Wiener Blond sind „endlich salonfähig!“

Für ihr heute erscheinendes Live-Album hat sich das Duo Unterstützung vom Wiener Salonensemble geholt. Wir haben Verena Doublier und Sebastian Radon zum Interview gebeten.

Foto: Theresa Pewal

„Endlich salonfähig!“ – So heißt das Live-Album, für das sich das Duo Wiener Blond mit dem Original Wiener Salonensemble zusammengetan hat. Die Aufnahmen für das neue Werk, das am heutigen Freitag erscheint, entstanden bei gemeinsamen Auftritten in ganz Österreich. Wer mit dem klassischen Oeuvre des Beatbox-Pop-Duos Wiener Blond vertraut ist, wird überrascht sein, wie verwandelt da so manch bekanntes Lied in Streicherklänge getaucht klingt. Auch die eigens für dieses gemeinsame Projekt neu komponierten Stücke ergänzen eindrucksvoll die schon bekannten „Klassiker“ wie den „Öffi-Walzer“ oder den „Letzten Kaiser“. Wiener Blond gibt es übrigens auch live zu erleben, etwa diesen November in St. Pölten und Salzburg oder nächstes Jahr in Wien und Götzis. Wir haben Verena Doublier und Sebastian Radon von Wiener Blond zum Interview gebeten.

Hallo Verena, Hallo Sebastian. Mit euren Liedern begebt ihr euch immer wieder auf die Suche nach der „Wiener Seele“. Seid ihr dieser Seele nun schon auf die Spur gekommen?

Verena: Wir nehmen diese Suche nicht so unfassbar ernst, weil wir mit unserer Musik keine soziologische Studie betreiben wollen. Kurz und knapp gesagt, wollen wir vor allem darüber reflektieren, was um uns herum passiert und wie es uns damit geht. Natürlich gibt’s dabei immer wieder satirisch-kritische Momente, aber wir lassen auch den Humor nicht zu kurz kommen. Die Hauptsache unserer Suche ist, dass wir und das Publikum uns gut unterhalten.

Durch eure Zusammenarbeit mit dem Original Wiener Salonensemble kommen jetzt Streichinstrumente zum Einsatz, auch euer neues Album „Endlich Salonfähig“ wurde gemeinsam mit dem Salonensemble aufgenommen. Wie ist diese Kollaboration zustande gekommen?

Verena: Anna Starzinger, die Cellistin des Ensembles, war unsere Studienkollegin. Sie fand unsere Lieder charmant und hat sie dem „Kapellmeister“ Lukas Rath vorgespielt. Die beiden sind dann zum Schluss gekommen, dass es eine gute Idee wäre, unsere beiden musikalischen Welten zusammenzuführen. Vor etwa zwei Jahren haben wir mit dem Salonensemble die ersten gemeinsamen Lieder bei unseren Konzerten als Einlagen gebracht und das Ergebnis hat uns allen sehr gefallen. Also haben wir diese Zusammenarbeit intensiviert und das Ergebnis ist unsere neue Platte und viele weitere gemeinsame Konzerte mit den Streichern des Salonensembles.

Über Wiener Blond

Verena Doublier und Sebastian Radon singen seit 2012 als Wiener Blond gemeinsam an gegen das Klischee der trügerischen Wiener Weinseligkeit. Im Mittelpunkt ihrer Kompositionen stehen ihre teils bissigen, teils wahnwitzigen Texte. Dabei kokettieren sie stets mehr mit Absurdität als mit Abgründigkeit, mehr mit Alltag als mit altvaterischer Wirtshausromantik. Man könnte sagen: hier wird eine Melange aus Melancholie, Melodien und Meldeamt kredenzt. Ihr neues, gemeinsam mit dem Original Wiener Salonensemble aufgenommenes Live-Album „Endlich salonfähig“ erscheint am heutigen Freitag..

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Wie würdet ihr eure musikalische Entwicklung in den letzten zwei, drei Jahren bezeichnen?

Verena: Wir haben ja immer besonders gerne Dinge ausprobiert. Zu Beginn war es der Clash aus Beatbox, Groove und Hip-Hop auf der einen Seite und Gesang und Melodie auf der anderen Seite. Durch den Erfolg vom „Letzten Kaiser“ – es ist das Lied, das die meisten Leute mit uns verbinden – sind wir in die etwas ruhigere Schiene hineingestolpert und diese Schiene hat auf Festivals und in den Konzertsälen immer gut funktioniert. Jetzt war es soweit, dass wir uns schlussendlich Unterstützung aus diesem Lager der Klassik, der Streichinstrumente geholt haben. Das Beatboxen und Groovige bringen wir natürlich trotzdem noch live, aber nicht mehr als bestimmenden Bestandteil unserer Konzerte, eher als Einlage. Jetzt wollen wir mit den Streichern das Publikum „streicheln“, gleichzeitig sollen unsere Texte aber wieder ein bissl Absurdität und Satirik in das Gesamtgeschehen hineinbringen.

Die neue Platte „Endlich Salonfähig“ ist ein Live-Album. Heißt das, dass ihr euch auf der Bühne wohler fühlt als im Studio?

