Toto: Besuch in Österreich vor Pause

Toto

„40 Runden um die Sonne“ hat Toto bereits gedreht, dieses Jahr steht Österreich mit gleich zwei malerischen Stationen am Terminplan, bevor eine verdiente Pause eingereicht wird.

„Love, Peace & Rock’n’Roll“ – das beliebte Lovely Days Festival findet am 29. Juni im Eisenstädter Schlosspark Esterhazy seine Fortsetzung, bereits am Tag zuvor das Schwesternfestival Clam Rock auf Burg Clam. Für die kultigen Freiluftvergnügen konnte niemand Geringerer als die legendären Toto verpflichtet werden. Die Kultband rund um Gitarrist Steve Lukather hat mit Songs wie „Africa“ oder „Rosanna“ die Rockwelt geprägt. Als Einzelpersonen sind die Bandmitglieder auf erstaunlichen 5000 Alben zu hören. Mit mittlerweile über 40 Jahren gemeinsamer Bandgeschichte und zahlreichen Welthits sind sie Popkultur und gehören zu den wenigen Bands der Siebziger, die wechselnde Trends mitgelebt haben und somit eine weltweite Fangemeinde über mehrere Generationen erobert haben. Wir erreichten Steve Lukather daheim in Kalifornien.

Dein Terminkalender sieht supervoll aus. Wie geht’s?

Busy, busy. Die Jahre scheinen miteinander zu verschmelzen.

Im Juni kommst du mit Toto wieder nach Österreich …

Ich komme immer wieder gerne nach Österreich, es ist eines meiner Lieblingsländer. Die Familie meines Vaters, genauer: meine Urgroßmutter stammt ja von dort.

Hast du eine besonders spezielle Erinnerung?

Unser Tour-Manager wurde aus einem Hotel geworfen. Er hatte viel zu viel Schnaps getrunken und randalierte. Dann kam die Polizei und hat ihn verhaftet. Ich muss aber gestehen, dass ich selbst nichts davon mitbekommen habe, ich hab‘ geschlafen.

Wird es wieder die gleiche Besetzung wie zuletzt sein, also Dominique „Xavier“ Talpin statt David Paich, Steve Porcharo und Joseph Williams?

Ja, das wird wieder eine Freude. Wir werden die Set-List von der Tour im Vorjahr ein wenig verändern. Es gibt ein paar neue Songs, wir haben einige alte Stücke dazu genommen und die Titel für die Zugaben neu geordnet. Wir haben die ganze Show aufgepeppt. Die Fans werden glücklich sein. Leider kann David nicht mehr auf Tour gehen, das ist körperlich nicht mehr drin. Natürlich ist er aber nach wie vor Bandmitglied und bei allem was wir tun, steht sein Name mit drauf. Er bleibt involviert. Xavier macht einen Killer-Job, alles läuft bestens. Er wurde sofort von den Fans akzeptiert. Aber nach diesem Jahr ist es definitiv Zeit für eine Pause.

Seit Jahren bist du eigentlich nonstop auf Tour, solo oder mit Band. Ist das ein Energieschub im Alter?

Ja, die Tourneen mit Ringo Starr, mein Buch, jetzt arbeite ich auch noch an einer Dokumentation über Toto. Das wird aber noch einige Jahre dauern bis die fertig ist. Es gibt wirkliche Tonnen an Sachen zu tun. Es läuft derzeit grandios.

Ist dir denn sonst langweilig, wenn du nicht so viel arbeitest?

Nein. Ich habe die vergangenen neun Jahre wirklich viel gearbeitet, das ist alles ein wenig aus dem Ruder gelaufen. Es gab auch viel Scheiße. Wir haben Mike (Porcharco, Bassist, starb 2015 an ALS, Anm.) verloren. Gleichzeitig waren wir super erfolgreich. Es gab aber auch Klagen und solche Kacke. Es war gut, schlecht, gut, schlecht, gut, schlecht. Was die Konzerte betrifft, kann ich mich nicht beschweren, die liefen großartig. Eigentlich besser denn je. Wir genießen diese Zeit. Aber nach diesem Tour-Abschnitt gönnen wir uns ab Oktober eine längere Auszeit.

Deine Solo-Karriere liegt auf Eis?

Derzeit ja, aber für das nächste Jahr hab‘ ich einen Deal. Das heißt aber nicht, dass es Toto nicht mehr geben wird. Wenn wir zurückkommen wollen, tun wir das.

Toto waren in den Achtzigern eine Supergroup, danach schwächelte die Popularität. Heute ist die Nachfrage wieder enorm. Was ist deine Lieblingsperiode?

Wir haben als Kids begonnen. Im Alter von 19 Jahren hatten wir mit „Hold the Line“ den ersten riesigen Hit. Heute bin ich 61, diese Reise ist mein Leben. Mein ganzes Leben war ein einziges Konzert mit Toto. Wenn man die Highschool-Zeit mitzählt, sind das nun 45 Jahre. Das ist eine riesige Verpflichtung, für jeden in der Band. Wir hatten die Mischung von „the Good, the Bad and the Ugly“. Es war eine wilde Achterbahnfahrt. Es gab die besten Zeiten, die du dir vorstellen kannst und die schlimmsten. Alleine die Tatsache, dass es uns heute noch gibt, ist erstaunlich genug.

