Wir lassen uns den Rock’n’Roll nicht nehmen!

Nova Rock 2021

Reverend Backflash, Kaiser Franz Josef, Black Inhale sowie Seiler und Speer eint ganz klar ihre kämpferische Ansage: „You Can’t Cancel Rock’n’Roll!“ Das machten sie nicht nur im persönlichen Gespräch klar – sondern auch live und laut vor laufender Kamera …

„You Can’t Cancel Rock’n’Roll“ ist nicht nur das Motto vom Nova Rock 2021 …

Der Aufschrei war groß, als spät aber doch am 6. April auch das Nova Rock Festival abgesagt werden musste: Es war zwar absehbar, denn selbst vor den Foo Fighters, System of a Down, Volbeat und Co. schien Corona weder Angst noch Erbarmen zu haben. Allein in diesem singulären Fall wurden über 150.000 Menschen ihrem ureigenen Bedürfnis nach lautem Rock’n’Roll, gewürzt mit einer Prise pannonischem Staub und einigen Litern Ottarocker, beraubt – und ja, man geht wohl nicht zu weit, wenn man auf das erste Halbjahr zurückblickend selbiges mit Schimpfwörtern eindeckt, die sich – im Gegensatz zu manchen Festivalbesuchern – gewaschen haben. Und ja, auch objektiv betrachtet ist die Eventbranche die, die von der Pandemie am stärksten und nachhaltigsten betroffen wurde: Bis dato gibt es weltweit (!) keine Pläne, wann wir uns endlich wieder in die Moshpits werfen oder lässig an den Bars lehnen dürfen, während nur wenige Meter entfernt ein paar Rabauken im Schweiße ihres Angesichts die Dezibelskala hochjagen.

Aber während die Bundesregierung mit Hut und auf Sicht fährt, beweisen die Rocker wie eh und je Cojones, stecken der Pandemie die Mittelfinger in beide Ohren und drehen die Regler auf 11; Mit Reverend Backflash, Kaiser Franz Josef, Black Inhale, sowie Seiler und Speer bezogen vier derjenigen heimischen Bands, die dieses Jahr am Nova Rock gespielt hätten und für kommendes Jahr bereits verpflichtet wurden, unter dem Schlagsatz „You Can’t Cancel Rock’n’Roll“ an einem Freitag im Mai auf den Pannonia Fields die Red Bull Stage und spielten zwar ohne Publikum, dafür vor den Kameras des bulligen Kraftstoffherstellers ihre Sets, die uns trotz musikalisch divergierender Ansätze unisono klar machten, wie sehr uns Livekonzerte in den letzten Wochen wirklich abgegangen sind – und verpassten uns scheinbar nebenher noch dazu einen Schub aus positiver Energie und Euphorie, dass wir uns (bald?) wieder ein paar zünftige Gnackwatschn livehaftig abholen werden können.

Neben dem bereits bekannten österreichischen Bandpaket dürfen wir nun auch die erste internationale Line-Up-Erweiterung präsentieren: Zahlreiche Bands, darunter Volbeat und System Of A Down, konnten auch für nächstes Jahr gewonnen werden! Tickets sind ab sofort bei oeticket.com verfügbar!

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„You Can’t Cancel Rock’n’Roll“ ist also nicht nur das Motto vom nächstjährigen Nova Rock, das zwischen 2. und 5. Juni wieder über die Bühne gehen wird, sondern auch vom lautstarken Intermezzo, das diese Woche Freitag um 20:30 bei Red Bull gestreamt wird: Reverend Backflash, Kaiser Franz Josef, Black Inhale und Seiler und Speer läuten (hoffentlich!) langsam das Ende einer viel zu langen Live-Dürreperiode ein. Wir haben die Chance genutzt, uns nicht nur mit Seiler und Speer, sondern auch mit den drei anderen Bands bei ein paar Ottarocker auszutauschen – denn egal, ob wir auf, hinter oder vor der Bühne stehen, letzten Endes sind wir alle eine große Familie mit einem gemeinsamen Bestreben: Wir lassen uns von niemandem die tosend laute Livemusik nehmen, nicht einmal von der oasch Pandemie.

Nun sind wir schon seit über zwei Monaten in der Krise, einer Krise, die die Kulturbranche mit am stärksten und dauerhaftesten betroffen hat. Wie weit ist auch euer Leben auf den Kopf gestellt worden?

