochter Ebergassings gestoßen – eine, von der Wikipedia zu ihrer Schande noch nichts gehört hat: nämlich auf Tina Naderer, die Tochter des ortsansässigen Gastronomie-Ehepaars Josef und Silvia Naderer. Sie kredenzen in ihrem Gasthaus von einer Schnitzelplatte („für zwei“ ist die Empfehlung) über zahlreiche Pfandlgerichte bis hin zu „süßen Abschlüssen“ allerlei gute Beweggründe, Ebergassing letztlich doch auf der Landkarte zu finden. Und mit etwas Glück – so zumindest die verklärt-romantische Vorstellung – huscht während des lukullischen Taumels dann auch Tina durch die Gaststube und summt gedankenverloren eine eingängige Melodie …?

Zugegeben: Momente wie diese passieren im wirklichen Leben nur selten, dazu bräuchte es schon einige hochtalentierte Drehbuchverfasser aus Hollywood – doch glücklicherweise tut eine Gratwanderung am schmalen Pfad der Wahrscheinlichkeit mittlerweile nicht mehr Not, hat sich Tina schon längst aus der Gaststube hinaus, auf die Bühnen der Welt gewagt; Am Schwechater Stadtfest machte sie bereits vor Jahren aufhorchen, 2017 stieß sie in der siebten Staffel von „The Voice Of Germany“ im Team von Yvonne Catterfeld bis weit in die Entscheidungsrunden vor und 2019 hatte sie ein Feature mit dem Salzburger Rapper Dame.

2019 gab es aber auch ihre ersten eigenen Singles: Bereits mit ihrem offiziellen Einstand „Bleibst du bei mir“ widmete sie sich – von der authentischen, nicht gekünstelten Liebe ihrer Großeltern wie auch der ihrer Eltern inspiriert – dem großen Glück der ewigen Liebe und stellte, wenngleich in ein liebreizendes, dabei modernes Klanggewand gehüllt, einen erfrischend altmodischen und wundervollen Entwurf von Familie und Freundschaft vor. Dass Liebe nicht zwangsweise ewigen Bestand haben muss, davon erzählte sie im Herbst mit „Gecrasht“, ein Thema, das sie nun mit ihrer dritten Single „Richtig Falsch“ fortführt: Obwohl sie erst im Lenz ihres Lebens weilt entführt Tina Naderer – wie auch die Musikredaktion der Krone urteilt – mit verblüffender Glaubwürdigkeit, mehr noch: mit aufgeklärter Offenheit in eine berührende Geschichte zweier Herzen, die letztlich doch nicht im Zweiklang schlagen.

Freilich, gemeinhin mögen ältere Semester gern lächeln, wenn Jungspunde die große Liebe empfinden oder auch an ihrem Scheitern verzweifeln, sind sie nur zu gern überheblich der Meinung, dass das Gefühl von Liebe erst im Laufe der Adoleszenz erlernt werden muss, bevor über sie geurteilt werden kann. Dabei vergessen sie – und dies zeigt auch Tina Naderer in ihrem ergreifenden Stück Musik auf – dass Gefühle Emotionen und keine Arrangements sind, zu der sie – leider – manchmal im Fortschreiten des Alters verkommen. Viele intensive, erlebte Partnerschaften verebben zu unlösbaren, wechselseitigen Abhängigkeiten mit leblosen Überresten eines einstigen Eros, der längst nurmehr vor sich hinglimmt oder gänzlich erloschen ist. Tina Naderer bewegt sich hingegen im flüchtigen, unwiderstehlichen, geheimnisvollen Erleben – in einem Zauber, den sie sich hoffentlich nicht nur in ihren weiteren Musikstücken, sondern auch im Leben – wie auch ihre Großeltern und Eltern vor ihr – behält.

Tina Naderer spielt mit Band am 8. Mai im Pfarrzentrum Südtstadt [Tickets] und bereits am 24. April vor Johannes Oerding im Salzburger Rockhouse [ausverkauft] und am 25. April, ebenfalls vor Johannes Oerding, im Gasometer [Tickets].

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