Volbeat waren nie eine Metal-Band

Volbeat

Restlos ausverkauft, tobende Fans, und dazu Power-Rock für zwei Stunden: Volbeat gastierten wieder einmal in Wien und brachten die Masse zum Kochen.

Foto: Ross Halfin

Nur wenige Minuten vor der umjubelten Show, während gerade Danko Jones und Baroness die Stadthalle auf Betriebstempertaur aufheizten, nahm sich Rob Caggiano, der seit 2013 für den Gitarrensound der dänischen Superstars sorgt und davor für die Big-Four-Thrasher Anthrax in die Saiten griff, Zeit für einen !ticket-Talk.

Wie läuft die Tour?

Bisher großartig. Aber es sind nur noch ein paar Shows. Wir haben diese riesige Produktion, die Shows sind echt groß, überall ausverkauft, die Vibes sind großartig.

In ein paar Minuten geht es mit dem Wien-Konzert los. Habt ihr eine besondere Verbindung zu unserer Stadt?

Wir spielen gerne in Österreich. Seit ich in der Band bin waren alle Konzerte fabelhaft. Klar freuen wir uns jedes Mal, unser Ding durchzuziehen. Vor allem bei einem so großartigen Publikum in einer ausverkauften, tollen Halle. Ich bin schon ganz aufgeregt!

Volbeat wird heuer 18 Jahre alt. Kann man als Band erwachsen werden?

(lacht) Hell, yeah! Aber ich glaube, dass keiner von uns so richtig erwachsen ist. Wir sind im Herzen alle jung geblieben.

Wenn man das aktuelle Album „Rewind, Replay, Rebound“ anhört könnte man meinen, Volbeat sind im Hardrock-Mainstream angekommen, denn von Metal ist nicht mehr viel übrig. Wie denkst du darüber, von Medien noch immer als „dänische Metal-Band“ bezeichnet zu werden?

Für mich – und das werden alle in der Band bestätigen – war Volbeat nie eine Metal-Band. Klar gibt es Metal-Einflüsse, wir sind alle mit Bands wie Slayer, Metallica und Anthrax groß geworden, und ich habe ja selbst bei Anthrax gespielt! Natürlich lieben wir auch Iron Maiden und Judas Priest – wir lieben Metal allgemein. Deshalb wird das immer ein Teil unserer musikalischen DNA sein. Wir mögen aber auch andere Sachen wie Punk, Country und old-school Rock’n’Roll. Am Ende des Tages ist Volbeat eine Rock’n’Roll-Band. Es gibt kein Regelwerk für das Schreiben von Songs. Ein Titel kann Metal-Vibes haben, ein anderer Boogie Woogie-Einflüsse oder Rockabilly. Ich mag das alles. Volbeat als Metal-Band zu bezeichnen ist einfach nicht ganz korrekt.

Ich kann mich an ein Gespräch mit Dave Mustaine von Megadeth über Metal erinnern, als es nur um „schneller, härter, lauter“ ging …

Metal ist ein seltsames Ding. Über die Jahre haben sich so viele Subgenres entwickelt, es ist ein bisschen verwirrend. Mathcore, Thiscore, Thatcore… das ist ein Durcheinander. Ich denke über Musik nicht in dieser Art und Weise nach. Für mich ist das alles einfach Musik.

Einerseits wurde Volbeat 18, andererseits gibt’s im Video zu „Cheapside Sloggers“ neben Gary Holt (Slayer, Exodus) eine Kinder-Band zu sehen. Wer kam auf diese Idee?

(lacht herzlich) Das kam, weil wir nicht in dem Video vorkommen wollten. Nein – woher die Idee wirklich kam, weiß ich nicht mehr, aber sie war großartig! Diese Kids sind unglaublich, sie sind großartige Schauspieler und haben uns wirklich grandios gespielt, mit all ihren Moves! Mein Double war umwerfend.

Für etliche Songs des aktuellen Albums gibt es die unterschiedlichsten Videos. Ist das im Zeitalter des Internets wieder unerlässlich?

Wir sind aufgewachsen, als MTV richtig groß wurde. Als Kind bin ich am Bildschirm geklebt und hab‘ mir alle Videos dieser großartigen Bands reingezogen. Das war damals ein fettes Ding. Die Budgets für Videos waren riesig, es war eine ganz andere Industrie. Labels haben viel mehr in Bands investiert, die Alben wurden aufwändig produziert, die Menschen haben mehr Platten gekauft. Es waren ganz andere Zeiten. Damals waren Videos wirklich wichtig und für Erfolg unerlässlich. Danach gab es eine Zeit lang beinahe nichts. Heute, mit YouTube und dem Internet, sind Videos wieder super wichtig, aber in einer anderen Art und Weise. Es ist auf jeden Fall eine Möglichkeit, Menschen zu erreichen, die deine Musik nicht kennen. Videos sind nicht nur super wichtig, sondern auch eine coole Sache. Manchmal hilft es dabei, den Inhalt eines Songs klarer zu transportieren.