Schlo (Black Inhale): Schon sehr, in vielen Bereichen. Keine Liveshows schmerzen natürlich ungemein – aber selbst auf Proben verzichten zu müssen, war ein Schlag ins Gesicht.

Sham (Kaiser Franz Josef): Gefühlt hat sich alles verändert. Wir mussten sofort mal unsere Tour absagen, wussten nicht wie wir mit unserem Releaseplan weitermachen sollten und waren handlungsunfähig. Ich habe dann begonnen, Acoustic-Sessions von zu Hause aus zu spielen, die wir über Social Media live gestreamt haben. Das hat mir persönlich ein bisschen geholfen.

Jack (Reverend Backflash): Ja, das war schon alles recht verrückt. Ich weiß ehrlich gesagt nicht, wann ich das letzte Mal so lange keine Show gespielt und nicht einmal geprobt habe. Dass mittlerweile zumindest Proben möglich sind, ist ein kleines Trostpflaster, aber es fühlt sich schon noch alles andere als normal an.

In einem anderen 2020 hättet ihr konzertiert, geprobt, Interviews gegeben, zumal ihr mit Black Inhale soeben euer neues Album veröffentlicht habt, ihr mit Kaiser Franz Josef kurz vor der Veröffentlichung steht. Wie weit füllt ihr die entstandenen Leerstellen als Künstler produktiv auf?

Schlo (Black Inhale): Interviews werden schriftlich geführt, Proben können endlich wieder starten. Den Hunger auf Live-Shows nehmen wir mit, bis man uns wieder wie hungrige Wölfe auf die Bühne lässt.

Sham (Kaiser Franz Josef): Wir haben uns alle auf andere Teile unseres Lebens konzentriert. Ich habe einfach mehr Zeit mit meiner Familie verbracht, Tom hat begonnen zu gärtnern, Pete hat sich glaube ich hauptsächlich einmal von seinem stressigen Leben erholt: Dinge, die sonst sowieso zu kurz kommen.

Jack (Reverend Backflash): Wir haben im Vergleich zu anderen glaube ich ziemlich Glück gehabt. Wir mussten zwar einige große Shows absagen, aber davon abgesehen haben wir uns mit dem Booking für 2020 ein wenig zurückgehalten, weil wir uns heuer ganz aufs neue Album konzentrieren wollten: Songwritting, Aufnahmen, etc. – also alles Dinge, die man auch in Pandemiezeiten recht gut machen kann eigentlich.

Apropos neues Album: Zahlreiche Bands haben ihre Veröffentlichungen verschoben, einerseits weil Presswerke eine Zeit lang stillstanden, andererseits weil das jeweils neue Album nicht live vorgestellt werden konnte. Ihr habt euch dagegen entschieden und trotzdem veröffentlicht. Warum?

Schlo (Black Inhale): Einerseits wollen wir unseren Fans gerade die Krisenzeit etwas versüßen. Andererseits spiegelt das Album den derzeitigen Stand der Dinge wider – wir mussten einfach raus damit.

Sham (Kaiser Franz Josef): Wir sind eine kleine Band und unser Release würde definitiv in der Masse untergehen. Die Leute werden zu den Shows kommen, wenn ihnen die Musik gefällt, darauf haben wir vertraut. Ob das richtig war, wird sich erst zeigen, es gibt dafür glaube ich kein einzig richtiges Konzept.

Black Inhale sind schon Feuer und Flamme, ihr neues Album „Resilience“ auch live vorzustellen. Foto: Dave Bitzan DB Photography

Auftritte sind, im Gegensatz zu Platten- und Merchandisekäufen, heute eine überwiegende Einnahmequelle für Künstlerinnen. Mit dem Wegbruch derer: Wie prekär ist die Situation für euch persönlich, wie weit helfen etwaige Fonds?

Schlo (Black Inhale): Unterstützung erfahren wir keine. Wir leben aber finanziell nicht von der Band (im Herzen durchaus). Die Ausgaben, die mit dem Release von „Resilience“ verbuden sind, werden wir wohl nächstes Jahr einholen.

Sham (Kaiser Franz Josef): Es ist wirklich schwierig, wir kommen ohnehin sehr schwer um die Runden und da sind wir bei weitem nicht die Einzigen. Es ist nicht glamourös das zu sagen, aber es ist die Wahrheit. Die Fonds sind für uns wie für alle anderen Selbständigen schlicht und einfach ein Witz. Welcher Selbständige kann sich mit 1000 € über Monate über Wasser halten?! Ich stelle mir da immer vor, wie es wäre, einen kleinen Laden zu besitzen, wie bezahlt man die Miete dafür und wovon soll man dann leben?