Sebastian: Uns gefällt es sowohl im Studio als auch auf der Bühne. Auf der Bühne deswegen, weil wir zwei auch irgendwie Rampensäue sind. Wir hatten schon mit dem Beginn des Zusammenspiels mit dem Salonensemble den Gedanken, ein Live-Album zu machen, weil man diese Stimmung einfach nicht so gut im Studio einfangen kann wie auf der Bühne. Also haben wir für das neue Album mehrere unserer Konzerte aufgenommen und bei der Auswahl die Rosinen, die besten Aufnahmen, herausgepickt.

Könnt ihr etwas zu den Songs des neuen Albums sagen?

Sebastian: Die neue Platte ist eine illustre Mischung. In einem Lied geht es zum Beispiel um Frisuren. Bei einem anderen Lied wird die eigene Komfortzone behandelt und wie es viele Menschen oft nie so richtig schaffen, aus dieser Komfortone auszubrechen. Es gibt auf der Platte insgesamt vier Nummern – „Diese Stadt“, „Voulez Vous“, „Ein Kasperl muss man sein“ und „Was wird die Edeltraud sagen“ – die wir nur für die Kollaboriation mit dem Original Wiener Salonensemble geschrieben haben.

Ihr spielt ja mittlerweile durchaus große Konzerte, darunter etwa ein ausverkauftes Konzert im Wiener Musikverein. Wie geht’s euch mit solchen Erfolgen?

Verena: Ich kann nicht mehr schlafen und anonym in der Ubahn fahren, alle Leute schenken mir Sachen (lacht) Im Ernst, wir haben vor drei Jahren schon mal im Musikverein gespielt und treten jetzt dort zum zweiten Mal auf. Mich hat es sehr gewundert, dass diese alten ehrwürdigen Häuser sich uns überhaupt öffnen. Das war für mich eine sehr positive Überraschung, aber ich spiel auch genauso gern in einem Gürtel-Club.

Und wie gehts Wiener Blond bei Auftritten in den Bundesländern, also außerhalb von Wien?

Sebastian: Es gibt ja das Klischee, dass die Wiener nicht so beliebt sind in den Bundesländern, aber das empfinden wir gar nicht so. Wir werden dort sehr freundlich aufgenommen und die Stimmung ist immer sehr gut, vor allem in Tirol.

Verena: Wir spielen mittlerweile auch Konzerte in Deutschland, vor allem in Bayern. Dort kommen viele Leute zu unseren Konzerten, die dann begeistert berichten, dass sie auch mal ein paar Jahre in Wien gewohnt haben und mit der U6 gefahren sind. Also diesen Nostalgie-Bonus, den haben wir schon. Oder in Graz kommen Leute und sagen, ich hab in Wien studiert oder mein Partner kommt aus Wien und jetzt find ich so toll was ihr macht (lacht) Aber im Endeffekt geht es dann schon mehr als nur um Wien. Die Themen und Texte sind schon ein bissl weiter und die Musik selbst auch. So war es für mich eine schöne Überraschung, dass unser Konzert in Vorarlberg echt sehr gut besucht war und gut bei den Leuten angekommen ist.

Wiener Blond und das Original Wiener Salonensemble – Endlich salonfähig!

1. Spritzwein (live)
2. Glück g’habt (live)
3. Der Öffi-Walzer (live)
4. Vollbad (live)
5. Ein Kasperl muss man sein (live)
6. Diese Stadt (live)
7. Voulez Vous (live)
8. Was wird die Edeltraud sagen? (live)
9. Roterdstrossn (live)
10. Der Letzte Kaiser (live)

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Zurück nach Wien: Welche sind eure absoluten Lieblingsorte in der Stadt?

Verena: Für mich ist das ganz einfach. Ich bin meistens im zweiten Bezirk, bin hier auch aufgewachsen und zur Schule gegangen. Wenn ich aber mal „weg“ will von allem, dann suche ich mir immer die Rückzugsorte in den Wäldern entlang der Prater Hauptallee, wo es ja immer noch Rehe und Wildtiere gibt. Ich mag diese Mischung: Da gibts einerseits die Autobahn und andererseits flitzt ein Reh durch die Gegend, das finde ich wunderschön. Ich liebe den Prater, es ist ganz großartig.

Sebastian: Ich bin im neunten Bezirk und mag besonders gern das Servitenviertel, wo man das Dörfliche in der Stadt hat.

Zum Abschluss: Wie geht es euch als Vertreter des Wiener Liedes mit dem berühmt-berüchtigten Wiener Grant?

Verena: Den unfreundlichen Busfahrer oder Kellner hab ich selbst mittlerweile akzeptiert und wunder mich gar nicht mehr drüber. Mir gehts mittlerweile eher umgekehrt: wenn ich zum Beispiel am Land bin, irgendwo spazieren gehe und die Leute grüßen mich – ich bin dann oft nicht sicher, ob das jetzt wirklich ernst gemeint ist.

Wiener Blond

  • 15.11.2019 – St. Pölten, Bühne im Hof
  • 19.11.2019 – Salzburg, Kleines Theater
  • 31.01.2020 – Götzis, Kulturbühne Ambach
  • 25.05.2020 – Wien, Stadtsaal

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