Die Wiener Festwochen 2018

Ersan Mondtag, Dries Verhoeven, Wael Shawky und viele weitere KünstlerInnen garantieren fünf Wochen feinsten Kulturgenuss. Tickets für die Wiener Festwochen sind ab sofort auf oeticket.com erhältlich.

Terrorist*innen und Politiker*innen aller Lager schaffen zunehmend ein Theater der Angst, in dem wir nicht mit einer konkreten Gefahr, sondern mit möglicher Gefahr konfrontiert sind. Das hat Konsequenzen–für uns persönlich und für die Art und Weise, wie wir unsere Gesellschaft gestalten. (Dries Verhoeven)

Die allgegenwärtige Inszenierung von Angst wie Ängsten als auch deren Auswirkungen auf die/den Einzelne/n und die Gesellschaft sind laut dem Intendanten Tomas Zierhofer-Kin die dominierenden Themen bei den Festwochen 2018. Dabei will sich das Festival weder anmaßen, die Welt zu verstehen, noch sie zu erklären. Stattdessen wird auf die Kraft der Kunst beziehungsweise der Künstler/innen vertraut. Dafür sollen von 11. Mai bis 17. Juni Uraufführungen, Koproduktionen und Gastspielen dazu anregen, die Welt in ihrere Komplexität mit einem anderen Blick zu erfassen und zu begreifen.

Die Programm-Highlights der Wiener Festwochen 2018:

Dries Verhoeven – Phobirama | Ganz im Zeichen der Angst zeigt der niederländische Künstler eine Geisterbahn des Unheimlichen und der neuen Ängste mitten im Museumsquartier. Die performative Installation spielt mit der Anziehungskraft des Erschauderns und führt die Mechanismen von Angst, Verunsicherung, Skandalisierung und Überwachung vor, die einen täglich umgeben.

Gisèle Vienne – Crowd | 15 junge Tänzer/innen, Techno-Beat, Zeitlupe. Das ist der Mikrokosmos, in dem die französisch-österreichische Choreografin Konflikte, die innerhalb einer Gruppe junger Menschen aufflackern, untersucht. Im Sog der Tracks – eine Auswahl von Peter Rehberg – entfaltet sich im Zusammenspiel mit Licht und Bewegung die Magie eines Rave.

Boris Charmatz – 10000 gestes | Umso rascher folgen die Gesten – keine einzige wird wiederholt – im Wimmelbild mit den Klängen aus Mozarts Requiem in D-Moll aufeinander. Ist ein Detail entdeckt, entschwindet es auch schon wieder. Mit „10000 gestes“ hat Charmatz ein hypnotisches Werk erschaffen, das sowohl als animiertes Gemälde im Stil von Hieronymus Bosch, aber auch als künstlerischer Kommentar zu gesellschaftspolitischen Dynamiken gesehen werden kann.

Superamas – CHEKHOV Fast & Furius | „Wenn man es sich recht überlegt, bin ich sehr, sehr unglücklich.“ Verbitterung, Langeweile und Selbstmitleid kennzeichnen die gescheiterten Existenzen, die Tschechow Ende des 19. Jahrhunderts in „Onkel Wanja“ porträtiert. Das französisch-österreichische Performance-Kollektiv nimmt sich Tschechows vermeintlicher Komödie an – „mit Werktreue ist hier nicht zu rechnen“ (Die Presse).

Susanne Kennedy – Die Selbstmord-Schwestern/The Virgin Suicides | Eine „psychodelische Reise in den Tod“ (heute.at) inszeniert Susanne Kennedy – übrigens erstmals in Österreich zu sehen – anhand Jeffrey Eugenides‘ Roman „The Virgin Suicides“ und dessen Verfilmung von Sofia Coppola (1999). Das Publikum folgt den Mädchen auf ihrer Reise anhand der Struktur des Tibetanischen Totenbuchs. Sterbebegleiter ist der LSD-Guru Timothy Leary.

Ersan Mondtag – Die Orestie | Ebenso zeigt Mondtag, 2016 von Theater heute zum Nachwuchsregisseur des Jahres gekürt, mit Aischylos‘ Grundlage erstmals eine seiner Inszenierungen in Österreich. Text getreu und mit vertonten Chören, gibt Mondtag einen subjektiven Blick auf die europäische Theatergeschichte und auf die Geburtsstunde der Demokratie europäischen Verständnisses.

New Order + Liam Gillick – ∑(No,12k,Lg,18Wfw) | Ein Jahr lang arbeiteten der Künstler und Autor Liam Gillick und die Band New Order mit dem Komponisten Joe Duddell daran, das Material der Band zu dekonstruieren, zu reflektieren und anschließend in einem neuen Kontext zusammenzusetzen. Eine Wall of Sound wurde als musikalischer Kommentar hinzugefügt, die immersive Lichtarchitektur von Gillick reagiert während des Konzerts auf die Musik – so geht die Neuerfindung einer Band aus dem Geist der Kunst.

Hotel Modern – Kamp | Ein Miniatur-Modell des Lagerkomplexes von Auschwitz, fingerlose Figurinen, drei Spieler/innen als übergroße Kriegsreporter/innen. Mittels Mikrokameras wird das Spiel mit den Figurinen, der Alltag im Lagerkomplex von Ausschwitz, auf eine Leinwand übertragen. Die 13 Jahre alte Arbeit wird 80 Jahre nach dem „Anschluss“ Österreichs erstmals in Wien zu sehen sein.

Ong Keng Sen zeigt die koreanische Version der „Troerinnen“ des Euripides, Wael Shawky das Thema des Rolandslieds aus arabischer Sicht und in „FEED.X“ wird erstmals die Neubearbeitung von Kurt Hentschlägers ikonischer Arbeit „FEED“ präsentiert. Christiane Jatahy orientiert sich in „The Walking Forest“ an Shakespeares „Macbeth“. Schon 2017 in München Premiere hatte Christoph MarthalersTiefer Schweb“ – ein absurd-komisches Stück, in dem Beamte planen, außereuropäische Flüchtlinge im Bodensee unterzubringen.

Die Reihe Hyperreality widmet sich mit „Club Culture“ dem Club als Ort, an dem gesellschaftliche Zwänge und Mechanismen außer Kraft gesetzt und neue Gesellschaften gedacht wie auch erprobt werden können.

Die Festwochen 2018 wollen sich weder anmaßen, die Welt zu verstehen, noch, sie zu erklären; wir vertrauen auf die Kraft der Kunst. (Tomas Zierhofer-Kin)

Bilder (v.r.n.l.): Thomas Aurin, Kurt Hentschläger, Armin Smailovic, Tristram Kenton, Willem Popelier
Quellen: festwochen.at, diepresse.com, heute.at

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