Jack (Reverend Backflash): Ja, das stimmt, ohne Live-Shows fehlen natürlich die Gagen und auch die Merchverkäufe bei den Shows fallen weg. Deshalb haben wir gleich einen Webshop aufgesetzt, damit die Leute auch ohne Shows an Merch kommen. Fonds helfen uns gar nicht, unser Rock’n’Roll ist freifinanziert.

Wie unbürokratisch oder einfach war es für euch, Unterstützungen für die Zeit zu erhalten?

Sham (Kaiser Franz Josef): Es war für die erste Phase relativ unbürokratisch, allerdings ist es wirklich abscheulich, was mit den angegebenen Daten passiert, was die meisten nicht wissen. Die werden in einer ÖVP-nahen Firma verarbeitet, wer weiß wo meine Daten schon überall waren.

Jack (Reverend Backflash): Reverend Backflash finanzieren wir mit unserer eigenen, persönlichen Leidenschaft – und wenn ich Leidenschaft sage, meine ich Kohle (lacht). Na, Scherz bei Seite: Die Band finanziert sich größtenteils selber, dass wir Kohle rausnehmen steht dabei allerdings nicht zur Debatte. Jeder Euro, der mit der Band erwirtschaftet wird ist streng zweckgebunden für den Rock’n’Roll – das Geld der Fans ist also sicher bei uns (lacht). Daher haben wir keine Erfahrungen, wie kompliziert es ist, Förderungen zu erhalten. Aber ich garantiere dir, wären wir in die Verlegenheit gekommen um Unterstützung anzusuchen, wären wir bestimmt zu blöd dafür gewesen (lacht).

Viele Künstlerinnen leben freilich nicht von der Kunst allein: Das wäre, nicht nur hierzulande, ein immens unsicheres Unterfangen. Wie gehen Brot und Butter bei euch Hand in Hand, vor und während der Krise – und insbesondere auch: danach?

Schlo (Black Inhale): Wir sehen Black Inhale in finanzieller Hinsicht als zweites Standbein, als Bonus. Wir wollten uns in Vergangenheit finanziell nicht von der Band alleine abhängig machen. Das hat Vor- und Nachteile. Ein Vorteil ist, dass wir sehr ungezwungen und autark Entscheidungen treffen. Der Nachteil ist, dass wir stets im Spagat zwischen Geldverdienen und Passion leben.

Sham (Kaiser Franz Josef): Vollkommen richtig, Tom spielt noch bei Drumatical und arbeitet mit seinem Vater, Pete hat einen Job, den er über seine Familie bekommen hat. Die größte Hürde, zumindest für mich, ist es einen Job zu finden, der es einem erlaubt, auch mal von der Arbeit fernzubleiben, um etwa für ein Monat auf Tour zu gehen. Ich bin auch Sound Engineer und habe teilweise solche Jobs, aber das reicht oft trotzdem nicht und dann muss ich mich teilweise einfach arbeitslos melden. Allerdings ist das auch nicht problemfrei, ein bedingungsloses Grundeinkommen würde den Druck definitiv verringern. Ich denke nicht, dass ich der Einzige bin, der das so sieht.

Jack (Reverend Backflash): Jeder in der Band macht Dinge, auf die wir nicht stolz sind, um Geld zu verdienen. Abends und am Wochenende spielen wir dann in einer Band. Es ist wie bei so einem Superhelden aus dem Kino, nur ganz anders.

So laut gehts halt zuhause nicht: Bei Kaiser Franz Josef stehen die Regler live auf der sprichwörtlichen 11. Foto: Dave Bitzan DB Photography

Zahlreiche Künstlerinnen wanderten von der Bühne ins Netz, etwa auf Instagram, oder auf ihren Balkon. In einigen Ländern gaben auch ganze Bands professionell aufgezogene Geisterkonzerte, die kostenfrei oder kostenpflichtig ins Netz gestellt wurden. Seht ihr für diese Art von Konzertieren eine Zukunft – nicht als Ersatz für das althergebrachte Livegefühl, aber additiv?

Schlo (Black Inhale): Für uns nicht wirklich. Musik soll live erlebt werden – Gestank, Schweiß und Bier gehören zu Metal einfach dazu.