Viele Bands aus den Siebzigern gibt es ja nicht mehr.

Die Rolling Stones gibt es noch. Ringo tourt noch immer, er ist immerhin schon 79 Jahre alt. Er ist unglaublich. Er ist mein Held, ich liebe diesen Mann. Im Grunde genommen kannst du viele Sachen anstellen, solange du auf dich aufpasst.

Apropos Gesundheit, die war einige Zeit angeschlagen. Wie geht es dir heute?

Das war vor zehn Jahren, da hab‘ ich viel zu viel gesoffen, geraucht und eine Menge andere Scheiße gemacht.

Heute lebst du gesund?

Ja, eigentlich schon eine ganze Zeit lang. Ich war ein Teenager, als in den Achtzigern alles begann. Alles, was man über uns geschrieben hat, war wahr. Da denkt man nicht daran, dass man irgendwann älter wird.

Gibt es ein Geheimnis, wie man eine Band mehr als 40 Jahre zusammenhält?

Es zieht einen immer wieder zurück. Ich kann dir dafür keinen wirklichen Grund nennen. Die Menschen wollen uns sehen, sie wollen uns hören. Wir bekommen Angebote. Also warum sollten wir nicht auftreten? Es war zwar ab und zu sehr kompliziert, aber wir waren immer sehr erfolgreich. Heute ist das gar nicht so einfach, erfolgreich zu sein.

Macht das Musikgeschäft heute mehr Spaß als früher?

(lacht) Als ich jung und verrückt war und das Rock and Roll-Klischee gelebt habe, hatte ich eine Menge Spaß. Ich war jung, hatte mein erstes Hit-Album, alles war neu. Irgendwann hört man mit dem verrückten Zeug dann auf, weil es dich kaputt macht. Ich bin froh, da angekommen zu sein, wo ich heute bin. Ich würde nicht mehr zurückgehen wollen und alles noch einmal durchleben. Okay, einige Dinge würde ich schon gerne noch einmal machen. Sex zum Beispiel, das geht nicht mehr so wie früher (lacht). Alle Wege führen zum Hier und Jetzt. Es war ein wilder Trip.

Einerseits bist du Mitglied der Supergroup Toto, andererseits einer der berühmtesten und erfolgreichsten Side-Men und Studio-Musiker. Wie soll man dich in Erinnerung behalten?

Ich bin beides. Aber ehrlich, das Studio-Ding ist vorbei. Wir sind die letzte Generation an Musikern, die früher im Studio auftauche, ohne dass wir eine Ahnung hatten was passieren wird. Heute schickt man sich Files, das ist etwas ganz anderes. Es gibt zwar Studioarbeit, aber dafür gehst du nicht mehr ins Studio. Wir haben uns ohne Plan, ohne Ideen, ohne Demos hingesetzt und Riffs und Melodien gemeinsam entwickelt. Das hat mehr als zwanzig verdammte Jahre funktioniert. Dann haben sie die Regeln geändert. Zuerst haben sie das Geld aus dem Business genommen. Streaming ist großartig. Es ist nur scheiße, wenn du von deiner Musik leben willst: Wir haben Millionen an Streams und bekommen so gut wie kein Geld dafür. Aber die Manager geben sich gegenseitig 150 Millionen Dollar Boni. Ich liebe die Technologie, aber warum zum Teufel bezahlen sie uns nicht, die Musiker und Songwriter? Es ist wie Essen zu vergiften und dann den Leuten zum Kauf anzubieten.

Auf dem Live-Album „40 Trips Around the Sun“ gab es einige neue Songs. Ist ein Album in Planung?

Es waren vier neue Lieder. Aber nach den Konzerten im Oktober machen wir definitiv Pause und kein neues Album.

Elton John hört nach seiner Tournee mit 72 Jahren auf. Ist bei dir ein Datum für die Pension etwa auch schon in Sicht?

Ich werde es vielleicht langsamer angehen, aber aufhören? Dann wüsste ich nicht, was ich das ganze Jahr über mit mir anfangen soll. Ich bin Musiker. Ich liebe es, Musik zu machen. Aber mit 70 noch neun Monate im Jahr auf Tour zu sein? Nein, das glaube ich nicht. Ringo tritt mit seinen 79 noch immer auf und hat eine Menge Spaß. Wenn ich in diesem Alter noch spielen kann, werde ich das auch tun. Ich kann ja nichts anderes. Der Job ist ja toll. Aber das Reisen, die Zeit weg von daheim weniger. Nur die zwei Stunden live auf der Bühne zu stehen, das ist das Allergrößte!

Toto sind Headliner am Clam Rock (28. Juni, Burg Clam) und am Lovely Days (29. Juni, Schlosspark Esterházy). Es spielen u. a. auch noch Jethro Tull by Ian Anderson, Alpha Blondy und Birth Control.