Wie klingt Edvard Munch?

Munch

Im Juni 2020 eröffnet Lambda, das neue Munch Museum, in Oslo. Zu diesem Anlass haben sich vier aufstrebende norwegische Künstler von Edvard Munchs Gemälden zu musikalischen Interpretationen inspirieren lassen.

Edward MunchBetrachtet man ein Gemälde, beginnt bei vielen automatisch eine Melodie im Kopf zu spielen. Musik, die berührt und zum Nachdenken über die Arbeit anregt – zum Beispiel über die des norwegischen Malers und Grafikers Edvard Munch (1863–1944). Sein äußerst bewegender Umgang mit psychologischen Themen stützte sich auf einige der Hauptprinzipien des Symbolismus des späten 19. Jahrhunderts und beeinflusste den deutschen Expressionismus zu Beginn des 20. Jahrhunderts stark. Sein bekanntestes Werk „Der Schrei“, 1893 gemalt, ist eines der berühmtesten Gemälde der Welt.

Nachdem kommenden Sommer das neue Munch Museum in Oslo eröffnet, haben vier norwegische Künstler ausgehend von selbst gewählten Munch-Gemälden Musik produziert. Die Auswahl der Künstler ist so vielfältig wie die umfassenden Arbiten von Edvard Munch selbst. Matoma (featuring Ruben) ist für seine kompromisslos eingängigen Hits und 9 grader nord für ihren energischen Folk bekannt. Ein interessanter Gegensatz dazu ist die Band 1349, die eine der etabliertesten Black-Metal-Bands ist, während für Gundelach sein „Nordic Noir“-Sound charakteristisch ist. Sie alle bringen Herzblut, Schweiß und Tränen in die Interpretationen ein. Das Ergebnis sind vier unterhaltsame Filme.

Die Musiker konnten die Gemälde frei wählen, und während einige für bestimmte Stücke einen besonderen Platz in ihrem Herzen hatten, konzentrierten sich andere eher auf die Übereinstimmung von Themen und Tönen. Das Ergebnis sind sehr unterschiedliche Titel zur Feier der Eröffnung des neuen Munch Museums im Jahr 2020 sowie großer internationaler Munch-Ausstellungen in Städten wie Tokio, Moskau, London und Peking. Das neue Museum Lambda wird eine Attraktion für sich sein, entworfen vom weltbekannten spanischen Architekten Juan Herreros. Es wird nicht nur Munchs Kunstwerke beherbergen, sondern auch spannende Wechselausstellungen und Veranstaltungen. Das Museum wird auch im Kontrast zu den umliegenden Gebäuden stehen, mit dem Oslofjord, der sich in den riesigen Glasflächen spiegelt. Zweifellos wird es Aufmerksamkeit auf die Attraktivität und Zugänglichkeit der Werke von Edvard Munch richten. Immerhin ist er einer der einflussreichsten und inspirierendsten Künstler aller Zeiten – auch in der Welt der Musik.

Munch und Matoma: Die Pubertät

Matoma ist einer der großen DJ-Namen der Welt und kommt aus Trondheim, der drittgrößten Stadt Norwegens. Dort kreiert er seinen unverwechselbaren Dance-Pop-Crossover im nordischen Stil. Hinter dem Künstlernamen Matoma steht Tom Stræte Lagergren, ein Produzent und Komponist, der die Suche nach neuen Klängen mit dem Bergsteigen vergleicht.

„Ich mache fröhliche Musik“, sagt Matoma. Sein erster Release war der Tropenhaus-Remix von „Old Thing Back“ von Notorious BIG. Seitdem arbeitete er zusammen mit Snoop Dogg, Aoki, Coldplay, Sean Paul, Dua Lipa, Enrique Iglesias, Noah Cyrus, Astrid S und vielen mehr. Insgesamt wurden seine Tracks mehr als eine Milliarde Mal gestreamt.

Matoma wählte die Stimme des Songwriters und Produzenten Ruben Markussen, um das Edvard Munch-Projekt mit Leben zu füllen. Ruben begann Musik zu machen, um mit seinen eigenen Erfahrungen mit psychischen Problemen umzugehen und zu erklären, was er durchmachte. Mit 13 Jahren verliebte er sich in die Musik und veröffentlichte sieben Jahre später seine erste Single. Der Elektropop-Künstler hat auf Spotify in kürzester Zeit Millionen von Streams erreicht.