Sham (Kaiser Franz Josef): Nein, absolut nicht. Daran zu denken bringt uns schon den Brechreiz.

Jack (Reverend Backflash): Ich denke, das ist eher aus der Not heraus entstanden und wird nie richtige Live-Konzerte ersetzen. Versteht mich nicht falsch, ich liebe die Musik, aber wozu schaue ich mir eine Band an, wenn ich in der Schlange zum Klo nicht einen guten alten Freund treffe, den ich seit Jahren nicht mehr gesehen habe oder ich den Gitarristen von der zweiten Band nicht fragen kann, wo sie gestern gespielt haben und wo sie morgen spielen werden oder wenn ich am Ende des Abends das nette Mädchen von der Bar, an deren Name ich mich gerade nicht erinnern kann, nicht fragen kann ob wir noch ins Cafe Carina gehen, weil eh schon alles wurscht ist … Auf Konzerte gehen muss immer ein Abenteuer sein, die Band ist der Soundtrack!

Musik war aber nicht nur für die Künstler selbst wichtig, auch die Polizei Wien dachte sich, es wäre ein Zeichen des Zusammenhaltes, für einige Zeit die Stadt mit Fendrichs Kulthymne „I Am From Austria“ zu beschallen. Eure Gedanken dazu?

Schlo (Black Inhale): Musik kann verbinden. Musik kann Grenzen sprengen. Musik kann wach rütteln. Musik kann beruhigen. Dessen sind wir uns natürlich bewusst.

Sham (Kaiser Franz Josef): Ja, sollen sie machen, wenn sie wollen.

Jack (Reverend Backflash): (lacht) Dass man mit Menschen auf einer emotionalen Ebene kommuniziert finde ich nicht verwerflich, immerhin tue ich selber auch genau das. Aber von mir aus hätten sie auch gerne etwas von den Ramones auflegen können …

Die Kulturbranche war die erste, die von der Krise betroffen war, und wird wohl die letzte sein, die wieder im vollem Umfang erblüht: Anfangs präsentierte sich die Branche noch kreativ-motiviert, mit der katastrophalen und überhaupt ersten Pressekonferenz zum Kulturthema Mitte April kippte die Stimmung doch gewaltig: Denkt ihr, wird die Kultur (und gerade die Populärkultur) als verzichtbares Luxusgut wahrgenommen?

Schlo (Black Inhale): Ich denke von den meisten schon. Es soll Menschen geben, die Kultur nicht zu schätzen wissen … Gefährlich, wenn solche Menschen Entscheidungen mit Tragweite treffen sollen.

Sham (Kaiser Franz Josef): Es wäre traurig, wenn es so wäre. Aber ich denke, die Leute haben in dieser Krise schon verstanden, dass Kunst, Kultur und Unterhaltung sehr wichtig sind und immer waren. Zumindest hoffe ich das.

Jack (Reverend Backflash): Ja, vor allem die Populärkultur. Dabei denke ich wird gerade die wichtig sein, wenn man wegkommen will von dieser verrückten Konsumgesellschaft, wo sich die Leute aus Langeweile den dritten Fernseher und die zehnte Jacke kaufen. Einen Song schreiben und ihn jemanden vorspielen kostet wenig Ressourcen und macht nachhaltig glücklich … You may say I’m a dreamer, but I’m not the only one!

Was mir sauer aufstößt: Die Partei der Grünen, seit jeher hofiert von Kulturschaffenden, versteht ihre Kernzielgruppe nicht, aber es gibt auch keine lautstarke Lobby im privaten Sektor – und das, obwohl ihr Künstler jeden Tag abertausend Menschen bestens unterhaltet. Warum?

Schlo (Black Inhale): Eventuell weil sich die Politik vor allem um die Salzburger Festspiele und die Oper in Wien kümmert – für Bands und die Jugend fehlen dann vermutlich die notwendigen Ressourcen.

Sham (Kaiser Franz Josef): Ich glaube, kein Künstler will sich als arm oder schutzbedürftig darstellen. Die Gruppe der Künstler ist sehr idealistisch und stolz, manchmal vielleicht auch eitel. Ohnehin wird einem in der österreichischen Mentalität immer eingeimpft, dass Kunst kein Beruf ist. Deswegen kann ich mir vorstellen, dass keiner aufzeigen will um zu sagen, dass die Umstände schlecht sind, um kein „hättst was g’scheites g’lernt“ als Antwort zu bekommen. Das sind jedenfalls meine Gedanken.

