Zwischen Dreampop und Indie-Rock: Shelter Boy

Shelter Boy

Mit der neuen Single „Atmosphere“ gibt Shelter Boy nach seiner letztjährigen EP „Rock’n’Roll saved my Childhood (lel)“ ein weiteres, starkes Lebenszeichen von sich.

Shelter Boy ist das musikalische Bindeglied zwischen ähh, naja … ist irgendwie auch egal. Anfangs oft als deutscher Mac DeMarco bezeichnet, hat Shelter Boy schnell seinen ganz eigenen Stil gefunden und vermischt die verträumten Gitarrensounds mit einer Rauheit, die eher an King Krule erinnert. Das Ergebnis kann irgendwo zwischen Indie-Rock und Dreampop eingeordnet werden.

Auf seiner Debüt-EP „Mirage Morning“ (2019) überlagerte eine überraschende Mühelosigkeit die eigentliche Auseinandersetzung mit seiner komplexen Gefühlswelt. So bewegte man sich zwischen der Euphorie nach einem gestandenen Backside Heelflip und dem ständigen Struggle des Alltags. Shelter Boy möchte sich selbst in den Wirren seines Daseins verorten: Es sind lange Tage und noch längere Nächte, die ihn zu seinen Songs inspirieren, die in Eigenregie in seiner Wohnung entstehen.

Erste Band- und Bühnenerfahrungen sammelte er als Co-Frontmann und Gitarrist der Indie-Band Still Trees, bevor er sich entschied, den Ego-Trip zu schieben, um seine Hirngespinste zu verwirklichen. Wenn er mal nicht mit seiner Band, der Shelly Family, unterwegs ist, kann man ihn auch des Öfteren Solo antreffen. In voller Besetzung ist Shelter Boy ein Entertainment-Komplettpaket der Spitzenklasse. Derbe Sprüche treffen auf gewagte Showeinlagen und impulsive musikalische Exkursionen. Der Raum ist gefüllt mit Liebe und jugendlichem Leichtsinn. Aber auch wenn Shelter Boy alleine spielt, gelingt es ihm diese Energie zu transportieren, nur eben in einem intimeren Setting.

Im Jahr 2019 hat Shelter Boy bereits auf diversen Festivals und als Opener für Gus Dapperton, Yakub Ogawa und Omar Apollo gespielt. Letzten Jänner erschien seine EP „Rock’n’Roll saved my Childhood (lel)“ auf seinem Label ZG500 Records. Die EP zeigt die rasche Weiterentwicklung und die Motivation Shelter Boys auf, ohne übereilt zu wirken. Mit „Let em Go“ und „Use Me“ wurde die Vielseitigkeit der EP bereits angedeutet, zum Namen der EP sagt er selbst: „Zum einen ist das irgendwie wahr, denn die Musik von Dylan, den Beatles und so weiter haben mich tatsächlich irgendwie durch meine Teenagerjahre gebracht. Ich bin in einer sehr provinziellen Ecke von Sachsen groß geworden und da beschäftigen sich eben die meisten Leute mit Autos, Fitness oder Sonstigem. Ich hab in der Zeit eben Musik gehört und angefangen zu machen. Auf der anderen Seite ist die ganze Sache auch nicht 100% ernst zu nehmen. Ich fand’s einfach witzig, etwas Wichtiges wie den Titel eines Tonträgers mit unserer heutigen Sprache nichtig zu machen. Nicht mehr und nicht weniger, vielleicht ärgere ich mich auch irgendwann drüber, wer weiß das schon.“

Ein übergeordnetes Thema der EP gibt es nicht wirklich, viel mehr ist sie eine Momentaufnahme der aktuellen Situation des Shelter Boys. Was aber trotzdem beim Hören auffällt ist, dass die Platte durchaus mehr Hip-Hop Einflüsse bekommen hat. Man fühlt, dass die Songs deutlich konkreter zum Vorgängerwerk geworden sind und wie Shelly seinen eigenen Style nochmal genauer definiert hat.

Nun gibt es mit „Atmosphere“ den ersten Vorgeschmack auf alles, was Shelter Boy in 2021 so geplant hat.