Du wurdest Anfang November 43: Wie fühlt sich das Altern im Musikgeschäft an?

Klar sind wir alle gesegnet, dass wir mit Musik unseren Lebensunterhalt bestreiten können, die Welt bereisen und live spielen. Älter zu werden ist eben unvermeidlich, egal, was du auch immer beruflich machst.

In einem Interview vor einiger Zeit meintest du, dass es unverantwortlich wäre, wenn man heute noch voll besoffen oder zugedröhnt auf eine Bühne geht. Ging dem Rock’n’Roll das Wilde verloren?

Für mich persönlich und jede Band, in der ich war, stand nie Party im Vordergrund. Als ich bei Anthrax eingestiegen bin, haben die Jungs nicht einmal Alkohol getrunken. Sie haben gar nichts genommen. Als ich dazu kam, war ich um einiges jünger als die anderen und etwas verrückter. Wie man in seinen Zwanzigern eben so ist. Ich habe aber nie Drogen genommen. Ich hab‘ einmal Weed mit einem Typen von den Deftones geraucht. Er kann sich sicher nicht mehr daran erinnern, das war 1998. Drogen haben mich nie interessiert. Ich bin nie mit Leuten abgehangen, die Drogen nahmen. Das ist nicht meine Szene, aber ich verurteile es auch nicht. Wenn das dein Ding ist, tu‘ es. Mir gibt es nichts. Auch in Volbeat nimmt keiner Drogen. Früher habe ich vielleicht ab und zu viel getrunken, aber auch das lasse ich heute bleiben.

Kann man sich das in einem Geschäft, in dem es um sehr, sehr viel Geld geht, auch gar nicht mehr erlauben?

Ja, das hängt alles zusammen. Wir sind ständig auf Tournee, unsere Shows sind lang und aufreibend, verlangen dir körperlich einiges ab. Wir mögen es, fokussiert zu sein, unsere Musik auf den Punkt zu bringen. Würde ich in einer Punk-Band in Bars spielen, wäre ich vermutlich öfters betrunken. (lacht) Zudem … es ist dieses: „Been there, done that.“ Es gibt keinen Grund, Dinge zu wiederholen. Für mich hat der Rock’n’Roll-Lifestyle sein Reiz verloren. Es macht nicht mehr so viel Spaß wie früher und vor allem die Hangovers sind unlustig. Deshalb vermeide ich das.

Im August ist das aktuelle Album erschienen, jetzt gibt’s die Tour. Was hält die Zukunft für Volbeat bereit?

Dieser Teil der Tour geht noch bis zum 1. Dezember, da ist das letzte Konzert in Kopenhagen. Danach machen wir ein paar Monate Pause, verbringen Zeit mit unseren Familien, machen einfach Urlaub. Dann geht es weiter mit Konzerten.

Es gibt Gerüchte, dass Anthrax an neuem Material arbeiten. Hast du zu ihnen noch Kontakt?

Erst vor wenigen Tage habe ich mit Anthrax-Gitarrist Scott Ian getextet. Die machen ihr Ding und das läuft derzeit auch sehr gut. Klar, müssen sie ein neues Album machen, definitiv!

Und wie sieht es mit deinem Side-Project, The Temple of the Black Moon, aus?

(lacht) Das ist derzeit eine häufig gestellte Frage. Ich hab‘ mit den anderen Jungs seit längerem nicht mehr gesprochen. Es ist etwas, was ich nach wie vor gerne umsetzten würde. Die Musik ist echt cool und ich denke, das wäre ein echt cooles Metal-Album. Ein einzigartiges Album, denn alle Musiker haben einen unterschiedlichen Background. Das Material ist geschrieben, es liegt herum.

Brauchst du abseits von Volbeat ein weiteres Ventil für deine Kreativität?

Derzeit ist Volbeat ein Vollzeit-Job, es gibt eine Menge zu tun. Mir fehlt die Zeit. Auch die anderen Jungs von Black Moon sind sehr beschäftigt, John spielt zum Beispiel mit The Cult. Ich bin aber noch immer sehr hungrig darauf, neue Musik zu machen, kreativ zu sein. Es gibt immer Zeugs, das ich gerne tun würde. The Temple oft he Black Moon ist garantiert etwas, was die Metal-Welt begeistert.

Wird dieses Album je erscheinen?

Darauf kann ich keine endgültige Antwort geben.

Aber es gibt ein Leben neben und nach Volbeat?

Ja, klar, ich bin Musiker. Ich werde spielen, bis ich nicht mehr stehen kann. Ich habe in meinem Leben viel Musik gemacht, mit den unterschiedlichsten Leuten gespielt und coole Sachen erlebt. Aber ich bin garantiert noch nicht am Ende. Im Gegenteil. Es fühlt sich an, als ob ich gerade erst begonnen habe.