Jack (Reverend Backflash): Vielleicht haben Musiker und Künstler es schwerer als andere Berufsgruppen, ihre gemeinsamen Interessen zu erkennen und zu verteidigen, bemüht man sich doch als Künstler ständig, die Originalität und Einzigartigkeit des eigenen Schaffens und Seins zu unterstreichen. Die Leidenschaft der Künstler zu ihrer Kunst wird natürlich auch ausgenutzt, nach dem Motto: „Aber es macht dir ja eh Spaß“ … wie es halt so ist in der Kreativbranche.

Auch eure Fans sind von Konzertverschiebungen betroffen. Einige Musikfans hätten natürlich jetzt lieber das Geld retour, die Bundesregierung unterstützt die Branche jedoch mit einer Gutscheinlösung. Wie steht ihr als Teil der Branche dazu und was würdet ihr einem eurer Fans mit auf den Weg geben, der meint: „Was interessiert mich das“?

Schlo (Black Inhale): Das ist ehrlich gesagt nicht unsere Kompetenz, hierzu bitte andere befragen. Wir sind jedenfalls motiviert bis in die Zehenspitzen und werden zum Beispiel nächstes Jahr am Nova Rock doppelt so arg auf die Scheiße hauen – das würde ich mir als Fan nicht entgehen lassen wollen.

Sham (Kaiser Franz Josef): Jeder hat sein eigenes Gepäck zu tragen und das gute Recht sein Geld für eine Leistung zurückzubekommen, die er nicht erhalten hat.

Jack (Reverend Backflash): Die Gutscheinlösung finde ich gut. Es kann natürlich jeder dazu stehen wie er will, aber wenn die Clubs jetzt alle pleite gehen wird es lange dauern, bis neue kommen – und bis dahin müssten wir dann jeden Freitagabend „Was gibt es Neues?“ schauen, statt mit Freunden mehr oder weniger zufällig diese eine coole Band zu sehen, die dann in vier Jahren in aller Munde ist, aber als wir sie gesehen haben, kannte die noch keiner und jedesmal wenn ein Song von denen im Radio läuft, könnten wir sagen, dass wir die locker lässig damals vor 40 Leuten spielen gesehen haben … Also entweder das, oder „Was gibt es Neues?“.

Besser, als ein Abend mit „Was gibts Neues?“ im Fernsehen: Eine geladene Show von Reverend Backflash. Foto: Dave Bitzan DB Photography

Nun wird zaghaft versucht, wieder langsam in ein Konzertieren zurückzufinden, vorerst mit Sitzplatzkonzerten und großen Abständen und anderen Einschränkungen. Auch im Herbst werden, bei einer etwaigen Öffnung für Stehkonzerte, noch keine Superstars aus Amerika die Stadthalle füllen. Denkt ihr, wird dies für einen zumindest temporären Hype an heimischen Künstlern sorgen? Immerhin wurde während der Krise auch propagiert, heimische Unternehmen zu unterstützen, im Sommer dann im Inland zu urlauben.

Schlo (Black Inhale): Für uns spielt es keine Rolle woher eine Band kommt. Wir haben in Österreich unheimlich tolle Gruppen und wenn davon eine auftritt, dann wissen das die Fans zu schätzen und werden Konzerte auf alle Fälle besuchen. Grundsätzlich ist man als Fan nicht nur einer Band versprochen – es geht vielmehr um Teil der Szene zu sein, sich auszutauschen – unabhängig davon, ob internationaler oder heimischer Act.

Sham (Kaiser Franz Josef): Es ist eine neue Situation für uns alle, es wird sich zeigen, wie es wird.

Jack (Reverend Backflash): Ja, das kann schon sein. Andererseits ist die Frage, wieviele Locations wirklich sinnvoll aufsperren können. In manchen Genres wird es schwierig, ohne ausländische Künstler eine ganze Clubsaison zu buchen – und auch die Bands können nicht jede zweite Woche vor dem selben Publikum spielen. Der Austausch über die Grenzen ist lebenswichtig für Clubs, Bands und Publikum – für die Szene halt!

Unter welchen Bestimmungen wäre für euch ein Konzertieren denkbar – oder plant ihr, Auftritte erst wieder zu geben, wenn „die alte Normalität“ wieder eingekehrt ist?

Schlo (Black Inhale): Wir vertrauen da unserem Management Maja und Fire. Wenn die beiden grünes Licht geben, entern wir sofort die Bühne.

