Weil er homosexuell war: Sean Reinert als Organspender abgelehnt

Sean Reinert

Der im Jänner verstorbene Cynic-Schlagzeuger wollte nach seinem Tod seine Organe spenden. Durfte er aber nicht, weil er ein sexuell aktiver Homosexueller war.

Foto von Wikipedia

Vergangenen Monat starb der amerikanische Schlagzeuger Sean Reinert, der etwa wegweisende Alben wie „Human“ (Death) und „Focus“ (Cynic) mit seinem progressiven, distinktiven Spiel maßgeblich prägte. Sein letzter Wunsch: Er wollte, dass seine Organe nach seinem Tod gespendet werden. Dieser wurde ihm jetzt, wie sein Witwer Tom Snyder vergangenen Montag publik machte, nun verwehrt: Weil Reinert ein sexuell aktiver Homosexueller war, werde man von seiner Spende „keinen Gebrauch machen“.

Reinert hatte sich 2014, zeitgleich mit seinem Bandkollegen Paul Masvidal, öffentlich als schwul geoutet und ist neben Rob Halford von Judas Priest und dem norwegischen Black Metal-Musiker Gaahl (ex-Gorgoroth) einer der prominentesten homosexuellen Metalmusiker. Man möchte denken: Im 21. Jahrhundert ist die sexuelle Orientierung – zumindest in der vermeintlich „aufgeklärten“ Welt – einerlei oder zumindest Privatsache. Das U.S. Department of Health & Human Services – und der Name wirkt eingedenk des Vorfalls wie ein Hohn – sieht das jedoch etwas anders.

Snyder erklärte, dass er kurz nach Reinerts Tod vom Krankenhaus einen Anruf bekam und nach ein paar Standardfragen auch nach dessen sexuellen Orientierung gefragt wurde. Wahrheitsgemäß gab er zu Protokoll, dass Reinert homosexuell war – um hierauf darüber informiert zu werden, dass er somit als Organspender nicht in Frage käme. Hat man in Amerika des 21. Jahrhunderts etwa Angst, dass sich Homosexualität durch Organspenden übertragen lässt? Vielleicht. Aber:

Der Grund für die Ablehnung ergibt sich aus den Richtlinien des US-Gesundheitsministeriums für Organtransplantationen aus dem Jahr 2013. Als eines der „12 medizinischen oder sozialen Anamnesekriterien“, die zu einem „Spender mit erhöhtem Risiko“ (IRD) führen, sind „Männer, die innerhalb der 12 Monate vor der Organentnahme Sex mit Männern (MSM) hatten“ aufgeführt, dabei scheint es unerheblich zu sein, ob man einen monogamen Lebensstil gepflegt hat oder nicht. Reinert war zum Todeszeitpunkt weder HIV-positiv noch hatte er andere Geschlechtskrankheiten.

Das Traurige dabei: Als vermeintlich fortschrittlich, aufgeschlossen denkender Österreicher darf man nicht einmal mit einem Finger auf das so oft rückschrittlich wirkende Amerika zeigen, denn hierzulande (und übrigens auch in Deutschland und der Schweiz) sind laut Rotes Kreuz homosexuelle Männer gar als Blut- und Plasmaspender „aufgrund eines signifikant höheren HIV-Infektionsrisikos“ ausgeschlossen, seit 2019 immerhin nur, sofern sie innerhalb der letzten 12 Monate Geschlechtsverkehr hatten. Grund dieses Ausschlusses ist das verbleibende Restrisiko bei der Diagnostik, das trotz modernster PCR-Testung nicht ausgeschlossen werden kann. Somit werden selbst homosexuelle Männer, die innerhalb des letzten Jahres geschützten Verkehr praktizieren, von der Blutspende ausgeschlossen, weil das Kondom keinen 100%igen Schutz vor Ansteckung bietet. Auf den ersten Blick liest sich das vielleicht sogar vernünftig, nur: Es müsste nach Risikoverhalten, und nicht nach Risikogruppen gewertet werden: der einzig bekannte Fall der letzten Jahre, bei dem HIV in Österreich durch Blutkonserven übertragen wurde, erfolgte etwa durch die Spende einer heterosexuellen Frau. Bei allen Sicherheitsbedenken: Auch „schwules Blut – und Organe“ – können Leben retten. In Frankreich wurde die Wartezeit der Risikogruppe immerhin nun auf vier Monate reduziert, soll ab 2022 komplett fallen, weil: Dort will man künftig tatsächlich das Verhalten von homo-, bi- und heterosexuellen Menschen gleichermaßen bewerten.

Das originale Statement findet man auf der Facebook-Seite von Sean Reinert:

My husband Sean was an organ donor. He believed that when he passed on if his organs could go to someone in need that it…

Gepostet von Sean Reinert am Montag, 10. Februar 2020

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