Munch und 9 grader nord: Das kranke Kind

Ein spontanes Lied zum Mitsingen auf Tamilisch? Vor einem Publikum, das die Sprache überhaupt nicht kennt? Dies ist Teil der Magie, die passiert, wenn die Bergener Band 9 grader nord auf Tournee geht. Die Vier scheuen sich nicht vor dem Außergewöhnlichen. Sie spielen Instrumente wie Bambusflöte und Cajón-Trommel und mischen unterschiedliche Musikrichtungen wie Flamenco, Baila und Jazz. Auf der Bühne ist die Band als reiner Energieschub bekannt. Der Name 9 grader nord (Norwegisch für 9 Grad Nord) bezieht sich auf die Lage der Stadt Jaffna in Sri Lanka, aus der die beiden weiblichen Bandmitglieder, die Schwestern Mira und Dipha Thiruchelvam, stammen. Zusammen mit Jakob Sønnesyn und Jakob Sisselson Hamre produzieren sie Folk, der Musikkritikern zu Folge Grenzen überschreitet.

Munch und 1349: Der Todeskampf

1349 ist ein ungewöhnlicher Name für eine Band. Natürlich hat die Zahl eine Bedeutung: 1349 ist das Jahr, als die große Pest mehr als 60 Prozent der norwegischen Bevölkerung tötete. 1349 entstand 1997 aus Alvheim heraus, die Band selbst beschreibt ihre Musik als „Gehör-Höllenfeuer“. „Es braucht vielleicht etwas Zeit, um sein Ohr zu trainieren, um ein Genre wie Black Metal zu hören“, sagt Idar Burheim alias Archaon. Mit ihrem unumstößlichen, düsteren Sound kombiniert mit einem unnachgiebigen, aggressiven Rhythmus, gelten 1349 als Pioniere in der Black Metal-Szene und haben immer mehr treue Fans. Ausdauer ist ein Markenzeichen des Quartetts, das neben Idar Burheim aus Tor Stavenes (Seidemann), Olav Bergene (Ravn) und Kjetil Haraldstad (Frost) besteht.

Munch und Gundelach: Selbstportät in der Hölle

Kai Gundelach aus Oslo kombiniert Genres wie R&B und Elektropop und beweist, dass man zu dunkler und introvertierter Musik durchaus tanzen kann. Er selbst sagt: „Ich schaffe melancholische Musik mit Hoffnungsschein.“ Gundelach ist seit langem ein einflussreicher DJ-Name in der norwegischen Hauptstadt. Seine Karriere machte einen großen Sprung, als das Musikmagazin New Musical Express sein Klanguniversum begeistert als „Elektro-Noir“ vorstellte. Seit der Veröffentlichung seiner ersten Single „Alone in the Night“ im Jahr 2015, gefolgt von seinem Album „Gundelach“ kurz darauf im Jahr 2016, ist er einer der gefragtesten Festival- und Konzertkünstler Europas. Er teilt seine introvertierten Gefühle weiterhin mit einem stetig wachsenden Publikum. Übrigens, Pharrell Williams ist auch ein Fan.

Munch

Von links oben im Uhrzeigersinn: „Das kranke Kind“ (1925) zeigt den Moment, bevor Munchs ältere Schwester Johanne Sophie (1862–1877) im Alter von 15 Jahren an Tuberkulose stirbt. Munch kehrte in seiner Kunst über einen Zeitraum von mehr als 40 Jahren immer wieder zu diesem tief traumatischen Ereignis zurück. In „Pubertät“ (1894) schafft Edvard Munch ein Bild von Angst und Unbehagen. Das Drama eines Mädchens, das zur Frau wird, spielt sich in einem fast abstrakten Raum ab. Über das „Selbstporträt in der Hölle“ (1903) sagt Munch selbst: „Ich hatte immer das Gefühl, dass ich ungerecht behandelt wurde, ohne Mutter, krank und in ständiger Erwartung, dass ich einmal in der Hölle schmoren würde.“ Auch der „Todeskampf“ (1915) ist autobiographisch: Edvard Munch war zutiefst betroffen von den vielen Verlusten seiner Familienmitglieder. Sein ganzes Leben lang porträtierte er Szenen über den Tod und das Sterben. Sein experimenteller Umgang mit Farbe zeigt den Tod als Ort, an dem sich Körper und Geist treffen.