Sham (Kaiser Franz Josef): Wir gehen im September auf Tour, worauf wir uns schon sehr freuen. Es bleibt zu hoffen, dass die Regulationen weiterhin gelockert werden. Es wird mit zweierlei Maß gemessen. Flüge sind erlaubt, wo Leute wesentlich enger beisammen sind. Da gibt es keine Regulationen, dass ein Sitzplatz dazwischen frei bleiben muss. Im Theater schon, warum?

Jack (Reverend Backflash): Ohne Impfung wird es keine normale Clubszene geben, das ist vollkommen klar. Ob wir vor der Impfung Konzerte spielen werden weiß ich nicht, ich glaube es eher nicht.

Die „neue Normalität“ ist ein schrecklicher Begriff, der von der Bundesregierung geprägt wurde. Allerdings: Die Krise hat auch gezeigt, ein Zurückkehren in die „alte Normalität“ ist vielleicht an gewissen Ecken und Enden unklug, weil der Alltag etwa unökonomisch war – ich denke da an die zahlreichen Dienstreisen – oder auch ohne Krise schon prekär – ich denke da etwa an Anstellungsverhältnisse oder Förderungen in der Kulturbranche. Welche Änderungswünsche für die „neue neue Normalität“ nehmt ihr für euch mit, wenn ihr jetzt Wunschkonzert spielen dürft?

Schlo (Black Inhale): Wir hätten gerne einen Verein für die Förderung talentierter beziehungsweise engagierter Bands, der zum Beispiel das Bereitstellen von Bussen übernimmt.

Sham (Kaiser Franz Josef): Der Begriff ist ekelhaft, aber wenn man ihn unvoreingenommen betrachtet wäre es wünschenswert, dass die Menschen die Grundhygiene beibehalten und im Allgemeinen ein größeres Bewusstsein für ihre Verantwortung in ihrer Umwelt behalten.

Jack (Reverend Backflash): Es wäre schön, wenn man das Geld in der Gesellschaft ein bisschen besser verteilen könnte. Es gibt Menschen, die haben soviel Geld, die könnten jeden Tag im Jahr zu einer Rock’n’Roll-Show gehen und tun es trotzdem nicht. Schade um das schöne Geld!

Nach einem so langen Stillstand wird das erste Konzert vor Publikum sicher ein besonderes Gefühl sein. Plant ihr dahingehend etwas Spezielles?

Schlo (Black Inhale): Nicht wirklich – man soll uns einfach nur wieder auf die Bühne lassen. Besonders freuen wir uns auch schon auf die ersten Aftershow-Parties mit den Fans. Gerade nach dem Albumrelease ist uns der Austausch mit den Fans enorm wichtig.

Sham (Kaiser Franz Josef): Wir planen es, umso mehr zu genießen, wer weiß, wann wieder alles vorbei ist.

Jack (Reverend Backflash): Wir planen für Herbst 2021 die Release-Tour von unserem neuen Album. Sollte die Impfung wider Erwarten früher verfügbar sein, werden wir überlegen ob wir vorher auch schon etwas machen.

Was ist euer Silberstreif am Horizont?

Schlo (Black Inhale): Die Vorfreude, die neuen Songs für unsere Fans live spielen zu dürfen … besonders am Nova Rock 2021!

Sham (Kaiser Franz Josef): Wir dürfen uns nicht beschweren, wir leben in einem reichen, sicheren Industrieland, wir werden nicht verhungern und es ist trotz allem schön zu sehen, dass Maßnahmen gesetzt worden sind, die Menschenleben vor Kapitalismus stellen. Diese Absicht darf man nicht vergessen.

Jack (Reverend Backflash): Definitiv die Arbeit am neuen Album. Und ich weiß jetzt schon, dass das ein ganz besonderes Gefühl sein wird, wenn ich mir diese Platte in 20 Jahren dann selber wieder anhöre.

„Resilience“ von Black Inhale ist am 29. Mai erschienen und ist hier erhältlich. Black Inhale werden kommendes Jahr am Nova Rock gastieren.
Am 17. Juli erscheint das neue Album von Kaiser Franz Josef, das hier vorbestellbar ist. Konzerte gibt es bereits ab Herbst, u. a. im B72 – sie rocken aber auch das Nova Rock 2021.
Reverend Backflash arbeiten gerade an ihrem neuen Album, das ab Sommer nächsten Jahres, darunter am Nova Rock 2021, live vorgestellt werden wird.

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